Heinrich Gleißner: Wegbereiter Oberösterreichs

In der Porträtreihe „Baumeister und Brückenbauer des Landes" stehen jene Persönlichkeiten, die das Land OÖ maßgeblich gestaltet haben: Am Sonntag ab 21.03 Uhr in der Sendung „Schwerpunkt OÖ Zeitgeschichte“ der ÖVP-Politiker Heinrich Gleißner.

Er konnte sich über sich selbst lustig machen. Das war einer der sympathischsten Züge an Heinrich Gleißner. Sein heiteres Wesen, seine geistreichen Reden, seine Verbundenheit zu Land und Natur sowie sein unermüdlicher Einsatz machten ihn zum bekanntesten und populärsten Politiker des Landes Oberösterreich.

Landeshauptmann in zwei politischen Systemen

Gleißner war Landeshauptmann in zwei gänzlich verschiedenen politischen Systemen. 1934 zählt er zu den Siegern im österreichischen Bürgerkrieg auf Seiten der Christlichsozialen, vier Jahre später marschieren die deutschen Truppen in Österreich ein, Gleißner wird verhaftet und von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Dachau und Buchenwald eingeliefert. Jetzt teilt er das Schicksal der Verlierer und lernt die Auswüchse einer intoleranten Ideologie und totalitären Diktatur kennen.

Heinrich Gleißner Wahlplakat 1949

OÖ. Landesarchiv

Wahlplakat aus dem Jahr 1949

Nach Kriegsende und nach Wiederherstellung der Republik Österreich wird Gleißner abermals Landeshauptmann und schließt nahtlos an die frühere politische Karriere an. In der Rolle des „Landesvaters“ ist er für alle Seiten akzeptabel und glaubwürdig.

Sendungshinweis

„Schwerpunkt OÖ Zeitgeschichte“, 23.4.17

Die Porträtreihe „Baumeister und Brückenbauer des Landes“ widmet sich prominenten Persönlichkeiten aus Oberösterreich, die die Entstehung und Entwicklung unseres Bundeslandes maßgeblich gestaltet haben. Sie stehen im Mittelpunkt einer achtteiligen Hörfunk-Dokumentationsreihe - Einen Überblick finden sie in Neue Reihe: Baumeister und Brückenbauer (ooe.ORF.).

Material aus historischem Hörfunkarchiv

Bisher wurden Porträts und Lebensbilder vom Linzer Bürgermeister Edmund Aigner und Landeshauptmann-Stellvertreter Ludwig Bernaschek ausgestrahlt. Das gesendete Material stammt aus dem historischen Hörfunkarchiv des Landesstudios OÖ mit seinen analogen und digitalen Beständen. Beim Zuhören wird einem bewusst, wie in den 60er- und 70er-Jahren für heutige Ohren pathetisch und salbungsvoll berichtet worden ist. Das macht die Serie auch rundfunkhistorisch interessant. Sie beweist die Veränderungen in der Radioarbeit selbst und lässt einen Vergleich im Lebensgefühl und der medialen Wahrnehmung von Einst und Jetzt zu.

Heinrich Gleißner

ORF

Drittletztes von acht Kindern

Heinrich Philipp Gleißner kam als drittletztes Kind von acht Kindern am 26. Jänner 1893 um 10.45 Uhr vormittags in Linz zur Welt. Er war der einzige Bub neben sieben Mädchen im Hause Gleißner, einer aus dem Arbeiterstand stammenden Familie. Vater Heinrich, in Pressath in der Oberpfalz geboren, wurde Schlossergeselle bei der Münchener Lokomotivenfabrik Krauss & Company, von der er auch dann später in die Linzer Filiale geschickt wurde. Hier wurde er – trotz Fehlens höherer Schulen – durch Fleiß und Ausdauer, durch seine Rechtschaffenheit und Treue Abteilungsleiter. In Linz heiratete er die aus Kimpling in der heutigen Gemeinde Kallham im Hausruckviertel stammende Kleinbauernstochter Maria Ziegler. Der junge Heinrich Gleißner besuchte zwischen 1899 und 1904 die Kaiser-Franz-Joseph-Volksschule in der Schützenstraße in Linz und dann das Staatsgymnasium auf der Spittelwiese.

Heinrich Gleißner

ÖVP

Mann der ersten Stunde nach dem Zweiten Weltkrieg

Heinrich Gleißner war nach dem Zweiten Weltkrieg ein Mann der ersten Stunde beim Wiederaufbau Oberösterreichs. Er trug maßgeblich dazu bei, dass über die Gräben der 30er-Jahre hinweg sich die Politiker nicht nur in Oberösterreich sondern auch in ganz Österreich die Hände zur Zusammenarbeit reichten. Er stand an der Wiege jenes legendären politischen Klimas in Oberösterreich, dass über die Grenzen des Landes hinweg beispielhaft für die Republik wurde. Gleißner geht aber auch in die Geschichte ein als ein Vertreter und Vorkämpfer eines gesunden Föderalismus mit einer natürlichen Gliederung von unten nach oben - eben ein wahrer Baumeister und Brückenbauer.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at