Schatzkiste OÖ: Schiedlberg und sein Fastentuch

Fastentücher verhüllen in der Fastenzeit in vielen Kirchen den Hochaltar. Eines der ältesten Fastentücher, das noch in Gebrauch ist, hängt in der Pfarrkirche Schiedlberg (Bezirk Steyr-Land). Es stammt aus der Barockzeit.

Seit über 1.000 Jahren ist es Tradition, die Kreuze und Altäre in unseren Kirchen in der Fastenzeit vor Ostern mit Fastentüchern zu verhüllen. Fastentücher gehen auf die mittelalterliche Volksfrömmigkeit zurück. In einer Art „biblium pauperum“, also einer Armenbibel, ist auf den Fastentüchern die Leidensgeschichte Jesu genauso dargestellt wie Szenen aus dem Alten und Neuen Testament.

Fastentuch Pfarrkirche Schiedlberg

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Das Fastentuch in der Pfarrkirche Schiedlberg stammt aus der Barockzeit

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 4. März 2017 um 17.10 Uhr

„Velum templi“ nennt man die Fastentücher auch - in Anlehnung an den Tempelvorhang, der in der Todesstunde Jesu reißt. Hungertücher, Passionsvela und Schmachtlappen sind weitere Bezeichnungen. Als Sünder sind wir nach mittelalterlicher Vorstellung unwürdig, während der Fastenzeit den Hochaltar zu schauen. Deswegen wurden die Altäre meist von Aschermittwoch bis Karsamstag verhängt.

Renaissance der Fastentücher

Bei uns in Oberösterreich ist diese Tradition in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten. Erst seit den 2000er-Jahren ist eine kleine Renaissance zu beobachten. In einigen Pfarren sind auch neue Fastentücher entstanden. Ansässige Künstler oder Jugendgruppen haben zeitgenössische Fastentücher gestaltet.

Fastentuch Pfarrkirche Schiedlberg

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Johann Georg Morzer hat das Fastentuch der Pfarrkirche Schiedlberg gemalt

Viele historische Fastentücher sind leider verschwunden oder schlummern noch auf Kirchendachböden. In der Pfarre Schiedlberg wurde das aus der Barockzeit stammende Fastentuch Anfang des vorigen Jahrhunderts aus dem liturgischen Gebrauch genommen. Mehr als 70 Jahre lagerte es unbeachtet auf dem Kirchendachboden. Vor einigen Jahren hat es Franz Greil, der Pfarradministrator in Schiedlberg, entdeckt. Seither verhüllt es in der Fastenzeit wieder das Altarbild.

Barockes Juwel in der Pfarrkirche Schiedlberg

Gestaltet hat dieses Fastentuch der in Oberösterreich tätige Barockmaler Johann Georg Morzer. Auch der Restaurator hat sich im Jahr 1881 auf dem Tuch verewigt.

Fastentuch Pfarrkirche Schiedlberg

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Das Fastentuch schlummerte unbeachtet am Kirchendachboden

Da das Fastenbild 35 Jahre vor dem Hochaltarbild entstanden ist, stimmen auch die Maße von 5,8 mal 3,3 Meter nicht exakt mit jenen des Hochaltarbildes überein.

Das Tuch ist untypisch für ein Fastentuch mit Ölfarben auf grundierter Leinwand gemalt und muss mit besonderer Vorsicht gelagert werden. Dafür wird es in einer speziellen Holzschatulle aufgerollt und behutsam aufbewahrt.

Fastentuch Pfarrkirche Schiedlberg

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Seit den 2000-er Jahren verhüllt das Fastentuch wieder den Hochaltar

Noch bis zur Auferstehungsfeier am Karsamstag wird das Fastentuch in der Pfarrkirche Schiedlberg am Hochaltar zu sehen sein.

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

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