Lust aufs Leben: Reportage über Voest-Lehrlinge

Eine Reportage mit dem Titel „I bin froh, wann i di Zeit umedraht hab – 40 Jahre später“ über Voest-Lehrlinge im Lehrlingsheim am Mühlbach ist am Sonntag, 3. September, ab 21.03 Uhr Inhalt der Sendung „Lust aufs Leben“.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 3.9.17

Drei Lehrlinge einen Tag lang begleiten, vom Aufstehen im Lehrlingsheim, am Weg zum Arbeitsplatz bis zu Gesprächen in der Nacht – das war das Konzept von Rainer Rosenberg für eine Reportage über das Leben der Lehrlinge in der Voest Alpine im Jahr 1976, also vor 40 Jahren.

Aufmerksam geworden ist er aufgrund einer Zeitung, die in der Ö3-Redaktion auftauchte. „Krokodil – bis zum Hals im Dreck und doch die Klappe offen“ waren Titel und Untertitel. Die Zeitung wurde von Lehrlingen der Voest in Linz gemacht. Ein Erzieher stellte sich für das Impressum zur Verfügung. Ein – wie es damals vor allem in Studentenkreisen üblich war – mit Matritzendrucker hergestelltes Blatt, das provokant und kritisch über das Leben von ungefähr tausend Lehrlingen in der damals noch verstaatlichten Voest berichtete.

Dokument aus der Stahlkrise

Im Frühjahr 1976 war die Produktion fertig und wurde in Ö3 ausgestrahlt. Der Titel: „I bin froh, wann i die Zeit umedraht hab“ war ein Zitat des ältesten der drei interviewten Lehrlinge, von ihm ausgesprochen während des Fußmarsches vom Lehrlingsheim zur Lehrwerkstätte. Ein Satz, der in Zeiten einer Stahlkrise bis zum damaligen Generaldirektor der Voest vordrang. Das war Herbert Koller, der den Konzern seit 1961 führte. Obwohl alle Interviewten die Ausbildung in den höchsten Tönen lobten, wurde auch deutlich Kritik geübt. Es gab sogar antikapitalistische Töne und die Erzieher stellten sich mehr auf die Seite der Lehrlinge als auf die der Meister, die die Jugendlichen ausbildeten.

Andreas-Reischek-Preis für Rainer Rosenberg

Für diese Reportage erhielt Rainer Rosenberg 1976 übrigens den ersten Andreas-Reischek-Preis, ein nach dem Journalisten Andreas Reischek ausgelobter Hörfunkpreis in Österreich. Er, der Preisträger selbst, durfte allerdings nach der Ausstrahlung der Sendung das Voest-Betriebsgelände nicht mehr besuchen, dem Voest-Management missfiel der Titel.

40 Jahre später

Nun besuchte Rainer Rosenberg die Interviewpartner 40 Jahre später noch einmal. Einer der porträtierten Lehrlinge arbeitet noch immer in der Voest, einer starb bei einem Motorradunfall, ein Erzieher wurde Lehrer und Schriftsteller, ein anderer ist einer der Gründer einer Einrichtung, die sich um Gesundheitsförderung im Betrieb kümmert. Der ehemalige Heimleiter wurde Gemeinderat in Linz und organisiert bis heute sportliche Reisen für den Pensionistenverband am Spallerhof.

Übrigens: 2016 wollte der Unternehmenssprecher der Voest bei den Interviews und Befragungen in der Nähe sein, Rosenberg traf sich mit ihnen jedoch in einem Gasthaus.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at