Lust aufs Leben: Religion in Rock- und Popmusik

Auf die Suche nach dem spirituellen Aspekt in der Rock- und Popkultur macht sich am Sonntag, 24.3. ab 21.03 Uhr Michael Huemer in der Sendung „Lust aufs Leben“.

Scheint der Bereich Rock und Pop eher diesseitig oder überhaupt völlig areligiös orientiert zu sein, ändert sich der Eindruck, wenn man nach dem spirituellen Aspekt in der Rock- und Popkultur sucht. Es gibt nicht nur Musiker, die sich selbst als religiös bezeichnen sondern auch solche, die in ihren Texten oder bei ihren Auftritten durchaus auf religiöse Symbole verweisen.

„Knockin‘ on heaven’s door“ und „Rivers of Babylon“

Man denke beispielsweise an Songs wie „Tears in Heaven“ von Eric Clapton, „Knockin‘ on heaven’s door“ von Bob Dylan oder „Rivers of Babylon“ von Boney M. Gerade die, die wie George Harrison, Leonard Cohen, Johnny Cash, Bruce Springsteen, U2, Rod Stewart und viele andere, die es bereits ganz nach oben geschafft haben singen gerne über Jesus, Buddha, Allah oder namenlose Götter.

George Harrison-Doku "Living in the Material World", 2011, Martin Scorsese
Österreichisches Filmmuseum
George Harrison

Vielleicht sind es auch Ersatzreligionen, wenn man sich den geradezu kultischen Charakter von Rockkonzerten vor Augen führt. Wellenförmig erfassen immer wieder spirituelle Musikrichtungen vor allem religionsuchende junge Menschen, wie die Bhagwan-Bewegung in den 80er-Jahren. Tausende Menschen verfielen dem Guru aus Indien.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 24.3.19

New Age

Wer erinnert sich nicht an die New Age-Musik, die zwar keine Rockmusik sondern eher eine Art sanfter Pop war. New Age war eine im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts gebräuchliche Bezeichnung für Esoterisches, meditativ ausgerichtet, mit wie in der Minimal Music vorkommenden andauernden Wiederholungen, die durchaus tranceartige Wirkung auf die Menschen ausübten. Es gibt Musiker und Bands, die bewusst antichristlich agieren, die Gewalt verherrlichen, eine gewisse Todessehnsucht zelebrieren oder auch okkulte Neigungen haben. Schon auf den Schallplatten- und CD-Hüllen der Heavy Metal Music samt Unterspielarten wie dark metal, occult metal und doom metal konnte man erkennen, was da musikalisch auf einem zukam.

„God is a DJ“

Die Gruppe „Faithless“, eine britische Combo aus den Neunzigern, hat den Techno-Song „God is a DJ“ rausgebracht. Bei ihnen ist der wahre Ort der Anbetung der Club, die Disco, weil dort alle gleich sind. In Fußballstadien wird gerne „You’ll never walk alone“ von Gerry and the Pacemakers gesungen. Die Bandmitglieder der Toten Hosen bezeichnen sich nicht unbedingt als Christen, aber der Glaube spielt in ihrer Musik trotzdem eine Rolle. Titel wie „Beten“ oder „Alles passiert“ umkreisen „Religiöses“. Elvis Presley, George Harrison, Bob Dylan und Barclay James Harvest haben sich in ihren Songs oft auf biblische Geschichten bezogen. Es sind nicht alle Liedtexte diesbezüglich so eindeutig, in manchen versteckt sich die „potentielle biblische Botschaft“.

Dylan Kärntnerstraße
ORF
Bob Dylan

Musiker bekannten sich zu religiöser Orientierung

Manche Musiker bekannten sich ausdrücklich zu ihrer religiösen Orientierung. Tina Turner zum Buddhismus, Whitney Houston war Baptistin, Roberta Flack und Carlos Santana waren zumindest zeitweilig Anhänger der hinduistischen Sekte des Guru Sri Chinmoy, Bob Marley hing dem Glauben „Rastafari“ nach, Yusuf Islam war Jahrzehnte lang als Cat Stevens unterwegs, der Jude Leonard Cohen gab sich einige Jahre dem Zen-Buddhismus hin. Peter Gabriel, Joan Baez, Alicia Keys und Angelique Kidjo verbindet eines: Sie sind Botschafter des Gewissens, die höchste Auszeichnung, die die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verleiht. „Heidenspaß“ Pop und christliche Botschaft gehen also doch zusammen oder nicht? Begeben Sie sich mit mir auf eine Spurensuche nach der Religion in Rock- und Popmusik.

Tracklist „Rock Pop Amen”:

  • “Toccata“ – Ekseption
  • “God is a DJ“ – Faithless
  • “We shall overcome” – Pete Seeger
  • “Like a prayer” – Madonna
  • “Morning has broken” – Cat Stevens
  • “Heaven” – Yusuf
  • “Hymn” – Barclay James Harvest
  • “Turn Turn Turn” – The Byrds
  • “Für alles kommt die Zeit” – Marlene Dietrich
  • “Sympathy for the Devil“ – Rolling Stones
  • “Running up that hill” – Kate Bush
  • “His hand in mine” – Elvis Presley
  • “Hallelujah” – Leonard Cohen

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at