Der Fall Tibor Foco - Eine Rekonstruktion

30 Jahre ist es her, dass Tibor Foco wegen mutmaßlichen Mordes verurteilt worden ist. Michael Huemer rekonstruiert den Justizfall Tibor Foco in zwei Sendungen am 17. und am 24.9. jeweils um 21.03 Uhr.

Sendungshinweis:

„Der Fall Tibor Foco“, 21.03 Uhr

Vor 30 Jahren wurde Tibor Foco am 31. März 1987 wegen Mordes an einer Prostituierten in Linz zu lebenslanger Haft verurteilt. Acht Jahre später, am 27. April 1995, gelang ihm die Flucht bei einem Studienausgang an der Johannes-Kepler-Universität. Seither fehlt von ihm jede Spur, Foco steht weltweit auf Fahndungslisten.

Europol schreibt Ansichtskarte

Wie kommuniziert man mit jemandem, von dem man nicht einmal weiß, ob er noch lebt? Die europäische Polizeiagentur Europol in Den Haag versucht es mit Humor. Sie schreibt nämlich den meistgesuchten Verdächtigen Ansichtskarten via Facebook und Twitter, eine Karte auch besagtem Tibor Foco, der in Österreich wegen Mordes gesucht wird. Nach einem „Servus Tibor“ wird der Motorrad-Rennfahrer und Zuhälter zu einer Skipartie in „the beautifuls Alps“ eingeladen. Der Text auf der Ansichtskarte ist in englischer Sprache gehalten und endet mit einem freundlich gemeinten „bis bald, Polizei Österreich“.

Europol Foco Postkarte

eumostwanted.eu

Foco unter „Austria’s Most Wanted Persons“

Auf der Homepage des Bundeskriminalamtes im Bundesministerium für Inneres findet sich eine Personenfahndung samt Steckbrief von Tibor Foco in der Rubrik „Austria’s Most Wanted Persons“. Außerdem ist ein Aging-Foto zu sehen, ein nachgealtertes Foto, das den Gesuchten so zeigt, wie er heute, im Alter von 61 Jahren aussehen dürfte. Als Vorlage diente dem Zielfahnder ein Bild aus der Zeit des Mordes. Die Augenpartien blieben dabei unverändert während die übrigen Gesichtsregionen nach wissenschaftlichen Methoden modifiziert wurden. Zum Vergleich wurde auch ein Foto von Focos verstorbenem Vater herangezogen. Gefahndet wird seit dem 2. Oktober 1997.

Aussehen des Gesuchten:

1,75 Meter groß, braunes Haar, blau-grüne Augen, trainierter Körperbau, Muttermal unter dem rechten Auge

Besondere Merkmale und Eigenschaften:

Fünf Zentimeter lange Narbe am linken Ellbogen; Rechtshänder; Blutgruppe B positiv; hohe Intelligenz; Einzelgänger; Sportlich; Nichtraucher; trinkt keinen Alkohol; Hundeliebhaber; Motorsportbegeistert; ehemaliger Motorradrennfahrer; versucht, Frauen zu unterwerfen.

Delikt:

Tibor Foco steht im Verdacht, am 13. März 1986 eine Prostituierte ermordet zu haben. Er wurde am 31. März 1987 rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt. Mittlerweile wurde das Urteil aufgehoben und das Verfahren neu aufgenommen. Für Hinweise, die zur Festnahme von Tibor Foco führen, gibt es eine ausgelobte Summe von 2.900 Euro.

Was ist eigentlich passiert?

Ein Mann sieht in einem Zug neben den Gleisen der Westbahn in Linz, direkt neben der Mauer des Barbara-Friedhofes, eine Leiche liegen. Kurz darauf ist die Polizei am Tatort und schnell wird klar, dass es sich um ein Verbrechen handelt. Tibor Foco steht im Verdacht, am 13. März 1986, die Prostituierte, deren Namen nicht genannt wird, durch einen Revolverschuss in den Kopf ermordet zu haben. Er wurde für diese Tat am 31. März 1987 rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt. Die vermeintlichen Komplizen, ein Mann und eine Frau, wurden ebenfalls rechtskräftig verurteilt. Die Kronzeugin wurde kurze Zeit später wegen entschuldigten Notstandes freigesprochen. Der vermeintliche Mittäter wurde 1996 nach Wiederaufnahme seines Verfahrens freigesprochen, es wurde ihm eine Entschädigung von zirka 236.000 Euro zuerkannt.

Der ehemalige Motorradrennfahrer Tibor Foco betrieb das Rotlichtlokal „Bunny Bar“ in Linz, Goethestraße 51 und wollte offensichtlich die professionellen Dienste einer damals 23-jährigen Prostituierten in Anspruch nehmen. Aufgrunddessen soll es zwischen diesen beiden Personen in der Nacht des 13. März 1986 zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, wobei die Frau brutal zusammengeschlagen wurde. Sie erlitt eine Vielzahl von Wunden, Prellungen im Kopfbereich und Knochenbrüchen an den Armen.

Tibor Foco mit Justizbeamten und Anwalt Dr. Alois Heigl

APA/Rubra/Jae

Foco-Prozess 1987

In den Morgenstunden des 14. März wurde ihr Leichnam auf den Gleisen der Westbahn gefunden, ermordet durch einen Schuss in das Gesicht, unterhalb ihres linken Auges. Die Tote war im Bereich des Unterleibes entkleidet, um die Tat sexuell motiviert erscheinen zu lassen. Einige Tage später wurde Tibor Foco als Tatverdächtiger verhaftet und in weiterer Folge vom Geschworenengericht in Linz zu lebenslanger Haft verurteilt.

Chronologie:

  • 13. März 1986
    Mord an der Prostituierten Elfriede H.
  • 14. März 1986
    Festnahme von Tibor Foco
  • 31. März 1987
    Foco wird zu lebenslanger Haft verurteilt, ein angeblicher Komplize zu 18 Jahren
  • Juni 1992
    Wiederaufnahme des Verfahrens des angeblichen Mittäters, der 1996 freigesprochen wird
  • 5. März 1993
    Die Kronzeugin widerruft ihre Aussagen
  • 27. April 1995
    Flucht Focos mit dem Motorrad
  • 29. August 1997
    Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen Foco samt freiem Geleit und Hinterlegung einer Kaution, Foco kehrt nicht zurück
  • 27. Juni 2000
    Staatsanwaltschaft Linz erhebt neue Anklage gegen Foco wegen Mordverdachts

Tibor Foco ist nach wie vor Gegenstand einer Zielfahndung. Es gibt keinerlei Hinweise auf seinen derzeitigen Aufenthalt. Michael Huemer rekonstruiert den Justizfall Tibor Foco in zwei Sendungen.

Sendung am 17.9.

  • Teil 1: Von der Mordtat am Bahngleis zur Flucht mit dem Motorrad - hier zum Nachhören:

Sendung am 24.9.

Teil 2: Von der Flucht in die Freiheit auf die internationalen Fahndungslisten - hier zum Nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at