„Premiere“: Sabine Scholl und Erwin Riess

Der Landeskulturpreisträgerin Sabine Scholl und ihrem schifffahrtsbegeisterten Schriftstellerkollegen Erwin Riess gehört am Samstag die Lesebühne in der Sendung „Premiere“.

Reiche Chronik über Frauenleben

Sabine Scholls Arbeit umfasst ein beachtliches Werk an Aufsätzen, Essays, Erzählungen, Romanen und Hörspielen. Im Jahr 2013 legte die Trägerin des OÖ. Landespreises für Literatur 2019, ihren Roman „Wir sind die Früchte des Zorns“ vor. Das Buch ist eine reiche und feinsinnige Generationenchronik des 20. Jahrhunderts rund um die Frauenfiguren einer Familie. Den Hintergrund der Schicksale von Odette, Martha oder Erika bilden höchst unterschiedliche Lebensbereiche, von der bäuerlichen Umgebung bis zu französischen Diplomatenkreisen. Der Focus liegt immer und durchgängig auf den weiblichen Familienmitgliedern, vor allem auch auf ihren Rollen als Mütter. Ihre einstigen Hoffnungen auf mehr Selbstbestimmung müssen warten oder gar weichen. Die Kinder wiederum empfinden sich selbst oft als Belastung für die Mütter.

Sendungshinweis:
„Premiere – Literatur. Lebensart. Livemusik“, 1.2.20, 19.03 Uhr

Sabine Scholl, 1959 in Grieskirchen geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft. Sie geht unter anderem in Wien, Berlin und Leipzig, in Amerika, Portugal und Japan ihrem Beruf und ihrer Berufung nach. Bereits 1991 publizierte Sabine Scholl mit „Fette Rose“ ihren ersten Erzählband. Im Jahr darauf erhielt sie den Rauriser Literaturpreis und nahm am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. 2018 wurde der Autorin der Anton Wildgans Preis zuerkannt. Im selben Jahr erschien auch ihr Roman „Das Gesetz des Dschungels“.

Sabine Scholl
Uta Tochtermann

Schon Ende Februar 2020 ist dann auch Sabine Scholls jüngstes Werk im Secession Verlag erhältlich: In ihrem neuen Roman „O.“ schafft die Autorin mit einer Musikerin und Komponistin eine Heldin, die gemeinsam mit einem Chor geflüchteter Frauen die Weltmeere bereist.

Ein Kosmos aus Menschen und Regionen

Den Benachteiligten und Unbeachteten der Gesellschaft widmet sich Autor Erwin Riess in seinem jüngsten Roman „Herr Groll und die Donaupiraten“. Selbst Rollstuhlfahrer, schreibt Erwin Riess seiner Romanfigur Herrn Groll – Besitzer eines Rollstuhls namens „Joseph“ – in seinem jüngsten Buch eine besondere Aufgabe auf den Leib.

Erwin Riess
Bwag/Wikimedia

Ausgangspunkt für Grolls Ermittlungen sind alarmierende Nachrichten aus Osteuropa: Eine angeblich gefährliche Bande hat sich – zunächst per gekapertem Frachter – auf die Flucht Richtung Nordafrika begeben. Die polizeilich gejagte Gruppe ist als Zirkustruppe unterwegs. Als Herr Groll auf sie trifft, entpuppen sich die Donaupiraten als ein Zusammenschluss verzweifelter und benachteiligter Menschen, denen böse mitgespielt wurde. Ihr Aufbruch in eine bessere Zukunft führt über vielerlei Wasserstraßen und ist ein allerletzter Befreiungsversuch aus menschenunwürdigen Zuständen.

Die Hörbeispiele aus den Büchern von Sabine Scholl und Erwin Riess werden von Gerda Lischka und Florian Tröbinger gelesen.

Literaturhinweise zur Sendung

  • Sabine Scholl: Wir sind die Früchte des Zorns (Roman, 2013, Secession Verlag für Literatur)
  • Erwin Riess: Herr Groll und die Donaupiraten (Roman, 2019, Otto Müller Verlag)