Treffpunkt Wissenschaft zum Abgas-Skandal

Die Sendung „Lust aufs Leben“ steht am Sonntag, 29. Oktober 2017, ab 21.03 Uhr unter dem Titel „Der Abgas-Skandal und seine Folgen für die Autoindustrie und die Mobilität der Zukunft“.

Sendungshinweis: „Lust aufs Leben“, 29.10.17 , 21.03 Uhr

Vom 14. bis 24. September dieses Jahres wurde vom Verband der Automobilindustrie die IAA, die Internationale Automobil-Ausstellung, in Frankfurt ausgerichtet. Sie findet im Wechsel in ungeraden Jahren mit der IAA für Nutzfahrzeuge statt. Die deutschen Automobilhersteller präsentieren sich auf dieser größten deutschen Automesse in einem opulenten Rahmen und belegen teilweise komplette Messehallen, um ihren Neuheiten eine große Showbühne zu bereiten.

Man bemerkte nach der heurigen Ausstellung, dass sich die Autoindustrie in einem eigenartigen Zwischenstadium befindet. Einerseits strotzte die Messe vor üppig motorisierten Luxusschlitten, Sportwagen und vor allem Geländelimousinen, den SUVs. Andererseits mühen sich die Hersteller, mobile Zukunftsthemen ins Licht zu rücken. Es zeigte sich, dass sich die Branche im Umbruch befindet.

Vertrauen verloren

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkl verlangt von der Autoindustrie, dass sie nach der Dieselaffäre das Vertrauen zurückgewinnen müsse. Zur Erinnerung: Es begann 2015 mit VW und betrifft inzwischen fast alle deutschen Autokonzerne: Jahrzehntelang sollen sie ihre Abgastechnik abgesprochen haben. So wie VW haben auch Porsche, Audi und Daimler bei ihren Dieselfahrzeugen geschummelt. Software sorgte dafür, dass Grenzwerte für Abgase nur auf dem Prüfstand, nicht aber auf der Straße eingehalten werden. Mitte September 2015 erfährt die Öffentlichkeit von diesen Manipulationen, vorerst beim Volkswagen-Konzern in Wolfsburg. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender bei VW, tritt zurück.

Aufgeladene Debatte

Die öffentliche Debatte ist verständlicherweise aufgeladen, die Konzerne rüsten nach, die deutsche Autobranche will bis 2020 40 Milliarden Euro allein in Elektromobilität investieren. Bis 2030 verspricht VW, dass jedes Modell auch als E-Version erhältlich sein soll. Allerdings weiß man, dass es noch auf lange Sicht Verbrennungsmotoren geben wird und dass es für die nächste Zukunft Technologieoffenheit statt ideologischer Debatte braucht. Alle Beteiligten wünschen sich vor allem eine Versachlichung der Diskussion, sind aber selbst gefordert, das Kundenvertrauen wieder zurückzugewinnen. Autokäufer wollen endlich wissen, welchem Antrieb die Zukunft gehört.

Oberösterreich ist als Wirtschaftsstandort eng mit der europäischen Autoindustrie verbunden. Das BMW Group Werk Steyr ist das größte Motorenwerk des BMW-Konzerns und dessen Dieselmotoren-Kompetenzzentrum. Mit 98 Prozent Automatisierungsgrad werden in Steyr Vier- bis Sechs-Zylinder Diesel- wie auch Benzinmotoren gebaut - letztere finden sich auch in Hybridautos. In Steyr werden alle Kernkomponenten wie Zylinderköpfe oder Kurbelgehäuse selbst hergestellt. Auch wenn gegen das Steyr-Kompetenzzentrum nach dem Dieselskandal nicht ermittelt wurde, weil man sich laut Konzernsprecher an die geltenden Gesetze gehalten habe, spüre man die Vertrauenskrise der Kunden, so Gerhard Wölfel, Geschäftsführer der BMW Group Werk Steyr.

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Gerald Lehner

Der BMW-Konzern hat zuletzt 100 Millionen Euro in die Erweiterung des Entwicklungszentrums gesteckt. Es arbeiten allein 700 der insgesamt 4500 Mitarbeiter am Standort Steyr. Auf 30 Prüfständen können Verbrennungsmotoren in allen klimatischen Situationen ausgeliefert werden. Auf ihnen kann ein Antrieb erstmals in Extrempositionen gedreht und somit die Kluft zwischen Labor- und Real-Werten minimiert werden. Bei BMW ist man überzeugt, dass es im Langstreckenbereich so schnell keine Alternative zum Verbrennungsmotor geben wird. Um weitere zehn bis fünfzehn Prozent lasse sich der Verbrauch beim Diesel noch senken. Und genau deshalb glaubt man bei BMW, nur mit dem Diesel die Klimaziele der EU zu erreichen. Dennoch kann auch BMW die steigende Nachfrage von E-Autos nicht ignorieren. Deshalb beschäftigen sich auch in Oberösterreich Ingenieure mit der Entwicklung von Elektroautos.

Umstellen auf alternative Antriebe

Auch die Zulieferindustrie muss sich auf alternative Antriebe einstellen. Bei der MIBA AG in Vorchdorf werden zum Beispiel Zahnräder oder Kurbelwellenlagerdeckel der gängigen PKW-Marken erzeugt. Man produziert pro Jahr 48 Millionen Stück verschiedenster Bauteile, darunter bereits solche für Elektroautos. Das Unternehmen zählt zu Österreichs führenden Industrie- und Technologieunternehmen. Ein Drittel des Gesamtumsatzes wird mit Verbrennungsmotoren gemacht, zehn Prozent allein mit der Zulieferung für Dieselfahrzeuge. Franz Peter Mitterbauer, Vorstandsvorsitzender der MIBA AG hält wenig von der Verteufelung des Diesels.

Chefredakteur Johannes Jetschgo hat Gerhard Wölfel und Franz Peter Mitterbauer in das Landesstudio OÖ zum „Treffpunkt Wissenschaft“ eingeladen, um mit ihnen über zentrale Herausforderungen für die Mobilität der Zukunft, über Fragen der Antriebstechnologie, aber auch über die Folgen der aktuellen Debatte zu diskutieren. Der Veranstaltungszyklus„Treffpunkt Wissenschaft“ wurde 2003 als Kooperation zwischen der Industriellenvereinigung OÖ mit dem ORF OÖ und der Johannes-Kepler-Universität Linz gegründet, um der Bevölkerung forschungsrelevante Themen nahe zu bringen.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer