Ein Stapel älterer Bücher, das oberste aufgeschlagen. Eine Lesebrille liegt darauf.
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Von Armenien nach Gmünd in „Premiere“

Mit der Autorin Marianne Jungmaier unternehmen wir am Samstag in „Premiere“ (17.Juli, 19.03 Uhr) eine Reise ins heutige Armenien und genießen dort das geschäftige Treiben bei schwarzem Kaffee und Lavash Brot. Und Thomas Samhaber begibt sich mit uns nach Gmünd ins Jahr 1920, wo wir Franz Kafka und Milena Jesenská treffen.

Wie stark gebrauter Kaffee liest sich die Erzählung „Sev Surj“ also „Schwarzer Kaffee“ von Marianne Jungmaier rund um die junge Armenierin Lilit. Lilit ist eine Nachfahrin jener, die sich im frühen 20. Jahrhundert der Verfolgung entziehen und aus dem Osmanischen Reich fliehen mussten. Viele Armenier haben seither Verwandte in aller Welt – ebenso Lilit, die als Alleinerzieherin mit ihrer Tochter Nour in einem Plattenbau im geschäftigen Jerewan lebt. Der Alltag verlangt allen viel Lebenskunst und praktische Findigkeit ab. Das prägt auch den Umgang der Menschen untereinander.

Mehrere Recherche-Reisen

Der Text „Sev Surj“ stammt aus einem in Arbeit befindlichen Roman, der im gegenwärtigen Armenien spielt. Zwischen 2018 und 2019 hat die Autorin mehrere Recherche-Reisen dorthin unternommen. „Sev Surj“ wird Teil eines Bandes mit Reiseerzählungen sein.

Die Autorin Marianne Jungmaier ist gebürtige Linzerin, Jahrgang 1985. Seit 2011 arbeitet sie als freischaffende Autorin und unterrichtet kreatives Schreiben. Inner- und außereuropäische Länder wie Italien, Island, Schottland oder Brasilien und Pakistan hat die Autorin im Rahmen ihrer zahlreichen Auslandsaufenthalte bereist und erkundet.

Hintergründe Kafkas „Briefe an Milena“

Franz Kafkas „Briefe an Milena“ zählen zur Weltliteratur. Wer die Frau hinter diesen Briefen war, und welche Verbindung der Schriftsteller zur ebenbürtigen, couragierten Freundin hatte, dem ist Thomas Samhaber auf den Grund gegangen. Der in Peuerbach geborene Autor hat im Verlag „Bibliothek der Provinz“ das Buch „Begegnung an der Grenze: Milena Jesenská und Franz Kafka in Gmünd“ herausgegeben. Es ermöglicht mit reichlichen Auszügen aus Briefen, Feuilleton-Texten und mit historischem Bildmaterial einen tiefen Blick auf zwei herausragende Persönlichkeiten des frühen 20. Jahrhunderts.

Internationales Symposium

Am Freitag dem 23.7.2021 wird es in Gmünd rund um die historische Begegnung zwischen Franz Kafka und Milena Jesenská ein internationales Symposium geben. Neben einem geführten Spaziergang, einer Ausstellung und einer Denkmalenthüllung werden renommierte Expertinnen und Experten aus Österreich, Tschechien und Deutschland Vorträge rund um das Thema halten. Darunter auch der Autor Robert Menasse oder die Herausgeberin Alena Wagnerová.

Und wer war Milena Jesenská? Jesenská wurde 1896 in eine bürgerliche Familie in Prag geboren. Als junge Frau zog sie gemeinsam, sehr zum Unwillen ihres Vaters, mit dem jüdischen Journalisten Ernst Polak nach Wien. Dort arbeitete sie als Übersetzerin, unter anderem für Franz Kafka, oder schrieb Reportagen und Feuilletons für die Prager Zeitung „Tribuna“.

Sendungshinweis:
„Premiere“, 17. Juli, 19.03-20.00 Uhr, ORF Radio Oberösterreich

Diese frühen Texte stehen auch am Anfang des Bandes „Prager Hinterhöfe im Frühling. Feuilletons und Reportagen 1919 – 1939“. Er beinhaltet ihre journalistischen Arbeiten bis 1939, bis zu jenem Jahr also, als die inzwischen für kommunistische Zeitungen arbeitende Jesenská sich dem antifaschistischen Widerstand anschloss. Im November 1939 wurde sie von der Gestapo verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert, wo sie im Mai 1944 mit 47 Jahren starb.

Literaturhinweise zur Sendung:

  • Marianne Jungmaier „Sev Surj – Schwarzer Kaffee“ (Manuskript)
  • Thomas Samhaber „Begegnung an der Grenze: Milena Jesenská und Franz Kafka in Gmünd“ (Bibliothek der Provinz)
  • Milena Jesenská „Prager Hinterhöfe im Frühling. Feuilletons und Reportagen 1919 – 1939“ (Wallstein-Verlag)