Literatur in „Premiere“: Immer weniger Platz

Am Samstag widmet sich die Sendung „Premiere – Literatur. Lebensart. Livemusik“ den Werken der Autorinnen Margit Schreiner und Cathrin A. Stadler. Sie beschäftigen sich jede auf ihre Weise mit dem immer weniger werdenden Platz in der Welt – dem lokalen Platz aber auch dem sozialen Platz.

Sendungshinweis

„Premiere – Literatur. Lebensart. Livemusik“, 17.2.18, 19.03 Uhr

„Kein Platz mehr“ so der Titel des aktuellen Romans von Margit Schreiner der Anfang Februar im Verlag Schöffling & Co. herausgekommen ist. Egal wie man es dreht und wendet, der Platz wird immer weniger. Die Räume platzen aus allen Nähten. Zettel, Tagebücher, Korrespondenzen, Zeitungsartikel, Fotos, Nippes aller Art: All die Dinge und Erinnerungen die sich im Laufe eines Lebens ansammeln!

Margit Schreiner

Marchart

Margit Schreiner

„Weniger wird es nicht ...“

Weniger wird es nicht, eher umgekehrt. Und sogar wenn man ausmistet werden Möbel und Kleider plötzlich immer mehr. Sie tauchen überall auf, wo man sie nie vermutet hätte. Die materielle Fülle wird zur Hölle. Aber der Platzmangel betrifft bei Schreiner nicht nur die eigenen vier Wände, egal ob es die Dachgeschosswohnung in der Stadt, das Häuschen im Grünen oder das geerbte Schloss am Lago Maggiore ist. Nein, der Platzmangel ist ein weltumfassendes Problem.

Dazu kommen die irrwitzigen Folgen des Lärms auf ganze Gesellschaftsstrukturen. Da liegt der Schluss nahe, dass der Mensch wahrscheinlich ungeeignet für die Welt ist. Ein reiner Störfaktor. Es könnte alles so reibungslos ablaufen, wenn es ihn nicht gäbe…

Zur Person Margit Schreiner:

Die Autorin Margit Schreiner, Jahrgang 1953, studierte Germanistik und Psychologie und verbrachte nach ihrem Studium in Salzburg einige Jahre in Tokio. Seit 1983 lebt sie nach Aufenthalten in Paris, Berlin und Italien als freie Schriftstellerin in Linz. Schreiners Werk wurde mit mehreren Stipendien und Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Oberösterreichischen Landeskulturpreis und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur. 2016 erhielt sie den Anton-Wildgans-Preis.

Mit „Tschopperl“ Ö1-Wettbewerb gewonnen

„Tschopperl“ ist der Titel des berührenden Textes von Cathrin A. Stadler. Mit diesem Text, der im Vorjahr beim Ö1-Literaturwettbewerb „Aber Sicher!“ unter den preisgekrönten war, geht die Autorin geradlinig und mit deutlichen Worten auf die schwierige Lage alternder Menschen ein. Sehr gut nachvollziehbar arbeitet sie die verzweifelten Versuche eines Paares auf, mit der extremen Lebenssituation zurechtzukommen.

Cathrin A Stadler Literaturkurs 2016

Privat

Cathrin A. Stadler

Viele Jahrzehnte gemeinsam verbrachter Zeit liegen hinter dem Ehepaar. Nun dominieren die Probleme des Alters den Lauf der Tage und Nächte. Die Kräfte der Ehefrau sind über alle Maßen gefordert. Der Mann war früher Kinderarzt, die Demenzerkrankung verändert ihn in jeglicher Hinsicht. Sein Pflege- und Zuwendungsbedarf sind enorm. Zwei Pflegerinnen und die Ehefrau teilen sich die Obsorge, die zu einem zehrenden Kraftakt wird – vor allem für die Frau, die der Hinfälligkeit, manchmal auch der unbewussten Triebhaftigkeit des geliebten Menschen machtlos gegenübersteht.

Der letzte Lebensabschnitt, der sogenannte wohlverdiente Ruhestand, scheint allen noch einmal mehr denn je abzuverlangen. Vorbei sind die Zeiten leichtlebiger Tage – was einst geliebt wurde, wird zur Belastung, der nicht mehr standzuhalten ist.

Zur Person Cathin A. Stadler

Cathrin A. Stadler wurde 1984 in Linz geboren. Schon 2015 wurde die Autorin mit der Talentförderungsprämie des Landes OÖ geehrt. Sie schreibt Prosa und dramatische Texte, studiert hat sie in Wien und im deutschen Leipzig, und zwar Afrika- und Literaturwissenschaften.

Es lesen die Schauspielerinnen Chris Pichler, Eva Mayer und Barbara Petritsch.

Literaturhinweis:

Margit Schreiner: „Kein Platz mehr“, Verlag Schöffling&Co
Cathrin A. Stadler: „Tschopperl", eine Anthologie „Aber sicher! Die besten Texte aus dem Ö1-Literaturwettbewerb“, Verlag Braumüller