Legenden der Fußballreportage

Rechtzeitig vor der Fußball WM im Juni in Russland beschäftigt sich „Lust aufs Leben“ am Sonntag ab 21.03 Uhr mit Legenden der Fußballreportage. Erinnert wird etwa an Willy Schmieger, Edi Finger sen. oder Manfred Payrhuber.

Am 14. Juni beginnt die 21. Austragung des bedeutsamsten Turniers für Fußballnationalmannschaften, die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland.

Sendungshinweis,

Lust aufs Leben,3 .6.2018 ab 21.03 Uhr

Daran werden 32 Landesverbände teilnehmen, die sich bis auf Ausnahme des Gastgebers Russland vorher in vielen Ausscheidungsspielen qualifizieren mussten. 14 Mannschaften aus Europa, fünf aus Südamerika, fünf afrikanische und fünf asiatische Teams sowie drei aus der Nord-, Mittelamerika- und Karibikgruppe werden in insgesamt 64 Spielen versuchen, den Weltmeisterpokal am 15. Juli im Finale zu erringen. Island und Panama nehmen zum ersten Mal an der Endrunde teil, Österreich konnte sich nicht qualifizieren.

Die Sendung zum Nachhören:

Radio-Sportreportagen in Österreich seit 1928

Die im Jahr 1924 gegründete RAVAG, der Vorläufer des ORF, begann vier Jahre später mit der Ausstrahlung ständiger Sportreportagen im Radio. Willy Schmieger kommentierte am 7. Oktober 1928 auf der „Hohen Warte“ in Wien weltweit erstmals ein Fußballländerspiel. Ungefähr 11.000 angemeldete „Radioamateure“ konnten dieses Länderspiel Österreich gegen Ungarn mitverfolgen. Man spricht vom Beginn der systematischen Sportreportage. Am 16. Dezember wird noch ein Eishockey-Wettspiel, wie es damals hieß, zwischen einer Wiener Auswahl und der Cambridge University übertragen. Nach der Übernahme der RAVAG 1938 durch die Reichsrundfunkgesellschaft sowie dem anschließenden Zweiten Weltkrieg gab es praktisch kein Sportaufkommen in Österreich. Es war wieder dem Fußball vorbehalten, als erste Sportart Teil der Sportberichterstattung zu werden und es waren wieder die Ungarn, gegen die das österreichische Team am 20. August 1945 antrat.

Pionierarbeit in der Sportreportage

Sportreporter wie Heribert Meisel oder Edi Finger senior leisten in den Nachkriegsjahren mit ihren teils unkonventionellen Reportagen und Livekommentaren Pionierarbeiten und legen damit den Grundstein für den ORF Sport. Ursprünglich bleibt er eine Domäne des Radios. Mitte der Fünfzigerjahre begann in Österreich dann das Zeitalter der Bewegtbilder, vorerst nur in Schwarz-Weiß. Auf den zwei Fernsehprogrammen FS1 und FS2 wurden die Skiweltmeisterschaft 1958 in Badgastein und die Olympischen Winterspiele 1964 in Innsbruck übertragen. Produziert wurde noch auf 16mm-Film, vor allem Fußball und alpiner Skisport. Dann kam es Anfang der Sechzigerjahre zu einem technischen Schritt nach vorne. Die Magnetaufzeichnung machte es möglich, erstmals gedrehtes Bildmaterial auf einem elektronischen Speichermedium zu sichern. Damit gelang es auch, Livesendungen für die Nachwelt zu erhalten und zu einem späteren Zeitpunkt auszustrahlen. Für die Berichterstattung im Radio wurde es schwieriger.

Vom „Sportstammtisch“ bis „Sportpanorama“

Es waren schließlich die Stars aus den alten Rundfunkzeiten wie Meisel und Finger, die die meisten Fernseh-Sportreportagen gestalteten. Auf reges Interesse stieß Heribert Meisels „Sportstammtisch“, Edi Finger wird der erste Fernseh-Sportchef. Später kam noch Kurt Jeschko mit dem „Sport-ABC“ dazu , internationale Reputation gewann der ORF Sport mit Teddy Podgorskis „Sportpanorama“. Zu diesem Team sollten noch Heinz Prüller, Robert Seeger und Dieter Seefranz dazustoßen, der das „Sport-ABC“ nach Jeschko betreute.

Von den Anfängen des Fernsehens bis zur Programmreform von 1967 gab es drei Sportsendungen, nämlich den „Aktuellen Sport“, das „Sportkaleidoskop“ und „Sportreporter unterwegs“. Die Sportberichterstattung wird in den Siebzigerjahren weiter ausgebaut. Eine Sendung hob sich dabei deutlich von den bestehenden Formaten ab, weil sie besonders aufwendig produziert wurde. Man legte bewusst Wert auf die optische Gestaltung und vertiefende Recherche. Das „Sportmosaik“ unter der Leitung von Sigmund Bergmann kam damit dem sogenannten Sportfilm schon sehr nahe.

„Sport am Montag“ startete 1975

Das große Publikumsinteresse führte dazu, dass drei weitere Sendeformate auf den Bildschirm gebracht werden: die „Sportecke“, der „Telesport“ und die „Sportschau“. 1967 kam noch das „Sportjournal“, „Sport kurz aktuell“ und „Sport Report“ dazu. Bereits im Hauptabendprogramm von FS1 startete im Februar 1975 die Sendung „Sport am Montag“ mit Hintergrundberichten abseits des aktuellen Tagesgeschehens.

Sportreporter – fast so vertraut wie Familienmitglieder

Teddy Podgorski, Kurt Jeschko, Hans Huber, Dieter Seefranz, Sigi Bergmann, Heinz Prüller, Robert Seeger, Ingrid Wendl, Michael Kuhn, Peter Elstner – alle diese Namen kennen Generationen von sportinteressierten Österreichern wie die von nahen Verwandten. Den Stimmen dieser Sportreporter lauschte man in den eigenen Wohnzimmern, mit ihnen erlebte man unvergessliche sporthistorische Ereignisse. Sie verliehen ihren Sendungen, Beiträgen und Reportagen eine persönliche Note – egal ob in Funk oder Fernsehen. Für die Sendung hat der Gestalter vier legendäre Reporterstimmen ausgesucht: Willy Schmieger - als Pionier und Beispiel für die Anfänge des Sportes im Radio, dessen Nachfolger Heribert Meisel und Edi Finger senior – gewissermaßen die Sportreporter schlechthin - sowie der in Linz geborene Manfred Payrhuber, der 40 Jahre lang Teil der ORF-Sportberichterstattung war. Er leitete insgesamt 29 Jahre die Abteilung Sport im ORF Landesstudio Oberösterreich.

Text von Michael Huemer, Radio Oberösterreich.