Auf der Hintersteiner Alm im Spital am Pyhrn.
Johannes Reitter / ORF Oberösterreich
Johannes Reitter / ORF Oberösterreich

Erlebnis Österreich: „Die letzten Sennerinnen“

In einem Erlebnis Österreich „Auf der Alm gibt‘s bald ka Sünd mehr – Die letzten Sennerinnen von Oberösterreich“ aus dem ORF-Landesstudio OÖ haben Gestalter Johannes Reitter und Kameramann Michael Leumüller Sennerinnen, Halter und Almbauern bei ihrer oft schweißtreibenden, aber – wie sie sagen – äußerst erfüllenden Arbeit begleitet.

Einen Wecker benötigen die fünf Sennerinnen auf der Hintersteiner Alm in Spital am Pyhrn nicht. Oft schon gegen halb vier Uhr werden sie vom immer lauter werdenden Läuten der Kuhglocken geweckt, denn die Milchkühe, die zusammen mit dem Jungvieh die Nacht meist im Freien verbringen, wollen in der Früh gemolken werden.

Sendungshinweis:
Erlebnis Österreich: „Auf der Alm gibt‘s bald ka Sünd mehr – Die letzten Sennerinnen von Oberösterreich“
Sonntag, 30.8.20, 16.30 Uhr, ORF 2.

Den Großteil der Milch bringen die Sennerinnen oder die Almbauern von der Hintersteiner Alm ins Tal. Ein Teil davon wird in dem im Warscheneckgebiet gelegenen Almdorf zu Butter und Ennstaler Steirerkas verarbeitet, einem für die Region typischen Sauermilchkäse mit pikant-würzigem Geschmack, der aufs Butterbrot gebröselt oder für Kasnocken und Erdäpfelsuppe verwendet wird.

Immer weniger Almen …

Doch immer weniger Landwirte lassen in Oberösterreich ihr Vieh über den Sommer auf den saftigen Almen weiden, denn für die bäuerlichen Betriebe stellt die Almwirtschaft im besten Fall oft lediglich ein Nullsummenspiel dar. Nicht einmal mehr 4.000 Stück Vieh grasen zwischen Ende Mai und Mitte September auf den hochgelegenen Weiden und die Tendenz ist weiter sinkend. In den 1950er-Jahren waren es hingegen noch doppelt so viele.

… immer mehr Besucher

Gleichzeitig besuchen immer mehr Menschen die Hütten und Jausenstationen auf der Suche nach Erholung, aber auch nach Unterhaltung. Sie genießen die urige Atmosphäre in den Hütten, die zum Teil schon Jahrhunderte überdauert haben, ebenso wie die selbstgemachten kulinarischen Köstlichkeiten und auch die musikalischen Leckerbissen, die während der Saison auf den Almen dargeboten werden.

In der Küche der neuen Lauderer Alm in Ebensee.
Johannes Reitter / ORF Oberösterreich

Weiden wachsen zu

Immer mehr ehemalige Weiden wachsen allerdings zu. Das Erscheinungsbild der Kulturlandschaft verändert sich dadurch und das Läuten der Glocken, das viele mit dem Sommer im Gebirge verbinden, droht zu verstummen. Doch es gibt auch den einen oder anderen Hoffnungsschimmer für die Almwirtschaft. Eine traditionsbewusste Bauernfamilie aus Ebensee hat in Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bundesforsten in jahrelanger mühevoller Arbeit auf knapp 900 Meter Seehöhe eine neue Alm geschaffen, nachdem ihre weiter unten im Tal gelegene frühere Almhütte einer Mure zum Opfer gefallen ist. Dort möchte sie in Zukunft sogar wieder Milchkühe halten und die Milch direkt vor Ort verarbeiten.

Auf der Hochstein Alm in Hinterstoder.
Johannes Reitter / ORF Oberösterreich

Die idyllisch gelegene Hochstein Alm im Gemeindegebiet von Hinterstoder in 1.300 Meter Höhe, die 20 Jahre lang brach gelegen war und nur zu Fuß über steile Wege und Pfade erreichbar ist, wurde von einem idealistischen Rinderzuchtberater in bewundernswerter Manier wiederbelebt. Wanderer, die während der Sommermonate auf dem „Stoderer Dolomitensteig“ unterwegs sind, werden nun wieder von zufriedenen Jungtieren, Mutterkühen und Ochsen empfangen.

Sennerin Alicia auf der Hintersteiner Alm.
Johannes Reitter / ORF Oberösterreich

Und Menschen wie der Stiftsorganist von Wilhering, der seit Jahren im Sommer als Senner im Toten Gebirge lebt und arbeitet, oder die gebürtige Polin Alicia, die völlig ungeplant Sennerin auf der Hintersteiner Alm geworden ist und dabei ihre Berufung gefunden hat, zeigen vor, wie ein Leben auf der Alm auch im 21. Jahrhundert möglich ist.

Eine Produktion aus dem ORF-Landesstudio Oberösterreich.

Gestaltung: Johannes Reitter
Kamera: Michael Leumüller
Schnitt: Peter Schnöll