Anton Bruckner
Ferry Beraton / Public domain
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Premiere

„B“ wie Barta, Buchmayr, Bruckner und Böck

Von versuchter Brautwerbung eines Großmeisters der Musik bis zum bemerkenswert bewegenden Romandebut: Anton Bruckner, Wolfgang Böck, Friedrich Buchmayr und Dominik Barta laden in „Premiere“ am Samstag zum prominent besetzten Hörvergnügen.

Wie ein leuchtender Fixstern steht sein Name auf dem Firmament ewiggültigen Musikschaffens: Anton Bruckner. Seine Symphonien, Messen, Motetten und Kantaten sind ebenso einzigartig wie weltberühmt.

Sendungshinweis

„Premiere“, Samstag, 21. März 2020, 19.03 – 20.00 Uhr

Die Sache mit der Damenwelt

Doch wie stand es um die persönliche Befindlichkeit des Maestro in Sachen Damenwelt? Weshalb blieb sein Brautwerben unerhört, und zählte charmante Eleganz tatsächlich nicht zu seinen Vorzügen? Friedrich Buchmayr, Autor und Stiftsbibliothekar in der 150.000 Bände umfassenden Bibliothek des Augustiner Chorherren Stiftes St. Florian bei Linz, hat sich dem Komponisten literarisch angenähert.

„Mensch Bruckner! Der Komponist und die Frauen“ titelt Buchmayrs vielstimmiges Kompendium, das auf einem raffinierten literarischen Kunstgriff basiert: Anton Bruckners Biograf August Göllerich tut einen fiktiven Aufruf an Zeitzeugen, sich zum Thema „Bruckner und Frauen“ zu äußern. Es entwickelt sich ein geistreicher und unterhaltsamer Diskurs, an dessen Ende ein lebendiges, facettenreiches Bild des Meisters steht.

„Starke Frauen“  im Buchklub
Unsplash

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Böck liest Bruckner“ hat der in Linz geborene Schauspieler Wolfgang Böck am 5. Oktober des Vorjahres im Linzer Brucknerhaus aus dem genannten Buch vor Publikum gelesen. Auszüge dieser Lesung sind in „Premiere“ zu hören. 

Umbrüche in Familie und Gesellschaft

Dominik Barta ist 1982 in Grieskirchen geboren und hat bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr auf dem Land gelebt. In seinem Romandebut „Vom Land“ arbeitet er ein Frauen- und Familienschicksal ebenso plastisch heraus wie die unumstößliche Tatsache von Migration im ländlichen Raum. Die knapp sechzigjährige Theresa ist Mutter von sieben Kindern. Zeit ihres Lebens wird sie durch ihre Außenwelt und durch sich selbst über ihre Arbeitskraft definiert – nicht ungewöhnlich für die Tochter einer kinderreichen Bauernfamilie ihrer Generation.

Schreibfeder schreibt in ein Notizbuch
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Von einem Tag auf den anderen verlassen Theresa jedoch die Kräfte. Die Krankheit erlaubt es ihr nicht mehr, wie selbstverständlich in den täglichen Automatismus des Schaffens und Plagens einzufallen. Theresa wird wort- und tatenlos, und sie setzt damit im prekären Familiengefüge etwas in Gang.

Literaturhinweise zur Sendung:
* Friedrich Buchmayr: „Mensch Bruckner! Der Komponist und die Frauen“. Mit einer Ouvertüre von Hans-Joachim Hinrichsen. Verlag müry salzmann (2019)
* Dominik Barta: Vom Land (Roman, Zsolnay Verlag, 2020)

Veränderungen kündigen sich aber nicht nur innerfamiliär, sondern im gesamten Ort an. Die Einwohner sehen sich mit der Flüchtlingsfrage konfrontiert. Theresas Enkel Daniel baut mit dem 16-jährigen syrischstämmigen Toti ein Lager im Wald. Die jungen Männer stellen sich nicht widerspruchslos in die Reihe der Älteren, sie setzen eigene Schritte Richtung Zukunft. Auch das ein Zeichen des Umbruchs, der unausweichlich vor der Türe steht.