Adalbert Stifter in „Lust aufs Leben“

Am 28. Jänner 1868 verlor Oberösterreich einen seiner bedeutendsten Schriftsteller: Adalbert Stifter. Um seinen Tod ranken sich allerlei Gerüchte. Am Sonntag begibt sich die Sendung „Lust aufs Leben“ ab 21.03 Uhr auf Spurensuche.

Mittlerweile sind eigentlich alle Fakten gesammelt und aufgeschrieben, die Gerüchteküche brodelt noch immer. Ob der Tod die natürliche Folge einer Krankheit war, die den von der Leberzirrhose geschwächten Körper auf das Totenlager geworfen hat? Ob Stifter seinen Tod mit einem Schnitt durch die Kehle von eigener Hand herbeigeführt hat? Ob lediglich ein Ungeschick zum freiwilligen Selbstmord führte? Ob denn das eine das andere ausschließt?

Stifter-Skulptur im Landhauspark von Johann Rathausky

Hans Koberger

Dichter, Schulrat, Landeskonservator und Maler

Tatsache ist, dass der Dichter, Schulrat, Landeskonservator und Maler am 28. Jänner 1868 in seiner Wohnung im sogenannten Hartl’schen Haus, dem Dampfschifffahrtsgebäude 1313 starb. Heute trägt dieses Haus die Adresse Adalbert-Stifter-Platz 1, in dem seit 1957 das Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich untergebracht ist. Der denkmalgeschützte Bau wurde 1993 generalsaniert, Besucherinnen und Besucher können in Stifters ehemaliger Wohnung auch das Sterbesofa betrachten.

StifterHaus Linz

StifterHaus Linz

Unmäßiger Esser und Trinker

Tatsache ist auch, dass Stifter als unmäßiger Esser und ebenso unmäßiger Trinker galt. Man spricht von 600 Liter Bier und Wein, die der Schulrat pro Jahr konsumiert haben soll. 2016 zum Vergleich kamen auf einen Durchschnittsösterreicher 134 Liter. Auf jeden Fall zuviel für Stifters Leber und seinen Leib.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 28.1.18

Seine literarische Produktion in den letzten Jahren stockte und die privaten Probleme häuften sich. Mehrmals begab er sich auf Kur. Finanzielle Schwierigkeiten und die Enttäuschung über seine kinderlose Ehe mit Amalie machen ihn depressiv. Am 26. Jänner, es ist ein Dienstag, öffnet der von einer Leberzirrhose geplagte Dichter und Lehrer mit einem Rasiermesser die Halsschlagader. Zwei Tage später ist er tot.

Grabstätte auf dem Barbarafriedhof in Linz

Barbarafriedhof/Frauscher

„Fama crescit eundo“

Im ersten Teil der Sendung hören Sie Ausschnitte aus einem Referat von Peter Becher, Literaturhistoriker und Schriftsteller aus München. Der kundige Stifter-Experte wird sich dabei ausführlich mit Stifters Sterben und Tod befassen. Anschließend daran ein Auftragswerk des Landes OÖ zum Stifterjahr mit dem Titel „Fama crescit eundo“ oder „Das Gerücht wächst, indem es sich verbreitet“. Der aus Oberösterreich stammende Schriftsteller Andreas Jungwirth hat gemeinsam mit dem ebenso in Oberösterreich geborenen Musiker und Komponisten Bernd Preinfalk dem langsamen Sterben Adalbert Stifters dieses Stück gewidmet, eine Collage für zwei Sprechstimmen und Streichquartett.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at