Arbeiterkultur und Arbeitervereine in der voestalpine

Im Oktober 1945 entstanden in Linz die „Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke“ - die VÖEST. In der Sendung „Lust aufs Leben“ am Sonntag stellt Michael Huemer die Arbeiterkultur und Arbeitervereine des Unternehmens in den Mittelpunkt.

Sendungshinweis:

„Lust aufs Leben - Kultur aus allen Richtungen“, 21.5.17, 21.03 Uhr

Noch in der Schutt- und Trümmerzeit des Zweiten Weltkriegs wurde eine grundlegende Entscheidung getroffen, die für die weitere wirtschaftliche Entwicklung von Linz von größter Bedeutung war. 1945 kam man überein, die bombengeschädigten Großbetriebe nicht zu schleifen, sondern wieder auf- und auszubauen. Im Oktober wurden die Hütte Linz, die Eisenwerke Oberdonau und die Stahlbau Linz GmbH zur „Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke AG“ - kurz VÖEST - zu einem Großunternehmen zusammengefasst.

68.000 gesicherte Arbeitsplätze

Einige Tage später wurde sie verstaatlicht, ähnlich wie 1946 die Stickstoffwerke, die in „Österreichische Stickstoffwerke AG“ umbenannt wurde. Die beiden Großbetriebe prägten in den 50er-Jahren das Image von Linz als dynamische Industriestadt und wurden zu Vorzeigebetrieben, vor allem bei Staatsbesuchen. Sie beschäftigten 1974 70 Prozent der Linzer Industriearbeiterschaft.

Totale übers Gelände der VOEST Alpine in Linz an der Donau

Gerald Lehner

Auch viele Zulieferbetriebe profitierten von der wirtschaftlichen Prosperität, es wurden in Oberösterreich indirekt an die 68.000 Arbeitsplätze gesichert. Auch die Unternehmenskultur der VÖEST galt als Vorzeigemodell: Mit großzügigen Sozialleistungen, unzähligen Arbeits- und Betriebsvereinen, Freizeit- und Sportsektionen fühlten sich viele als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast wie in einem Familienbetrieb. Neben dem Sport teilten auch viele von ihnen die Musik in ihrer Freizeit, das Musizieren am Werksgelände hat im Unternehmen Tradition.

historische Aufnahmen, voestalpine: Anblasen des Hochofens A (1977)

voestalpine

Anblasen des Hochofens A (1977)

„Linzer Hüttenbuam“

Bereits im Jahre 1948 wurde von einigen Beschäftigten, die begeisterte Musiker waren, der Entschluss gefasst, eine werksinterne Musiziergemeinschaft zu gründen. Die Mitglieder taten sich zusammen und musizierten auf ihren Privatinstrumenten, traten in Zivilkleidung auf und nannten sich „Linzer Hüttenbuam“. Aufgrund dieser Aktivitäten wurde 1950 eine Werkskapelle unter der Leitung des Kapellmeisters Josef Salzner gegründet.

Sie wurde durch die Unterstützung des Managements mit einer traditionellen Knappenuniform und werkseigenen Instrumenten ausgestattet. Nachdem Josef Salzner in den Ruhestand getreten war, übernahm sein Stellvertreter Michael Etz bis 1973 die Geschicke des Orchesters. Ab 1974 steht Kapellmeister Adalbert Erich Mikes an der Spitze des Werksblasorchesters, das er bis 1996 leitet.

historische Aufnahmen, voestalpine: LD-Stahlwerk I

voestalpine

LD-Stahlwerk I

Entstehung der SK VÖEST LINZ

Neben der Musik zählt der Sport zu jenen Tätigkeiten, die eine breite Wirkung auf die Identität und Zugehörigkeit der sozialen Schichten ausübte. In Linz war der LASK, der Linzer Athletik Sport Klub, zu dessen Anhängern auch ich zählte, der unangefochtene Traditionsklub, der 1908 gegründet wurde. Die bürgerlichen Mittelschichten waren ihm verbunden, während sich die Arbeiterschaft im 1946 gegründeten Klub „SV Eisen und Stahl 1946 Linz“ widerfanden. Drei Jahre später wurde der Verein in SK VÖEST Linz umbenannt.

Als dritten Linzer Verein gab es noch den SV Stickstoff Linz. Der LASK gewann 1965 den österreichischen Meistertitel im Fußball, was der SK VÖEST Linz neun Jahre später wiederholte. Die werkseigene Fußballmannschaft war damals eine Macht für sich, wobei der Vöest-Betriebsrat eine riesengroße Rolle spielte.

Willy Kreuz, Erich Mikes, Walter Rammerstorfer und Hansjörg Holzinger im Gespräch

Der Sozialhistoriker Michael John unterhält sich in der Sendung mit Kapellmeister Erich Mikes und Walter Rammerstorfer, Mitglied der Werkskapelle. Im Interview sind Willy Kreuz, ehemaliger Stürmer bei SK Voest, und Hansjörg Holzinger, der als Uhrenwart im Linzer Stadion und als Masseur tätig war zu hören. Zwei Unterformationen des Voest-Blasorchesters, ein Brass-Quintett und die sogenannte Konduktmusik, sorgen für den musikalischen Rahmen.

Hier können Sie Sendung nachhören:

Michael Huemer /ooe.ORF.at