Lust aufs Leben: Gärten in der Wüste

Die Ökumenische Sommerakademie ist Thema in zwei Ausgaben der Sendung „Lust aufs Leben“. Für 1. und 8. Oktober, jeweils ab 21.03 Uhr, hat Michael Huemer eine Nachbetrachtung der heurigen Veranstaltung in Kremsmünster zusammengestellt.

„Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, so lange man einen Garten hat.“ So lautet ein Sprichwort aus Persien und weist auf die Bedeutung und Wertschätzung von Gärten im Iran hin. Dort liegen die Ursprünge der islamischen Gartenkultur. In trockener und karger Umgebung gestalteten die Menschen durch eine kluge Wassertechnik erfrischend grüne Oasen und zum Schutz vor der Wüste von Mauern umgebene kleine Paradiese.

Festsaal Stift Kremsmünster

KU

Veranstaltungsort war der Festsaal des Stiftes Kremsmünster

Gartengestaltung und Gesellschaft

Wie eine Gesellschaft ihre Gärten gestaltet, daran konnte man schon immer viel über ihre Werte ablesen. Von den ältesten Gärten der Geschichte wissen wir, dass sie in Regionen mit wenig Wasser gediehen. So wird der legendäre Garten Eden in Mesopotamien verortet. Die Sumerer machten etwa 4000 vor Christus ihr trockenes Land durch Bewässerung fruchtbar und pflanzten Dattelpalmgärten.

Prächtige Gärten gab es auch schon um 2500 vor Christus in Ägypten. Im Schatten der Pyramiden wurden Teiche angelegt. Einen Garten zu besitzen bedeutete damals, Wasser zur Verfügung zu haben und das nicht zu knapp – das Grün war ein Symbol des Überflusses. In diesem Sinne lässt sich eine Linie ziehen von den Ursprüngen der Urbarmachung trockener Landstriche bis zur heutigen Zeit.

Logo zur Ökumenischen Sommerakademie 2017

KU

Das Plakat zur 19. Ökumenischen Sommerakademie

Zwar befremdlich aber Tatsache ist, dass etwa Dubai, die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate, ihren Aufstieg durch das Anlegen von üppigen Golfplätzen mitten in der Wüste anzeigt. Zu einem regelrechten Gartenboom kam es in der Renaissance. In Frankreich entstand Mitte des 16. Jahrhunderts die gigantische Anlage von Versailles. Ein Garten, der mit all seinen Gruppen von beschnittenen Büschen und Bäumen, Gartensälen und Skulpturen Maßstäbe setzte für ganz Europa. Die Idee, dem Volk Gärten zu widmen, kam im 19. Jahrhundert auf.

Schloss Versailles mit Garten, Paris

pixabay

Schloss Versailles

Das in Form von Parks, die nicht den Glanz der Monarchen spiegeln, sondern der Masse zur Erholung dienen sollten. Ein Garten also, der dem Gedanken der Demokratie entsprach. In diesem Geiste entstanden der Central Park in New York und der Englische Garten in München.

Die Ökumenische Sommerakademie, die vom 12. bis zum 14. Juli dieses Jahres im Stift Kremsmünster stattfand, hat sich als Thema „Gärten in der Wüste - Schöpfungsethik zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ ausgesucht. Sie knüpfte dabei an die OÖ Landesgartenschau an und beschäftigte sich mit der religiösen Symbolik des Gartens. Im Mittelpunkt standen aktuelle ökologische Fragen der globalen wirtschaftlichen Entwicklung aus theologischer und ethischer Sicht.

Besondere Bedeutung auch im Islam

In der jüdisch-christlichen Bibel und auch im Islam haben Gärten eine besondere Bedeutung. Die Pflanzen im europäisch-christlichen Garten stehen für das Leben und für das Wachstum. Sie haben wir als Erstes vor Augen, wenn wir uns Gärten vorstellen. Bäume, Sträucher, Büsche und Blumen machen uns Freude und geben uns Nahrung und Erholung. Das andere unverzichtbare Element des Gartens ist der Zaun. Ein Garten ist immer etwas Begrenztes und dadurch mit dem Gefühl der Geborgenheit verbunden. Ein Garten ist ein besonderer Raum, eine Welt für sich, herausgenommen aus anderen Welten, nur seinen Grenzen unterworfen.

In den Wüstengebieten, in denen die monotheistischen Religionen entstanden sind, sind Gärten ein Symbol der Sehnsucht. Dem steht die fortschreitende Zerstörung der natürlichen Umwelt gegenüber, die zum globalen Problem geworden ist, mit dem sich die Theologie ebenso wie die Umweltwissenschaft und die Wirtschaftsethik beschäftigen muss. Die Temperaturen steigen, extreme Wetterverhältnisse häufen sich wie wir im heurigen Sommer zu spüren bekamen. Seit Jahren wird vor den Auswirkungen des Klimawandels gewarnt. Seit 1762 werden im Benediktinerstift Kremsmünster lokale meteorologische Daten gesammelt und die Kurve zeigt, dass die vergangenen Jahre zu den wärmsten seit Beginn der Messungen zählen. Passend also die diesjährige ökumenische Sommerakademie im Stift Kremsmünster dem Thema Umwelt und Klima zu widmen.

Wüste, Libyen

pixabay

Als „Ernstfall des Glaubens“ hat die Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb den Kampf gegen den Klimawandel bezeichnet. Sie rief in ihrem Eröffnungsvortrag die Kirchen zum intensiven Einsatz für mehr Klimagerechtigkeit auf. In ihrem herausragenden und aufrüttelnden Vortrag „Klimawandel – eine Glaubensfrage?“ zeigt sie die vielen Gesichter des Klimawandels auf. Bei ihren Beobachtungen der bisherigen Klimaentwicklung handelt es sich um Fakten und bei den zukünftigen klimatischen Szenarien um Modelle, die auf gut abgesicherten Theorien basieren. Sie kommt zu einem erschreckenden Ergebnis.

Sehnsucht nach der Welt der Gärten

Die Sehnsucht nach der Welt der Gärten im Islam thematisiert die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Ursula Fatima Kowanda-Yassin. Schon vor über 1400 Jahren predigte der Prophet Muhammad die Bedeutung einer respektvollen Behandlung der Schöpfung. Der vorsichtige Umgang mit Natur, Tieren und Pflanzen ist daher ein wesentlicher Teil der religiösen Praxis und wird im Jenseits belohnt. Der Naturschutz ist so auch im Islam eines der dringendsten Themen. Die dramatische Zerstörung der Erde, das Ausbeuten natürlicher Ressourcen und maßloses Verschwenden haben das Thema Nachhaltigkeit für junge Generationen zu einem ihrer größten Anliegen werden lassen. Die Wege dazu sind so vielfältig wie Muslime und Musliminnen selbst. Jetzt ein Ausschnitt aus ihrem Vortrag „Die grüne Seite des Islams“.

Sendungshinweis:

„Lust aufs Leben - Kultur aus allen Richtungen“, 1. und 8.10.17, ab 21.03 Uhr

Im Vortrag des Moraltheologen Michael Rosenberger werden die Chancen und Grenzen einer uralten prophetischen und spirituellen Tradition reflektiert, sich die drastischen Bilder wahrscheinlicher Zukunftsszenarien mit aller Phantasie vor Augen zu halten. Sein Referat trägt den Titel: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht“. Rosenberger ist Professor für Moraltheologie an der Katholischen Privat-Unversität Linz.

Ausgetrocknetes Feld

ORF

Kaum eine Frage beschäftigt Ökonomen weltweit, wie Wirtschaftswachstum gesteigert werden kann, wie wir wieder produktiver werden können. Die Welt kämpft mit dem langsamsten Produktivitätsanstieg seit 60 Jahren, wobei das Problem auf den ersten Blick nicht akut scheint. In Europa und in den Vereinigten Staaten sind die Wachstumsraten gestiegen, die Konjunktur zieht in Österreich sogar kräftig an. Neue Maschinen und Technologien, bessere Roboter und effizientere Programme breiten sich zu langsam im Wirtschaftsleben aus, der Beitrag von Innovation zum Aufschwung tendiert gegen Null.

Hoffnung auf mehr Klimaschutz

Die lang gehegte Hoffnung, dass wirtschaftliches Wachstum durch technischen Fortschritt nachhaltig oder klimafreundlich gestaltet werden kann, bröckelt. Es scheint so zu sein, dass ein auf permanente ökonomische Expansion getrimmtes System kein Garant für Stabilität und soziale Sicherheit ist. Darauf deuten nicht nur die Eskalation auf den Finanzmärkten und die Schuldenkrisen hin, sondern auch die Verknappung jener Ressourcen, auf deren unbegrenzter Verfügbarkeit unser Wohlstandsmodell bislang basierte. Niko Paech plädiert in seinem Vortrag „Postwachstumsökonomie: Nachhaltigkeit ohne Greenwashing“ für Nullwachstum.

Nicht was man sagt, sondern was man tut, darauf kommt es an. Zwei praktische Beispiele werden vorgestellt, denen es gelungen ist, sozusagen Schöpfungsverantwortung zu übernehmen. Margit Mayr-Lamm ist Biobäurin in Allhaming und führt zusammen mit ihrem Mann einen Hof nach biologischen Grundsätzen. Sie haben sich auf Gemüse-Raritäten spezialisiert. Ihr besonderes Anliegen sind samenfeste Sorten, denn diese können von jeder Gärtnerin und von jedem Gärtner – im Gegensatz zu Hybridsorten – eigenhändig vermehrt werden. Ziel ist es, einen Beitrag zur Unabhängigkeit und Ernährungssouveränität aller zu leisten.

Urban Gardening Mattersburg

ORF

“Urban gardening”

Auch in Oberösterreich ist “Urban gardening” kein Fremdbegriff mehr. „Urbaner Gartenbau“ ist eine meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten. Bürgerinnen und Bürger nehmen sozusagen den Spaten in die Hand und schaffen Kleinode des gemeinschaftlichen, aber selbstbestimmten Anbaus. Ziel ist eine nachhaltige Bewirtschaftung, eine umweltschonende Produktion und ein bewusster Konsum landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Da das öffentliche Interesse an diesem Thema steigt und viele Stadtbewohner aktiv Gärten aufbauen, wurde Christoph Wiesmayr zum Landeskoordinator für den Aufbau von solchen Urban Gardening- und Gemeinschaftsgarten-Projekten bestellt.

Teil 1 können Sie hier nachhören:

Teil 2 können Sie hier nachhören:

Michael Huemer