„Tod am Dachstein – 65 Jahre nach der Heilbronner Tragödie“

Am Gründonnerstag 1954 bricht eine Schülergruppe aus Heilbronn von Obertraun in Richtung Krippenstein auf. Von einer Unwetterfront überrascht, kommen alle ums Leben. Die Ereignisse vor 65 Jahren zeigt ein „Erlebnis Österreich“

Einige Tage haben die Kinder schon im Salzkammergut verbracht. Die Reise aus ihrer noch immer von Bombenschäden geprägten Heimatstadt in die österreichische Bergwelt ist etwas ganz besonderes – gerade einmal neun Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

TV-Hinweis: „Erlebnis Österreich“, 24.3., 16.30 Uhr, ORF 2

Die Tour endet in einer Tragödie: Eine massive Unwetterfront überrascht die zehn Schüler und ihre drei Lehrer. Im heftigen Sturm und im metertiefen Schnee kommen sie vom Weg ab und irren durch eine weiße Wüste – nach vielen Tagen und einer der größten Suchaktionen der alpinen Geschichte können nur noch ihre Leichen geborgen werden, alle sind erfroren.

Tod am Dachstein

Bertram Hellermann

Walter Höll aus Obertraun war damals einer der ersten, die damals an der Suche teilnahmen. In der Dokumentation des ORF Oberösterreich erinnert er sich an die schwierigen und gefährlichen Bedingungen in der Karwoche 1954: „Innerhalb weniger Stunden hat es am Berg zwei Meter Neuschnee gegeben – wir haben uns bei der Suche auf unseren Orientierungssinn verlassen müssen. Wenn wir den Zug im Tal unten gehört haben, haben wir gewusst, wo wir genau sind.“

Tod am Dachstein

Robert Fürst

„Sicht reichte nur wenige Meter weit“

Johann Schilcher erlebte die Suchaktion als Schüler mit, sein Vater bewirtschaftete die Gjadalm am Krippenstein: „Wenn die Suchmannschaften aufgebrochen sind, hat der letzte Mann den ersten gar nicht mehr gesehen, die Sicht reichte nur wenige Meter weit.“ Höll und Schilcher erzählen von den Anstrengungen der Suche, von der Spannung und vom traurigen Ende. Dass angesichts der gefährlichen Verhältnisse nicht auch Bergretter oder Gendarmen verunglückt sind, bezeichnen sie heute als Wunder.

Heute Alarmierung innerhalb von Minuten möglich

Das Rettungswesen hat sich in riesigen Schritten weiterentwickelt: Die moderne Technik erlaubt eine Alarmierung innerhalb von Minuten, die Einsatzkräfte sind schnell am Unglücksort. Doch viele Bergsteiger wähnen sich wegen ihrer guten Ausrüstung in trügerischer Sicherheit.

Tod am Dachstein

Robert Fürst

„Ein Szenario wie vor 65 Jahren kann sich auch heute wiederholen“, warnt Arthur Rohregger, von der Bergrettung in Oberösterreich – dann, wenn Mindeststandards bei Tourenvorbereitung und Ausrüstung nicht beachtet werden. „Zwar haben die meisten ein Handy mit, aber sie bedenken nicht, dass es am Berg Funklöcher gibt oder wissen gar nicht, wie ein Notruf abzusetzen ist“, sagt Hans-Peter Magritzer, Chef der oberösterreichischen Alpinpolizei.

Tod am Dachstein

Robert Fürst

Bergrettung und Alpinpolizei begleitet

Gestalter Robert Fürst und Kameramann Bertram Hellermann haben für dieses „Erlebnis Österreich“ aus dem Landesstudio Oberösterreich Bergrettung und Alpinpolizei bei Übungen begleitet - sowohl auf dem winterlichen Dachsteinplateau als auch in den Felswänden des Traunstein – und zeichnen mit den Zeitzeugen und mit Archivaufnahmen den Weg der Heilbronner Schülergruppe nach, von dem es keine Wiederkehr gab.

„Tod am Dachstein – 65 Jahre nach der Heilbronner Tragödie“ - „Erlebnis Österreich“: Sonntag, 24. März 2019 um 16.30 Uhr in ORF 2.

Eine Produktion des ORF Landesstudio Oberösterreich.

Gestaltung: Robert Fürst
Kamera und Schnitt: Bertram Hellermann
Ton: Linda Steinthorsdottir