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DI | 09.02.2010
John Ralston Saul (Bild: ORF)
LITERATUR
John Ralston Saul neuer P.E.N-Club-Präsident
Nach Jiri Grusa, sechs Jahre lang Präsident von P.E.N. International, wurde am Mittwoch in Linz der Kanadier John Ralston Saul zum neuen Präsidenten gewählt.
Zwei Kandidaten standen zur Wahl: Die in Westafrika geborene und in London lebende Margaret Busby und der Kanadier John Ralston Saul. Ein dritter Kandidat, der gebürtige Libanese Amin Maalouf hatte aus gesundheitlichen Gründen seine Kandidatur zurückgezogen. Vertreter von 140 nationalen Schriftstellervereinigungen aus über 100 Staaten sind derzeit in Linz versammelt.

Bücher in 22 Sprachen übersetzt
Der neue Präsident der Internationalen Schriftstellervereinigung heißt John Ralston Saul, ist 62 Jahre alt und wurde in Ottawa geboren. Seine Bücher sind in 22 Sprachen übersetzt, bei der Gründung des P.E.N.-Exilnetzwerks war er einer der Initiatoren. Er ist Globalisierungskritiker und lebt in Toronto. Saul arbeitete anfangs in der Wirtschaft, leitete ein Investment-Unternehmen in Paris und arbeitete für eine kanadische Ölgesellschaft.

Warnung vor Globalisierungskollaps
Geschrieben hat er schon seit der Schulzeit. Seinen ersten - einen politischen - Roman verfasste er auf Französisch. Das Buch entfachte damals einen Skandal. Seit 1978 ist John Ralston Saul hauptberuflich Schriftsteller. Bereits 2005 warnte der Kanadier in einem Buch vor einem Globalisierungskollaps und einer weltweiten Krise.

Vom Generalsekretär des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und dem prominenten Generalsekretär des Umweltgipfels von Rio 1992, Maurice Strong, hat Saul nach eigener Aussage gelernt, die Welt nicht nur aus der europäischen oder nordamerikanischen Perspektive zu sehen.
"Wir sind kein exklusiver Club"
Dieses Modell dürfte der neue PEN-Präsident auch auf den PEN anwenden: "Ich verbrachte in den 80er-Jahren viel Zeit in Nordafrika, Südostasien, schrieb Novellen, die von diesen Plätzen handelten. Über modernen Individualismus. Und viele meiner Freunde wurden eingesperrt, geschlagen und getötet usw. Und das war es, was mich zum P.E.N brachte. Ich sah was meinen Freunden passiert war, die Schriftsteller waren. Und dann begann ich zu realisieren, dass es nicht um sie ging, sondern um das Konzept von der Redefreiheit, welches nicht dem Schriftsteller gehört, sondern vielmehr dem Leser. Dem Redner und dem Zuhörer. Ich meine Zuhörendürfen entspricht der Redefreiheit. Lesen ist Redefreiheit. Denken ist Redefreiheit. Und das gehört nicht uns, ist nicht unser Eigentum. Wir sind kein exklusiver Club, der sich Redefreiheit zu Eigen macht. Wir sind nur die ersten, die es erwischt, weil wir in der ersten Reihe stehen. Und oft betrifft es auch Journalisten. Sie sind häufig die ersten Leute, die eingesperrt oder geschlagen oder getötet werden. Wir sind nur ein Zeichen, was mit der Redefreiheit passiert. Nicht einmal ein Vorreiter, ein Hüter, ein Vormund. Nur ein Zeichen des Niveaus der Redefreiheit."
Einsatz für Minderheitensprachen
John Ralston Saul hält sich oft im hohen Norden Kanadas und in der Arktis auf. Ein besonderes Interesse hat er für Aborigines. Alles was Qualität aufweist, hat Qualitäten der Ureinwohner. Saul setzt sich für Minderheitensprachen ein: "Sie wissen, das große Problem des P.E.N. war immer, dass wir in Europa gestartet haben, es hatte die Bedeutung eines Clubs. Auch wenn es nicht wahr ist. Das hat den Effekt, dass es junge Schriftsteller abschreckt. Aber es bringt auch Probleme für Leute in ärmeren Bereichen, an Plätzen, wo die Währung nicht stark ist. Eines der wichtigsten Dinge von P.E.N ist, dass das nicht der Fall ist."

Redefreiheit
Ein besondere Augenmerk legt der Kanadier John Ralston Saul auf den Generationenwechsel:"Wir machen fabelhafte Arbeit. Wir haben ein Auge auf Leute, wir bringen sie aus dem Gefängnis, wir bauen sie auf. Deutschland ist sehr gut darin, Österreich arbeitet mit Autoren im Exil, Kanada macht sehr viel in dem Bereich. Aber wir müssen Wege finden. Einst entschieden sich Leute Schriftsteller zu werden und wurden Schriftsteller. Sie müssen realisieren, das die Redefreiheit, die sie benutzen, ist nicht einfach da. Die Tatsache, dass sie vor dem Gesetz geschützt ist, ist irrelevant. Sie wissen, es ist wirklich irrelevant, die Tatsache sprechen für sich, die wir im letzten Jahrzehnt gesehen haben, auch Länder mit Verträgen und Gesetzen für die Rechte können die Redefreiheit ausschalten. Und einige gehen zurück, doch einiges ist weg für eine lange Zeit. So müssen wir deutlich machen, dass die Leute es verstehen. Sie müssen in Organisationen sein wie dem P.E.N, weil das Redefreiheit für jeden einzelnen Tag bedeutet. Und daher müssen für ihn auch Leute gewonnen werden, die heute 16 oder 17 Jahre alt sind."

Der 75. PEN Weltkongress mündet ab Donnerstag in ein Literaturfestival. Vor dem Hintergrund für den Einsatz des freien Wortes engagiert sich PEN wesentlich auch für die Vermittlung. An traditionellen Aufgaben mangelt es nicht. Allein im ersten Halbjahr wurden heuer bereits 644 Übergriffe auf Autorinnen und Autoren gemeldet, darunter 22 Todesfälle.
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Ihre Meinung zu diesem Thema
Hab mir die Österr. P.E.N. Mitglieder
chrilly, vor 111 Tagen, 3 Stunden, 30 Minuten
angeschaut und keinen einzig bedeutenden Schriftsteller entdeckt. Dafür ist Hannes Androsch Mitglied. Auch Paul Lendvai, Gustav Preichel ...
Ursprünglich war der P.E.N. ein vom CIA gesponserter Verein im Dienste des Kalten Krieges (siehe F.St. Saunders: Wer die Zeche zahlt). Keine Ahnung was der P.E.N. jetzt ist. In Österreich jedenfalls keine Schriftstellervereinigung.
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