Anstöße bei der Ökumenischen Sommerakademie

Anlässlich des bevorstehenden 500-jährigen Jubiläums der Reformation 2017 hat sich die 18. Ökumen. Sommerakademie in Kremsmünster unter dem Titel „Es muss sich etwas ändern. Anstöße der Reformation“. Eine Nachbetrachtung in zwei Folgen in „Lust aufs Leben“.

Sendungshinweis:
„Lust aufs Leben“, 24. und 31.7.16

Die heurige Sommerakademie hat sich eines Themas angenommen, das sich zeitlich mit dem Jahr 1517 auseinandersetzt. Genau genommen handelt es sich um den 31. Oktober 1517, an dem Martin Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg seine 95 Thesen nagelte, so sagt es die Legende, und zwar so laut, dass es durch ganz Europa hallte. Luther war Augustinermönch und Professor der Theologie an der hiesigen Universität und fasste in seinem Thesenpapier seine Auffassungen über die Rolle der Kirche zusammen. Vor allem wandte er sich gegen den kirchlichen Ablasshandel und die Machtfülle des Papstes.

18. Ökumenische Sommerakademie

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Von „Sünden Tilgung“ und „Freikaufen“

Es störten ihn speziell die sogenannten Ablassbriefe, die von der römisch-katholischen Kirche verkauft wurden. Durch den Kauf dieser Dokumente konnten die Sünden nach gängiger Vorstellung „getilgt“ und die Menschen davon „freigekauft“ werden. Luther sah dies als unzulässig an, weil nur Gott darüber befinden könne, wie er die Sünden der Menschen bestraft.

Außerdem kritisierte Luther, dass die im Ablasshandel eingenommenen Gelder dazu benutzt wurden, um prunkvolle Einrichtungen für die Kirche zu bauen. So wurde in Rom der prächtige Petersdom errichtet, auch Bischöfe und Ablassprediger bereicherten sich persönlich an den Einnahmen. Luther arbeitete neue Glaubensgrundsätze heraus, die zu einem Umdenken innerhalb des Christentums führten und sich eher als Rückbesinnung auf ursprüngliche christliche Werte verstanden. Der Begriff „Reformation“ spiegelt das wider, das Wort leitet sich vom Lateinischen „reformatio“ ab, welches nichts anderes bedeutet als „Rückformung“.

18. Ökumenische Sommerakademie

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Umbruch nach Wittenberger Thesenschlag

Unmittelbar nach dem Wittenberger Thesenanschlag begann sich das reformatorische Gedankengut in ganz Europa auszubreiten. Es waren vor allem Flugschriften, die für eine rasche und flächendeckende Verbreitung sorgten. Durch die technische Neuerung des Buchdrucks konnte die Leserschaft leichter erreicht werden. Bald wurden deren Inhalte auch in Österreich bekannt. Das Allerheiligenbenefizium in Altmünster aus dem Jahr 1518 ist der erste explizite Hinweis in Oberösterreich auf mögliche bevorstehende religiöse Umwälzungen. Das erste schriftliche Dokument bezüglich Auseinandersetzungen um einen der Reformation zugeneigten Prediger datiert aus dem Jahr 1520 und stammt aus Steyr.

18. Ökumenische Sommerakademie

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Gmunden lutherisches Zentrum

Luthers Ideen fanden in unserem Bundesland sehr rasch Anhänger, weil man hier schon lange nicht mehr mit den Zuständen im Klerus zufrieden war und andererseits durch den Eisen- und Salzhandel enge Kontakte nach Mitteldeutschland bestanden. Zahlreiche Adelige unterhielten persönliche Beziehungen zu Luther und ließen ihre Söhne in Wittenberg studieren. Gmunden galt als lutherisches Zentrum, aber auch in Steyr, Wels, Linz, Enns, Freistadt und Vöcklabruck setzte sich die neue Lehre rasch durch.

Man kann davon ausgehen, dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts mehr als zwei Drittel der Bevölkerung mit der Reformation sympathisierten. Für einige war das Bekenntnis zur Reformation weniger religiös motiviert als vielmehr Ausdruck des Protestes gegen die bestehenden sozialen Verhältnisse. Der großen Resonanz stand die ablehnende Haltung der katholischen Habsburger gegenüber, die von Anfang an die Ausbreitung der Reformation bekämpften.

OÖ im 16. Jhdt überwiegend evangelisch

1523 lässt Ferdinand I. Druck und Verbreitung reformatorischer Schriften verbieten. Der Papst in Rom, Leo X., exkommuniziert Martin Luther, der trotzdem viele Verbündete unter den Mächtigen hatte. Friedrich der Weise, der Kurfürst von Sachsen, half Luther unterzutauchen, indem er ihn auf die Wartburg bei Eisenach versteckt hielt. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts war Oberösterreich überwiegend evangelisch. Viele Klöster wurden verlassen und geschlossen, die noch anwesenden Ordensleute lebten häufig in Ehe, die Äbte waren „beweibt“ und verweltlicht. Am ehesten entsprachen noch St. Florian und Kremsmünster den Vorstellungen der herrschenden Kirche. Als Kaiser Maximilian II. 1576 starb, war das Land praktisch völlig protestantisch, ungefähr so, wie das Bundesland heute römisch-katholisch ist.

18. Ökumenische Sommerakademie

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Zuerst die historische Perspektive

Der erste Block der Referate widmet sich der historischen Perspektive der Reformation und ihren Folgen. Den Anfang macht Athina Lexutt, Professorin für Kirchen- und Theologiegeschichte von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie stellt in ihrem Vortrag die Frage, ob die Reformation Segen oder Fluch ist. Danach referiert Klaus Unterburger, Professor für Historische Theologie von der Universität Regensburg.

Er sieht in der Reformation der Kirche ursprünglich keinen konfessionellen Begriff, sondern eine Forderung, mit der sich im Spätmittelalter eine Vielzahl von Wünschen, Idealen und Utopien verbanden. Schon vor dem Thesenanschlag Luthers gab es in der katholischen Kirche zahlreiche Reformversuche.

Dann die Herausforderung an das 21. Jhdt

Die Reformation als eine Herausforderung an das 21. Jahrhundert heißt der Block am zweiten Tag des Symposiums und führt in die Gegenwart. Papst Franziskus wurde gewählt und ist angetreten, um die Kirche zu reformieren. Maßstab für die Reform der römisch-katholischen Kirche ist das Evangelium, die Heilige Schrift als Basis des Glaubens und der kirchlichen Praxis. Der Vöcklabrucker Franz Gruber, Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Katholischen Privat-Universität Linz, geht auf eine Spurensuche über den Reformpapst.

Papst Franziskus hat bislang die mediale und atmosphärische Wahrnehmung der katholischen Kirche verändert, aber noch keine grundlegenden Strukturreformen durchgeführt.

18. Ökumenische Sommerakademie

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Mathilde Schwabender: Sizilianische Variante

Manfred Prisching, Professor für Soziologie an der Karl Franzens Universität in Graz, leitet vom Terminus „Reformation“ auf die Idee der „Reform“ über. So nüchtern sein Vortragstitel „Theorie der Reform“ klingen mag, so spannend ist sein Vortrag im Kaisersaal des Stiftes. Prisching hat insgesamt 13 Thesen in seinem Referat aufgestellt. Sie befassen sich mit der Beschaffenheit der Welt und ihres Wandels, in die hinein seiner Meinung nach Reformen gemacht werden müssen. Er geht dabei auf topaktuelle Themen wie Brexit, Klimawandel, Flüchtlingskrise ein.

Mit einem Beispiel aus der Praxis lässt Mathilde Schwabeneder aufhorchen. Sie ist Korrespondentin und Leiterin der ORF-Außenstelle in Rom und lebt seit 2007 in der italienischen Hauptstadt. Sie berichtet über ein zwar zähes aber stetig wachsendes Pflänzchen einer sizilianischen Reformvariante, die durchaus als gelungen bezeichnet werden kann.

18. Ökumenische Sommerakademie

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Stift Kremsmünster

„Zueinander finden“

Am dritten und letzten Tag der Ökumenischen Sommerakademie kommen zwei hochrangige Vertreter zu Wort. Was ist eigentlich offen in der Ökumene, wo sind die Punkte, wo man zueinander gefunden hat und man sich noch finden wird müssen, was ist ein Ziel im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2017. Über „Die Reformation in der ökumenischen Sicht der katholischen Kirche“ hält Kardinal Kurt Koch, seines Zeichens Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, einen bemerkenswerten Vortrag.

Ihm folgt der Generalsekretär der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen Europas, Bischof Michael Bünker nach, der die Reformation und die Einheit der Kirche aus der Sicht der evangelischen Kirche beleuchtet.

Nachbetrachtungen zur 18. Ökumenischen Sommerakademie 2016 mit Ausschnitten aus verschiedenen Vorträgen:

- 24.7.16: Es muss sich etwas ändern, Teil 1:

  • 31.7.16: Es muss sich etwas ändern, Teil 2

Michael Huemer / ooe.ORF.at