Baumeister und Brückenbauer des Landes

Nach Edmund Aigner, Ludwig Bernaschek, Heinrich Gleißner, Ernst Koref und Franz Hillinger steht am Sonntag ab 21.03 Uhr ein Nichtpolitiker im Mittelpunkt der Reihe „Baumeister und Brückenbauer des Landes“: Franz Salesius Zauner.

Er war römisch-katholischer Bischof der Diözese Linz von 1956 bis 1980. Er kam 1904 auf die Welt und starb am 20. Februar 1994 in Linz.

Schweigen und Resignation zum Anschluss

Als am 12. März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschierten und Adolf Hitler noch am selben Tag vom Balkon des Linzer Rathauses verkündete, dass er den ihm von der Vorsehung erteilten Auftrag, seine „teure Heimat dem Deutschen Reich wiederzugeben“, erfüllt habe, gab es gewiss viel echte Begeisterung. Tatsache ist aber auch, dass es Menschen gab, die schweigend und resigniert abseits standen oder sogar gegnerisch eingestellt waren.

Kirche von Nazis kontrolliert und überwacht

Sogleich nach dem Anschluss begann der „Kirchenkampf“, sahen doch die Nationalsozialisten in der Kirche einen ihrer entschiedensten Gegner. Die Religionsausübung in den Kirchen und Gotteshäusern war in der NS-Zeit grundsätzlich zwar gestattet, wurde aber überwacht und nicht selten durch Parallelveranstaltungen unterlaufen oder gestört.

Die Gottesdienstzeiten wurden beeinträchtigt, Predigten inspiziert, Wallfahrten und Prozessionen behindert. Kirchenglocken und Orgelpfeifen mussten ab 1941 der Kriegswirtschaft geopfert werden. Dem Bistum Linz wurden mit 1. Jänner 1940 die südböhmischen Dekanate Hohenfurth, Oberplan, Kaplitz und Krumau unterstellt. Das bedeutete einen Zuwachs von 50 Pfarren mit zusammen über 100.000 Katholiken. Linz erreichte damit eine Katholikenzahl von fast 944.000 und war nun die zweitgrößte Diözese der Ostmark, wie Oberösterreich damals hieß.

Gebetsbuch aus der „Zaunermühle“

Am 11. Mai 1941 übernahm Josephus Calasanz Fliesser nach dem Tod seines Vorgängers Johannes Maria Gföllner die Leitung des Bistums Linz. Unter seiner Federführung kam das Diözesangebet- und –gesangbuch „Vater unser“ heraus, das zu einem echten Volksgebetbuch wurde. Not macht erfinderisch, die Vervielfältigung der notwendigen liturgischen Texte besorgte zum größten Teil Franz Zauner auf einer von ihm mit einem Elektromotor versehenen Abziehmaschine, die unter dem Namen „Zaunermühle“ bekannt wurde. Nach seiner eigenen Mitteilung wurden damit während der NS-Zeit zwei Waggons Papier bzw. sechs Millionen Seiten bedruckt. Es wurden auch Soldatenbriefe vervielfältigt, die die Verbindung der Diözese mit den Priesteramtsanwärtern herstellen sollten. Die „Zaunermühle“ überstand sogar eine Hausdurchsuchung, die am 11. März 1940 in allen kirchlichen Gebäuden durchgeführt wurde.

Die Kirche in der Nachkriegszeit

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges war eine der vorrangigen Aufgaben der Kirche, die sich ihr stellten, die Mithilfe bei der Linderung der herrschenden Not.

In dieser Situation setzte Bischof Josephus Fliesser klare Prioritäten. Vor der Wiederherstellung der Kirchenruinen sollte den bedürftigen Menschen geholfen werden. Die Caritas der Diözese, die damals als Organisation stark in den Vordergrund trat, war vor schwierige Aufgaben gestellt, die sie mit großem Einsatz zu lösen versuchte, nämlich den Menschen materiell helfen. Ihr Sitz war das Haus Seilerstätte 14 in Linz. Nach und nach setzte auch die kirchliche Bautätigkeit ein. Der Bedarf an Seelsorgestellen, vor allem in den Ballungsräumen der Städte, war schon im Krieg gegeben.

Baracken als Notkirchen

Die Nachkriegssituation ließ es aber nicht sofort zu, überall dort, wo es nötig gewesen wäre, Gotteshäuser zu errichten. So behalf man sich zunächst mit dem Bau von Notkirchen in Form von Baracken wie in Linz am Bindermichl, am Froschberg, im Keferfeld und in Traun St. Martin.

Durch die Errichtung des „Katholischen Bildungswerkes“ erhielt das kirchliche Bildungswesen neue Impulse. Das Priesterseminar, dem die Philosophisch-theologische Lehranstalt angeschlossen war, konnte in die Harrachstraße zurückkehren. Dagegen war dem Knabenseminar Kollegium Petrinum die Übernahme des alten Gebäudes erst möglich, nachdem die dort einquartierten russischen Besatzungstruppen ausgezogen waren.

Neue Betreuungsstätten errichtet

Für Menschen, die aufgrund ihrer physischen oder psychischen Situation eine besondere Betreuung benötigten, entstand eine Reihe von Instituten: das Caritas-Kinderdorf St. Isidor in Leonding für behinderte Kinder, das Institut St. Pius in Steegen-Peuerbach für geistig und körperlich Schwerbehinderte.

Zauner folgt auf Bischof Fliesser

Bischof Fliesser hatte an all diesen Aufbauarbeiten wesentlichen Anteil. Doch die große Beanspruchung in der NS-Zeit und in den schwierigen Jahren danach hatte seine Gesundheit über Gebühr beansprucht. Er erleidet 1948 einen Schlaganfall, ein weiterer veranlasst ihn, seinen Rücktritt einzureichen. Schon damals wird ihm in der Person des Seminarregens und Theologieprofessors Franz Salesius Zauner ein Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge beigestellt. Mit 1. Jänner 1956 tritt dieser die Nachfolge an. Damit sind wir bei Franz Zauner angelangt.

Biografisches von Franz Zauner

Franz Salesius Zauner wird am 11. Dezember 1904 als erstes von neun Kindern des Landwirtes Franz Zauner und seiner Frau Anna Ammer in Tollet im Bezirk Grieskirchen geboren. Um ein wenig Überblick in die Biographie hineinzubringen: Von 1920 bis 1925 besuchte Zauner das in die Stammanstalt in Linz-Urfahr zurückverlegte bischöfliche Gymnasium, er maturiert mit Auszeichnung. Von 1925 bis 1932 studierte er in Rom Theologie und Philosophie. Seine Priesterweihe empfängt er 1931 und kehrt nach Österreich zurück. Er wird Kaplan in Mondsee, wo er auch als Schriftführer der landwirtschaftlichen Lagerhausgenossenschaft fungierte.

Nach kurzem Wirken als Kooperator in der Linzer Familienpfarre übernimmt Zauner 1934 den Posten des Generalpräfekten, also eines kirchlichen Verwalters am Kollegium Petrinum, den er bis zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ausübte. Das Petrinum wird von den Nationalsozialisten enteignet und der Kauf des Hauses angestrebt. Zauner gelingt es, den Verkauf zu verhindern, indem er immer wieder gegen die gebotene Entschädigungssumme Einspruch erhob und die Konflikte zwischen der Gauleitung und den Reichsstellen in Berlin ausnützte. So konnte der tatsächliche Verkauf des Hauses letztlich verhindert werden.

1965 zum Linzer Bischof geweiht

Am 15. August 1949 wird Zauner im Dom zu Linz von Theodor Kardinal Innitzer zum Bischof-Koadjutor geweiht. Nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt Bischof Fliessers 1955 wird Zauner am 1. Jänner 1956 von Papst Pius XII. zum Bischof von Linz ernannt. Die Nachricht von der Bischofsernennung des ehemals sehr sportlichen Generalpräfekten im Petrinum und engagierten Professors und Regens wurde von den Seminaristen mit Begeisterung aufgenommen.

Neue Wege nach Konzil

Einen Wendepunkt in der Amtszeit Bischof Zauners bedeutete das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965. Wegen der Bedeutung der Diözese Linz für die volksliturgische Bewegung galt Bischof Zauner auf dem Konzil als der für Fragen der Liturgie kompetente Bischof. Er persönlich wurde mit den meisten Stimmen, die je ein Konzilsvater erreichte, in die Liturgiekommission gewählt. Dabei hatte sich Zauner mit Rom einen Streit um die Liturgie geleistet.

Neue Aufgaben nach Eklat um deutsche Messe

1954 hatte er in Klosterneuburg eine Messe in Teilen auf Deutsch gefeiert, worauf ihn ein römischer Prälat scharf kritisierte. Der Klosterneuburger Liturgiestreit machte Zauner in der Kirche prominent und Papst Johannes XXIII. berief ihn in eine Vorbereitungskommission des Konzils. Mit Begeisterung berichtete Zauner bei unzähligen Referaten und Predigten in den Pfarren vom Konzil und war auch immer um die konsequente Durchführung der Konzilsbeschlüsse bemüht.

Ausbau der katholischen Aktion

Weiters war Zauner mit großem Engagement dabei, die „Katholische Aktion“ zu einer schlagkräftigen Laienorganisation auszubauen, um der zunehmenden Industrialisierung des Landes pastoral Rechnung zu tragen. Er löste die pfarrlichen Landwirtschaften auf und befreite die Pfarrer von landwirtschaftlichen Aufgaben, die nicht unbedingt zu ihrem Beruf gehörten. Er verdichtete die Pfarrstrukturen vor allem in den urbanen Bereichen durch Errichtung von Pfarr- und Jugendheimen und förderte das katholische Bildungswesen.

Schloss Puchberg als Bildungsstätte

Beispielsweise konnte 1953 das Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels eröffnet werden, das bis zum heutigen Tag als Stätte der Fortbildung, Information sowie Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen der Kirche und der Gesellschaft eine wichtige Rolle spielt. Zauners einfaches Pastoralkonzept lautete: in jede Pfarre ein Pfarrheim, ein katholisches Bildungswerk und eine lebendige Katholische Aktion zur Förderung des Laienapostolates in allen Alters- und Berufsgruppen. Dieser forcierte Ausbau von Institutionen und Organisationen gibt der Diözese heute, in einer Zeit zunehmender Säkularisierung und finanzieller Engpässe, auch Probleme auf.

Die letzten Jahre von Franz Zauner

In Alois Wagner erhielt Zauner 1969 seinen Wunschkandidaten als Weihbischof. Ihm übertrug er die Leitung der Linzer Diözesansynode, das Amt des Generalvikars und weitgehend die pastoralen Planungen. Wagner war bis zu seiner Bestellung für römische Aufgaben 1981 in maßgeblichen Gremien Österreichs sowie in der Österreichischen Bischofskonferenz tätig.

Mit Erreichung der Altersgrenze reichte Franz Salesius Zauner am 5. Dezember 1979 seinen Rücktritt ein, der mit 12. August 1980 angenommen wurde. Bis zur Amtsübernahme durch seinen Nachfolger Maximilian Aichern 1982 leitete er die Diözese noch als Apostolischer Administrator. Die Amtsniederlegungen in der nachkonziliaren Phase bedeuteten ihm persönlich eine äußerst herbe Enttäuschung. Im Ruhestand lebte er im Bischofshof in der Herrenstraße in Linz, wo für ihn sein langjähriger Sekretär Prälat Gottfried Schicklberger sorgte. In den letzten Jahren war er gesundheitlich schon stark angeschlagen, er starb am 20. Februar 1994. Der Altbischof wurde in der Krypta des Neuen Doms in Linz beigesetzt.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at