Heimische Vogelwelt in „Lust aufs Leben“

Die Zahl der Vögel geht schleichend, aber dramatisch zurück. Seit 1980 verschwanden europaweit 300 Millionen Brutpaare, ein Ende des Vogelsterbens ist nicht in Sicht. Das ist Thema am Sonntag ab 21.03 Uhr in der Sendung „Lust aufs Leben“

Den ganzen März und April ging es Schlag auf Schlag mit den eintreffenden Zugvögeln: von der Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Ringeltaube und Heidelerche bis zu den ersten Kuckucken und Rauchschwalben. Bis alle angekommen sind, dauert es noch bis Ende Mai. Dann werden auch Zugvögel wie Bienenfresser und Karmingimpel eintreffen, die immer die Letzten sind, die in unseren Landen ankommen. Feldlerchen, Stare und Kiebitze, die im Mittelmeerraum überwintert haben, sind schon da. Der ungewöhnlich harte Winter hat auch den Vogelfrühling verzögert. Selbst Spechte, Meisen und Amseln, die den Winter über hier bleiben, haben sehr spät mit der Balz begonnen.

Vögel: Amsel

Birdlife/Michael Dvorak

Amsel

70 Prozent der Wiesenpiper verschwunden

Es gibt beunruhigende Nachrichten. Die Zahl der Vögel geht schleichend, aber dramatisch zurück. Seit 1980 verschwanden europaweit 300 Millionen Brutpaare und ein Ende des Vogelsterbens ist nicht in Sicht. Schockierende Zahlen gibt es für Europas Naturschützer aus Frankreich. Dort brach die Zahl der Feldvögel dramatisch ein, in den letzten 15 Jahren ist sie um ein Drittel zurückgegangen, bei manchen Arten sind die Verluste noch gravierender. So verschwanden in dieser Zeit 70 Prozent der Wiesenpiper und zwei Drittel der Ortolane, bei den Rebhühnern beträgt der Rückgang über einen Zeitraum von 23 Jahren sogar 80 Prozent. Die Zahlen passen zum Trend, heftigen Schwund hat man auch in Deutschland, Spanien und Großbritannien festgestellt.

Vögel Bergfink Haussperling

Johannes Frühauf

Haussperling

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 6.5.18

Studien belegen eindeutig, dass die Zahl der Vögel in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Ehemals weit verbreitete Arten wie Turteltaube, Feldlerche, Grauammer, Kiebitz, Rebhuhn und Feldsperling sind in manchen Regionen schon zu Raritäten geworden. Auch in Österreich gibt es immer weniger Vögel laut BirdLife Österreich, der einzigen landesweit und international agierenden Vogelschutz-Organisation Österreichs. Man beobachtet ein regelrechtes Vogelsterben auf den österreichischen Agrarflächen. Bedroht sind vor allem Feld- und Wiesenvögel, diese Sorgenkinder des Vogelschutzes werden vor den Vorhang gebeten, um ihre Gesangeskunst demonstrieren zu können.

Noch intakte Lebensräume für Vögel in Österreich

Österreich hat mit seinem großen Alpenanteil hohe Verantwortung für den Schutz der dort lebenden Vogelwelt. Es gibt noch vielerorts intakte Lebensräume zu finden. Gefahren drohen jedoch durch die alpine Freizeitindustrie und auch durch den Klimawandel, der diese Räume immer weiter reduziert.

Vom Aussterben bedroht ist der Mornellregenpfeifer. Sein wichtigstes Kennzeichen im bunten Prachtkleid ist der breite, bis in den Nacken verlaufende weiße Streifen über den Augen, der auf dem Hinterkopf ein V bildet. Er ist etwas kleiner als eine Amsel, wirkt jedoch aufgrund seiner langen gelben Beine wesentlich größer. Der zur Familie der Regenpfeifer zählende Vogel brütet in den Alpen nur an wenigen Stellen, die unbedingt geschützt werden müssen.

Mornellregenpfeifer

wikimedia.org/sgbeer

Mornellregenpfeifer

Das gilt ebenso für das rotsternige Blaukehlchen, eine Singvogelart aus der Familie der Fliegenschnäpper. Das Blaukehlchen ist schlank gebaut, hochbeinig, hat eine Körperlänge von 13 bis 14 Zentimeter und ist somit etwas kleiner als die nahe verwandte Nachtigall. Namensgebend ist die auffallende Blaufärbung von Kehle und Vorderbrust. Im Kleid befindet sich zentral ein nierenförmiger rostroter Fleck, daher rotsterniges Blaukehlchen.

Bestand der Mehlschwalbe stark zurückgegangen

Zu den Problemkindern des Vogelschutzes zählt die Mehlschwalbe. Der Bestand ist stark zurückgegangen, sodass dieser Siedlungsvogel laut Birdlife in die Rote Liste aufgenommen wurde. Der Mangel an Brutplätzen, die Versiegelung der Böden sowie der dramatische Rückgang von Fluginsekten machen ihm besonders zu schaffen. Ursprünglich baute die Mehlschwalbe ihre kunstvollen Lehmnester an Felswänden oder Küstenklippen. Doch hat sie sich dem Menschen angeschlossen und nutzt rau verputzte Häuserwände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Nestbau. Entscheidend für die Mehlschwalbe ist die Möglichkeit, Erde oder Schlamm zu holen. Das Markenzeichen der Mehlschwalben ist der leuchtend weiße Bürzel, der sich von der dunklen Oberseite abhebt. Auch die Kehle und die Unterseite sind weiß gefärbt. Sie haben einen kurzen Schwanz, dadurch ist ihre Körperlänge von 13 bis 15 cm im Vergleich zur Rauchschwalbe, die 17 bis 21 cm lang werden kann, wesentlich geringer. Mehlschwalben sind übrigens Frühaufsteher und beginnen spektakulär zu singen, sobald das erste Tageslicht erscheint.

Mehlschwalben

Wolfgang Trimmel

Mehlschwalben

Zu den vogelreichsten Lebensräumen zählen Feuchtgebiete. Sie liegen im Übergangsbereich zwischen permanent feuchtem und ständig trockenem Gelände. Es handelt sich um Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich oder künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß- oder Brack- oder Salzwasser sind. Entwässerungen von Feuchtwiesen, Zerstörungen von Uferzonen sowie die Verbauung von Fließgewässern bedrohen diese Vielfalt.

Auch „Gallinago gallinago“ bedroht

Auf der Roten Liste Österreich unter der Gefährdungskategorie „vom Aussterben bedroht“ findet sich die Bekassine mit ihrem wissenschaftlichen Namen „Gallinago gallinago“. Die Bekassine bewegt sich mit ihrem untersetzten Körper, ihren kurzen Beinen und braunen Gefieder samt markanten Längsstreifen auf Kopf und Rumpf geschickt durch Feuchtgrünland, Wiesen und Moore. Sie ist eine wahre Tarnkünstlerin, bei Gefahr duckt sie sich auf den Boden und ist kaum vom Untergrund zu unterscheiden. Auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Insekten watet sie durch schlammige Bereiche und flache Gewässer. Der lange Schnabel ist perfekt dafür geeignet, um in den lockeren Schichten feuchter Böden Kleintiere zu orten und zu ertasten und aufzunehmen.

Keine Bekassine

Dietmar Hollenstein

Bekassine

Ebenfalls zur Familie der Schnepfenvögel, zur Gattung der Sumpfschnepfen zählt der Flussuferläufer, der in Österreich als „stark gefährdet“ auf der „Roten Liste“ steht. Er bevorzugt steinige Flussufer, Seen und Moore mit vegetationsstarken Schotterinseln, wo er auch seine Eier ausbrütet. Flussuferläufer können schwimmen und tauchen. Die Brut dauert im Schnitt 22 Tage, Ende Juni schlüpfen die Jungen und nach 25 Tagen verlassen sie nach und nach das elterliche Nest. Das Gefieder des „Actitis hypoleucos“ ist an der Oberseite graubraun, dunkel gefleckt und geht am Bauch in ein reines Weiß über. Er besitzt bräunlich graue Beine sowie einen dunklen Schnabel mit gelblicher Basis. Sehr charakteristisch für den Flussuferläufer sind das ständige Wippen des hinteren Körperteils und der durch zuckende Flügelschläge dominierte Flug, knapp über der Wasseroberfläche. Sein Lautrepertoire ist eher bescheiden.

Kulturlandschaft hat an Vielfalt verloren

Vogelarten, die unsere historisch gewachsenen, landwirtschaftlich geprägten Gebiete bewohnen, sind gegenwärtig die Sorgenkinder des Vogelschutzes schlechthin. Es befinden sich fast alle Feld- und Wiesenvögel im Sinkflug. Prinzipiell hat die Kulturlandschaft in den vergangenen Jahrzehnten an Vielfalt verloren. Heute wird oft bis direkt an den Feldweg geackert, gedüngt und gemäht. Vielfältige Lebensräume mit „bunten“ Feldrainen haben schon Seltenheitswert. Gülle und Kunstdünger haben dafür gesorgt, dass in Wiesen und Feldern weniger Wildkräuter wachsen, die als Insektennahrung den Vögeln wertvolle Sämereien liefern. Blütenreiche Randstreifen, Hecken und Brachen waren früher markante Bestandteile der Feldflur. Sträucher, Büsche, Stauden und sonstiges Buschwerk wurden rigoros abgeholzt und zurückgestutzt, weil sie das Bearbeiten erschwerten.

Die frühe Wiesenmahd und vor allem die monokulturelle, mit massivem Einsatz von Insektiziden und Pestiziden einhergehende Intensivlandwirtschaft macht der Vogelwelt schwer zu schaffen. Nicht weniger als 16 Vogelarten mussten als „Rot“ gelistet werden, 19 als „Gelb“. Einst weit verbreitete Allerweltsarten wie das Rebhuhn, die Turteltaube, das Braunkehlchen aber auch die Zwergohreule und der Girlitz sind beinahe verschwunden. Während es in den 70er-Jahren noch über 1.000 Braunkehlchen-Paare gab, waren es 2016 laut BirdLife nur mehr 35. Man rechnet mit dem völligen Aussterben des Wiesenvogels wie es dem Ortolan oder Gartenammer schon widerfahren ist.

Rebhühner gelten als standorttreu

Das Rebhuhn ist ungefähr so groß wie eine Haustaube, es bevorzugt und bewohnt Äcker und Wiesen. Rebhühner gelten als standorttreu und verbringen den größten Teil ihres Lebens innerhalb weniger Quadratkilometer. Perdix perdix ist ihr wissenschaftlicher Name. Rebhühner bewegen sich langsam und umsichtig, geschickt wissen sie die kleinste Unebenheit als Deckung zu nutzen. Feinden wie dem Fuchs, dem Habicht oder dem jagenden Menschen versuchen sie zu entgehen, indem sie sich regungslos auf den Boden kauern oder mit ausgestrecktem Hals und hoch aufgerichtetem Kopf davonlaufen. Nur bei äußerster Gefahr fliegen sie auf. Das Rebhuhn verfügt über zahlreiche Rufe, die gelegentlich mit dem Knarren einer rostigen Türangel verglichen wird. Bekannt ist das typische „kirrek“, mit dem das Männchen sein Revier markiert. Es ruft vor allem am Morgen und am Abend und ist auch noch nach Einbruch der Dunkelheit zu hören.

Es ernährt sich überwiegend von Sämereien, Wildkräutern und Getreidekörnern. Auch pflanzliche Kost wie Kleeblätter, verschiedene Knöterich- und Wegericharten gehören zum Speiseplan wie auch Steinchen, die im Magen dem Aufschließen der Nahrung dienen. Das Rebhuhn verschmäht auch nicht Insekten, gerade während der Brutzeit nehmen Weibchen Ameisen, Käfer, Schmetterlingsraupen und Blattläuse vermehrt auf. Aufgrund des Rückgangs von Feldrainen, Brachflächen und Hecken nahmen die Bestände des Rebhuhns in den letzten 20 Jahren um 75 % ab. Aus diesem Grund wurde es auf die rote Liste als „stark gefährdet“ gesetzt. Der gedrungene Vogel mit den kurzen Beinen leidet als Bodenbrüter besonders unter fehlenden Randstrukturen an den Feldern.

Turteltaube ebenfalls gefährdet

Während das Rebhuhn zur Familie der Hühnervögel gezählt wird, gehört die ebenfalls gefährdete Turteltaube zu den Taubenvögeln. Häufig wurden Turteltauben wegen ihres schönen Gefieders gehalten. „Turteltäubchen“ ist ein gebräuchliches Kosewort für Verliebte. Sie ist die einzige Langstreckenzieherin unter den Taubenarten Mitteleuropas. Ihr Bestand ist in wenigen Jahrzehnten eingebrochen. Der wissenschaftliche Name „Streptopelia turtur“ zielt auf die Halszeichnung ab und spiegelt lautmahlend das Gurren der Turteltaube wieder.

Turteltaube

wikimedia.org/Magnus Manske

Turteltaube

Die Turteltaube ist mit ihren 26 bis 28 cm Körperlänge kaum größer als eine Amsel. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich nicht. Sie ist eigentlich recht scheu und hält sich meist in Bäumen auf, ihre Nahrung sucht sie fast immer am Boden. Sie fliegt sehr wendig und bei ihren Balzflügen läßt sie die Flügel klatschen. Auf dem Weg in die Überwinterungsgebiete, die sich über die gesamte Sahelzone von Mauretanien bis Äthiopien erstrecken, fliegt sie fast immer in der Nacht.

Auch Zwergohreule „stark gefährdet“

Die Zwergohreule ist in Österreich ebenfalls stark gefährdet, weil auch ihr Lebensraum immer beschränkter wird. Überlebenswichtig für die Zwergohreule sind ausgedehnte Streuobstwiesenflächen mit alten, höhlenreichen Bäumen, zudem ein reiches Angebot von Großinsekten. Ihr Gefieder ist rindenfarbig und weist Grau-, Braun- und Schwarztöne auf und wenn sie sich an den Stamm eines Baumes drückt, ist sie fast „unsichtbar“. Ihre Augen sind dafür verhältnismäßig groß, entweder iris orange oder zitronengelb, ihre Federohren sind nur erkennbar, wenn der Vogel ängstlich ist und sie aufstellt. Die Brut dauert 24 bis 26 Tage, nach 40 bis 50 Tagen sind die Jungen selbständig und geben diese Geräusche vor dem Ausfliegen von sich.

Zwergohreule

ORF

Braunkehlchen leidet unter Landwirtschaft

Besonders stark unter der intensiven Landwirtschaft leidet das Braunkehlchen. Ehemalige Brutgebiete in den Niederungen und Hügelländern des Alpenvorlandes hat das Braunkehlchen weitgehend verlassen. Kleine Restvorkommen gibt es im Mühl- und Waldviertel sowie im Burgenland.

Birdlife Braunkehlchen Vogelsterben

Hans-Martin Berg

Es ist auf der Roten Liste „stark gefährdet“, weil sein Lebensraum Brachflächen und gebüschbestandene, feuchte Wiesen sind. Durch häufigen Schnitt werden die am Boden ausgebrüteten Eier oder Jungvögel weggemäht. Um nach Beute Ausschau zu halten, setzt sich der Singvogel gern auf Sträucher, Pfähle, Weidezäune, um von dort aus die Umgebung zu mustern. Seinen Gesang trägt das Braunkehlchen von seinem fixen Standpunkt aus vor, gelegentlich macht es das auch im Fliegen. Die kurzen, abgerissenen Strophen enthalten Nachahmungen anderer Vogelstimmen wie Hänfling, Stieglitz, Baumpieper und Grauammer. Gab es 2004 noch geschätzte 5.500 Brutpaare, so waren es 2016 nur noch 950 bis 1500, das entspricht einer Dezimierung von 75 bis 80 Prozent.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer / ooe.ORF.at