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So long swinging London: Songs der Roaring Sixties und Seventies

Am 31. Jänner hat Großbritannien die Europäische Union verlassen. Kaum jemand spricht jedoch über die Folgen, die das Ende der britischen EU-Mitgliedschaft für die Musikbranche bringen wird.

Nach einer Übergangsphase wird es wohl zu strengen Grenzkontrollen, Zöllen und Einfuhrbeschränkungen kommen. Es gibt außerdem detaillierte Pläne, wie man die Auswirkungen des Brexit für Speditionsfirmen, Lebensmittelexporteure oder Fischereibetriebe abfedern könnte.

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Songs über die Musikmetropole aus vergangener Zeit

Musikstars haben vor drastischen Folgen gewarnt: Der Brexit gefährde die Musikindustrie des Landes, heißt es in einem offenen Brief. Dieser wurde von Rockstar Bob Geldof, von Popsänger Ed Sheeran sowie Stardirigent Simon Rattle unterschrieben.

London zählt mit Sicherheit zu den wichtigsten und bedeutendsten Metropolen Europas. Die britische Hauptstadt wimmelt förmlich von Wahrzeichen wie Big Ben, Buckingham Palace, Tower Bridge, Westminster Abbey, St. Paul’s Cathedral. Hier in London begannen in den berühmten Clubs und Studios auch die Weltkarrieren der Beatles und der Rolling Stones.

Rolling Stones

Das erste Hard Rock Cafe

Im berühmten Marquee-Club starteten die Karrieren von „The Who“, von „Fleetwood Mac“, es traten Gruppen wie Led Zeppelin, The Police, The Cure und Jethro Tull auf. In den Abbey Road Studios entstanden viele Meisterwerke der Rock- und Pop-Geschichte wie „Dark Side Of The Moon“ und „Wish You Were Here“ von Pink Floyd und die meisten Schallplattenaufnahmen der Beatles. 1971 wurde in der britischen Hauptstadt das erste Hard Rock Cafe eröffnet.

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Es hat seinen Standort noch immer in der Old Park Lane im Stadtteil Mayfair direkt am Hyde Park. Das Cafe ist nicht wegen seines Essens sondern wegen seiner Atmosphäre bekannt. Eric Clapton zählte zu den ersten Stammgästen und ließ als Zeichen der Verbundenheit seine Fender-Gitarre an der Wand hängen.

Drehscheibe einer popkulturellen Revolte

Der Sound von „Swinging London“ steht im Mittelpunkt dieser Sendung. Es waren die 60er-Jahre, die die britische Hauptstadt zur Drehscheibe einer popkulturellen Revolte machten. Vor 54 Jahren betitelte das „Time-Magazine“ mit den Worten „London – The Swinging City“ eine Ausgabe.

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London wurde damit zum Hotspot der Popkultur, das alles vor der Kulisse einer grauen Stadt, in der noch bis Mitte der 50er-Jahre Lebensmittel rationiert waren und Bombenkrater klafften.

Vermutlich teuerste Stadt

Die Klischeebilder in schwarz-weiß zu dieser Zeit haben sich ins kollektive Gedächtnis für immer eingebrannt: Minis und Miniröcke, die Beatles, die Stones, die Who, Twiggy und Anita Pallenberg, kreischende Mädchen, PopArt, der Union Jack.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 16.2.2020, 21.03 Uhr

London gilt als größte, aufregendste und vermutlich teuerste Stadt in Europa. Mehr als die Hälfte der acht Millionen Einwohner sind jünger als 35. In der englischen Hauptstadt leben Menschen aus mehr als 160 Nationen zusammen und nebeneinander. In den Straßen kann man mehr als 300 verschiedene Dialekte und Sprachen hören.

Multikulti-Hauptstadt

Diese Vielfalt macht sich im Stadtbild dieser Multikulti-Hauptstadt bemerkbar und sorgt für kontinuierlichen Wandel. Trotzdem ist London mit seinen geschichtsträchtigen Gebäuden, den roten Doppeldeckerbussen und schwarzen Taxis der Inbegriff von Tradition. Das musikalische Erbe der vergangenen sechs Jahrzehnte in London ist unüberschaubar.

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Hier liegt der Ausgangspunkt für den Rhythm and Blues, die Kultur der Mods, der Jazzrock samt dem Psychedelic Rock. Kinks, Cream, Stones, Beatles, Who, Police, Status Quo, Dire Straits, Pink Floyd, Queen, Supertramp – um nur Gruppennamen zu nennen – sind alle in London groß geworden.

Das globale Zentrum

Und die zweite Reihe war mit Bands wie Troggs, Spencer Davies Group, Animals oder Small Faces auch nicht schlecht besetzt. London war überdies das globale Zentrum des Progressive Rock, Acid Jazz, Drum & Bass, Britpop und der Punk wurden erst hier zum internationalen Phänomen.

Man muss die 60er-Jahre nicht unbedingt miterlebt haben, um eine gewisse Sehnsucht nach den Roaring Sixties und Swinging London zu verspüren. Nach einem London, das kein Ferienort für Multimillionäre war, mit einem Zentrum voll leer stehender Luxuswohnungen und schicken Modeboutiquen.

Stadt der Trends

Was ist mit dem beschwingten Lebensgefühl der damaligen Generation? Wo ist die globale Strahlkraft der vom Brexit und dem Niedergang der Musikindustrie gebeutelten britischen Hauptstadt? Ist London noch die Stadt, in der man versuchte, eine freie Gesellschaft voranzutreiben, um das Establishment zu entmachten? Hat London als ewiger Quell der Popmusik ausgedient? Man weiß es nicht, es wird anders werden.

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In der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches werden vermutlich weiterhin Trends in der Musik und in der Mode gesetzt werden, wir werden weiterhin Britpop hören, meine Generation wird noch immer in den Plattenschrank greifen und Analogplatten aus dieser Zeit anhören. Das Vorurteil von der angeblich ungeniessbaren englischen Küche wird uns nicht davon abhalten, weiter nach England zu reisen.

Michael Huemer; ooe.ORF.at