Glöcklerpass Altkohlstatt zieht durch Ebensees Straßen.
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Der Glöcklerlauf – Ein Rauhnachtsbrauch aus dem Salzkammergut

Am Neujahrstag 2020 widmet sich der ORF Oberösterreich in einer DOKUMENTATION AM FEIERTAG um 17.30 Uhr in ORF 2 den Glöcklerläufen, die im oö. Salzkammergut ihren Ursprung haben.

An mehreren Schauplätzen gleichzeitig waren deshalb Kamerateams unterwegs, um dadurch bemerkenswerte regionalen Unterschiede dieses beliebten Brauchs hervorheben zu können. Die Glöcklerläufe entstanden vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts als Heischebrauch an der Südspitze des Traunsees in Ebensee. Heischebrauch bedeutet so viel wie das Erbitten von Gaben und sich in der Stube des Gastgebers bewirten zu lassen.

Traditionelle Kappe der Glöcklerpass Altkohlstatt
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Traditionelle Kappe der Glöcklerpass Altkohlstatt

Von Ebensee aus wanderte dieser Brauch zunächst nach Bad Ischl, um sich von dort auf das ganze Salzkammergut auszubreiten. Dieses Brauchtum wird bis heute gefeiert – jeweils am Abend der letzten Rauhnacht, also vom 5. auf 6. Jänner. Die Glöckler gelten als „gute Lichtgeister“ und ziehen in weißen Gewändern mit kunstvoll gearbeiteten und mit Kerzen beleuchteten Glöcklerkappen von Haus zu Haus. Sie singen Hirten- und Weihnachtslieder.

Auch Frauen laufen

Die Glöckler laufen immer in sogenannten Passen, das sind Gruppen von 20 bis 30 Männern und immer öfter auch Frauen. Dabei laufen sie Figuren wie Achter und Kreise, meist an öffentlichen Plätzen.

Rindbacher Glöcklerpass beim Kappenbau
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Rindbacher Glöcklerpass beim Kappenbau

Hunderte Arbeitsstunden

Mehrere hundert Arbeitsstunden dauert die Herstellung der teilweisen sehr aufwendig gefertigten Kappen. Als Basis dienen unterschiedlich geformte Holzgestelle, die mit Tonpapier bespannt werden. Muster aus Blumen-, Weihnachts- und Heimatmotiven werden dann mit transparentem Buntpapier hinterklebt. Die Läuferinnen und Läufer produzieren üblicherweise ihre Kappen selbst.

In der DOKUMENTATION AM FEIERTAG „Der Glöcklerlauf – Ein Rauhnachtsbrauch aus dem Salzkammergut" werden nicht nur Tradition und Geschichte dieses Brauchs beleuchtet, sondern auch der davon abgeleitete Glaube oder Aberglaube.

Einlaufen der Rindbacher Glöckler am Rathausplatz in Ebensee.
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Einlaufen der Rindbacher Glöckler am Rathausplatz in Ebensee.

Gestalterin Judith Kopetzky hat dazu unterschiedlichste Glöckler-Gruppen aus allen Regionen des Salzkammerguts besucht. Sie zeigt mit wieviel Herzblut diese Kappen auch von jungen Menschen gefertigt werden, die offenbar bereit sind, diese Tradition zu übernehmen und sich mit Stolz auf den Glöcklerlauf vorbereiten. Vielleicht drücken sie damit ein Bedürfnis aus, einer hektischen Welt zu entfliehen oder der wachsenden Digitalisierung mit analogem Brauchtum zu begegnen, denn selbst Kinder und Jugendliche zeigen Interesse an diesem uralten Brauchtum.

Liebe und Sorgfalt

Der Film zeigt eine bunte Vielfalt oberösterreichischer Glöcklerpassen. Jede Region, jede Pass erzählt eine eigene Geschichte, läuft mit andere Kappen-Motiven. Allen gemeinsam ist aber, dass sie mit viel Liebe und Sorgfalt produziert werden. Auch international wurde man längst auf diese Tradition aufmerksam und so wurde der Ebenseer Glöcklerlauf im Jahr 2010 in die Liste der immateriellen Kulturgüter der UNESCO aufgenommen.

Gestaltung, Schnitt: Judith Kopetzky
Kamera: Andreas Bluschke / Jakob Schweighardt / Peter Rammer / Sven Hinterleitner
Ton: Hannes Bertolini
Sprecher: Rudolf Steiner

„Der Glöcklerlauf – Ein Rauhnachtsbrauch aus dem Salzkammergut“ DOKUMENTATION AM FEIERTAG am Mittwoch, 01. Jänner 2020 um 17.30 Uhr in ORF 2.