Blues - der Soundtrack einer Ära

„Lust aufs Leben“ steht in den kommenden Wochen ganz im Zeichen des „Blues - der Soundtrack einer Ära“. Michael Huemer widmet sich in vier Teilen der Geschichte dieser faszinierenden Musik. Im fünften Teil geht es um den „Blues in Linz“.

In vier einstündigen Teilen wird die Geschichte eines Musikstils erzählt, der im Jazz und in der Rockmusik, im Soul und im Funk, im Disco-Sound und in anderen Sparten der Popmusik seine Spuren hinterlassen hat: der Blues. Es ist gewissermaßen ein Streifzug durch die Welt der afroamerikanischen Musik, ausgehend von seinen Anfängen seit der Verschleppung der afrikanischen Sklaven bis hin zur Entwicklung einer schwarzen Untergrundkultur in den Südstaaten.

Blues-Legende BB King an der Gitarre

EPA/Stefan Zaklin

43 Bluessongs sind zu hören

Die Entwicklungslinien des Blues sind vielschichtig, wie sich sich entwickelt, vervielfältigt und verbreitet hat, das kann man in diesen vier Teilen nachhören. Insgesamt 43 klassische Bluessongs aus den 20er- bis in die 50er-Jahre sind zu hören, die meisten davon aus meiner privaten Schallplattensammlung. Seinen Siegeszug durch die Vereinigten Staaten trat der Blues in den Jahren unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg an. Einer seiner wichtigsten Bestandteile ist der Takt, der sich durch einen gleichmäßigen betonten Rhythmus auszeichnet.

Ein kurzer Vorgeschmack auf die Sendung:

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 17.2., 3.3, 17.3., 31.3. und 14.4.19

Zwölf Takte und Gesang

Im Laufe der Zeit bildete sich eine bestimmte Form des Blues mit zwölf Takten heraus. Der zweite wichtige Bestandteil dieser Musikgattung ist der Gesang. Er ist meistens voller urwüchsiger Emotionen, die einfachen Texte wurden oft spontan erfunden und handelten von den Freuden und Härten des Lebens. Die Instrumentierung ist ein weiteres Merkmal des Blues, sind doch im frühen Blues das Banjo, die Gitarre und die Mundharmonika die am meisten verwendeten Instrumente.

Banjo Musikinstrument

pixabay

Banjo

Erst später gesellte sich das Klavier in Form von Ragtime und Boogie-Woogie dazu, gefolgt von Bass, Schlagzeug und Blasinstrumenten.

Sonntag, 17.2.19:

Teil 1: „Every day I have the Blues“

In den frühen 20er-Jahren wurden die Schallplattenaufnahmen von weiblichen Sängerinnnen dominiert. Die meisten dieser Künstlerinnen wie Bessie Smith, Ida Cox, Ma Rainey, Mamie Smith begannen in Varietés, Medicine Shows, Vaudevilletheatern. Sie waren mit Stimmen ausgestattet, die so laut waren, dass man sie auch ohne Verstärker gut hören konnte.

Bessie Smith Blues

wikimedia.org/Adam Cuerden

Bessie Smith

Sie zählen zu den Vertreterinnen des „klassischen Blues“. Erst Mitte der 30er-Jahre tauchen die ersten Platten mit männlichen Bluesmusikern wie Papa Charlie Jackson auf, der zur Entstehung eines ziemlich ausgelassenen Stils beitrug: der Hokum-Blues.

Link:

Sonntag, 3.3.19:

Teil 2: Die Quellen und Wurzeln der afroamerikanischen Musik

Alles fing irgendwo im Mississippidelta einmal an, wo sich aus Afrika verschleppte Sklaven auf Baumwoll-, Reis- und Tabakplantagen plagten. Hier liegen die Wurzeln des Blues. Es sind einerseits die Tanzlieder, die die importierten Zwangsarbeiter bei ihren nächtlichen Zusammenkünften zu spielen pflegten. Andererseits sangen sie „work songs“, mit denen sie ihre Arbeit koordinierten, und die „field hollers“ und „moans“, mit denen sie sich bei der Feldarbeit heimlich verständigten. Das Leben der Arbeitenden setzte sich in den Erzählungen der Musik fort: im „Jug“ der Engländer, im Militärmarsch aus Deutschland, in der Polka aus Polen, in den neapolitanischen Melodien aus Italien. Die Polyrhythmen der Ex-Afrikaner setzten dem ganzen die musikalische Krone auf.

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Sonntag, 17.3.19:

Teil 3: Noch akustisch – der Country- und Piano-Blues

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten bereits schwarze Musiker einen Pianostil geschaffen, der später als Ragtime bezeichnet werden wird. Aber Ragtime, wie die Musik wegen der „ragged time“ genannt wurde, war komponierte und notierte Musik, wohingegen die Blues-Pianisten auf gedruckte Noten verzichteten. Ragtime wird mehr von den Weißen geschätzt, Piano-Blues war die Musik der schwarzen Bevölkerung.

Baumwolle Pflanze Baumwollfeld

pixabay

Daraus entwickelten Musiker wie Albert Ammons, Meade Lux Lewis, Pinetop Smith einen sehr perkussiven Klavierstil: den Boogie-Woogie. Der Country-Blues umfasst sehr unterschiedliche Stilrichtungen, die sich vorwiegend auf die Gitarre als Begleitinstrument stützen. Er wird in den ländliche Gebieten bevorzugt gespielt. Je nachdem, ob das Texas, Memphis, New Orleans oder das Mississippi-Delta waren, haben sich dort auch regionale Spielweisen entwickelt.

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Sonntag, 31.3.19

Teil 4: Der elektrifizierte Chicago-Blues

Der Crash 1929 an der Wall Street, der in die „große Depression“, die lang anhaltende Wirtschaftskrise mündete, verursachte weit verbreitetes Elend, vor allem bei den Schwarzen und Südstaatlern. Der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg 1941 tat sein übriges, weil Rohstoffe für die Herstellung von Schallplatten kaum noch zur Verfügung standen. Zu den Schwarzen, die den ländlichen Süden verließen, um sich Arbeit in den Städten zu suchen, zählten auch viele Bluesmusiker. In den 30er- und 40er-Jahren wurde Chicago zum Zentrum des City-Blues und zum Namensgeber der wohl beliebtesten und am weitesten verbreiteten Stilrichtung: der Chicago-Blues. Dort wie in Memphis, New York, Detroit musste er sich gegen die Lautstärke des städtischen Lebens in Clubs und Bars durchsetzen.

Muddy Waters Blues

wikimedia.org/ZooFari

Muddy Waters, 1978

Der massive Einsatz elektrisch verstärkter Gitarren bei Liveauftritten ist die Folge. Zu den wichtigsten Vertretern dieses Stils zählen Muddy Waters, Howlin‘ Wolf, John Lee Hooker, Buddy Guy, B.B. King, Elmore James.

Eine Extrasendung über den Blues in Linz stellt eine Ergänzung zu diesem Musikschwerpunkt dar.

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Sonntag, 14.4.19:

Teil 5: Der Blues Club Linz

Im Juni 1969 wird von Gunther Trübswasser und Dietmar „Didi“ Brunnbauer der „Blues Club Linz“ gegründet. Sie wollen die Wurzeln des Jazz und des Rock einem breiteren Publikum näherbringen. Mit Themenabenden über die Geschichte und Facetten des Blues und seiner Musiker an der VHS begann es. Dazu kam eine rege Konzerttätigkeit, die zu mehr als 80 Veranstaltungen an der VHS, im seinerzeitigen Kongresssaal der Linzer Arbeiterkammer, an der Johannes-Kepler-Universität und einigen anderen Orten führte. Gleichzeitig mit der Gründung des Blues Club Linz wurde auch das Magazin „Blues Notes“ ins Leben berufen, das sich „erstes deutschsprachiges Blues- und Jazzmagazin" nennen durfte.

Blues Notes Linz Zeitschrift

Gunther Trübswasser

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Michael Huemer; ooe.ORF.at