Schatzkiste OÖ: Der Kult des „Wiesheilands“

Knapp hundert „Schmerzensmänner“ nach dem Vorbild der Wieskirche in Bayern zählt man in Oberösterreich. In der Passionszeit rückt die Figur des sogenannten „Wiesheilands“ wieder etwas mehr in den Mittelpunkt.

Großartige Künstler wie Maler, Komponisten und Bildhauer haben die Leidensgeschichte Christi dargestellt. Aber auch das einfache Volk hat vor allem in der Barockzeit aus tief religiöser Überzeugung Darstellungen der Passion geschaffen, wie etwa die Figur des Wiesheilands. Die Ursprünge für die in Oberösterreich hoch verehrte Figur liegen in Bayern.

Wiesheiland

ORF/Sandra Galatz

Der Geißelheiland wird in der Darstellung an einer Säule angekettet

Im oberbayrischen Kloster Steingaden erging 1730 der Auftrag, für eine Karfreitagsprozession eine Statue des gegeißelten Heilands anzufertigen. Der Legende nach vergoss diese Tränen. Seither wird vom Tränenwunder gesprochen.

Wunder ziehen Pilger an

Die Figur wurde in einer eigens dafür angefertigten Kapelle aufbewahrt, und wenig später errichtete man die heute weit über die Grenzen bekannte Wieskirche, die jährlich über eine Million Pilger anzieht. Weitere Wunder, die im Mirakelbuch festgeschrieben sind, sollen sich ereignet haben.

Kopien des „Wiesheilands“ in Oberösterreich

Schon bald begann man Kopien des gegeißelten Heilands anzufertigen. Viele hegten den Wunsch, mit diesen Kopien das Original zu berühren. Durch diese Anberührung, die mit einem Siegel an der Figur beglaubigt wurde, hoffte man, dass die Wundertätigkeit auch auf die Kopie übertragen werde.

Wiesheiland

ORF/Sandra Galatz

Viele Kopien der Figur aus der Wieskirche fanden Verbreitung

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 11. März 2017 um 17.10 Uhr

Auch in Oberösterreich breitete sich dieser Kult rasch aus und so sind heute in rund hundert Kirchen und Kapellen solche Schmerzensmänner zu finden - darunter etwa acht beglaubigt Anberührte wie etwa die Figuren von Peilstein, Lochen, Wartberg an der Krems oder Kopfing.

Wiesheiland in Traunkirchen

ORF

Der Wiesheiland in der Pfarrkirche Traunkirchen ist gut erhalten

Auch in der Pfarrkirche Traunkirchen ist am linken Seitenaltar ein Schmerzensmann zu finden. In der Fastenzeit rückt der Wiesheiland jedes Jahr verstärkt in den Mittelpunkt und wird von Gläubigen verehrt. Ein wahres Kleinod aus Oberösterreichs reich gefüllter Schatzkiste!

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

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