Romane zum Staunen in „Premiere“

Drei Romane, die man durchaus in die Kategorie „aufsehenerregend“ reihen kann – darunter zwei Debut-Romane – stehen am Samstag in der Sendung „Premiere“ ab 19.03 Uhr auf dem Programm.

Es darf einerseits zart mitgefühlt werden, andererseits ist für hochgradigen Nervenkitzel und eine gute Portion Staunen gesorgt.

Pennwieser, Knapp und Haider

Wie vielfältig sich Oberösterreichs Literaturszene präsentiert, demonstrieren die aktuellen Bücher von Wolfgang Pennwieser, Hermann Knapp und Lydia Haider. Wer mit diesen Namen noch nicht so vertraut ist, braucht sich nicht zu wundern, denn zwei der Werke sind Erstlingsromane. Alle, die auf der Suche nach abwechslungsreichem und ungewöhnlichem Lesestoff sind, können sich in „Premiere“ am kommenden Samstag, 2. April, ab 19.03h in ORF Radio Oberösterreich ein ausführliches Bild über die Neuerscheinungen machen.

Sensibles Zwiegespräch eines Vaters mit dem Kind

Der Schwangerschaftstest einer jungen Frau verläuft positiv … Und dann? Was bleibt dem werdenden Vater angesichts Tausender auf ihn einstürmender Fragen zu tun? Er nimmt ein ausführliches Zwiegespräch mit dem Ungeborenen auf. So zumindest verfährt der Ich-Erzähler in Wolfgang Pennwiesers Erstlingsroman „Ich und Vater“ (Czernin Verlag). Das Buch könnte zum Geheimtipp für werdende Väter werden, denn es spiegelt Situationen mit Wiedererkennungs-Faktor. Das bevorstehende freudige Ereignis stürzt den Mann in gnadenlos wechselnde Gefühle von euphorischer Vorfreude bis zur bangen Unsicherheit.

Sendungshinweis

„Premiere“, 2.4.16

Diese Ambivalenz verschweigt er dem kleinen Wesen nicht. Er weiht es in alle Dinge ein, hebt die Besonderheiten von Mama Betty hervor und breitet ehrlich die eigenen Unzulänglichkeiten aus. Es entsteht ein ebenso zärtliches wie witziges und auch realitätsbezogenes Zweigespräch mit dem Kind, das dem Leben des Paares bald eine gänzlich neue Ordnung geben wird.

Wolfgang Pennwieser, 1975 in Oberösterreich geboren, Studium der Medizin in Wien und Innsbruck. Wolfgang Pennwieser lebt in Wien und ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Seit 2002 ist er auch Kolumnist beim „ballesterer - Magazin zur offensiven Erweiterung des Fußballhorizonts“, dem einzigen Fußball-Fachmagazin Österreichs.

Ersehnte Unsterblichkeit der Götter?

„Der Tote, der nicht sterben konnte“, so heißt der Roman des in Oberösterreich lebenden Journalisten und Schriftstellers Hermann Knapp. In seinem Buch (Verlag Wortreich) bekommt es die Menschheit plötzlich mit lebendig-toten Existenzen zu tun. Die Welt hält den Atem an, als der „Ambrosia-Virus“ um sich greift. Der Virus ist ausgerechnet nach jener Speise benannt, die den griechischen Göttern der Sage nach ihre Unsterblichkeit verlieh. Wer aber infiziert ist, lebt nicht mehr als Mensch – und ist dennoch nicht tot.

Und so ergeht es der Hauptfigur des Buches zunächst: Martin Heinz will nichts anderes sein als einfach nur – tot. Bei einem Autounfall wurde sein Körper von einer Leitschiene durchbohrt, die Ärzte im Krankenhaus können nichts mehr für ihn tun als auf seinen Tod zu warten. Genau der aber tritt erstaunlicherweise nicht und nicht ein. Martin Heinz wird nach Hause geschickt und muss dort als lebendiger Untoter sein Leben fortsetzen. Die Medien werden schnell hellhörig. Bald stellt sich heraus, dass Heinz nur der erste von weiteren vielen Millionen Infizierten weltweit ist … Die hohe Politik und der Tod höchst selbst werden gezwungen, sich mit dem Phänomen Ambrosia zu befassen. Diese Form von Unsterblichkeit hat sich niemand gewünscht.

Nicht als durchsichtige Grusel-und-Grauen-Story, sondern als Geschichte, die sich in ungeahnte Welten hochschraubt, legt Hermann Knapp seinen Roman an. Der Autor beweist Phantasie, und davon hat er nicht zu wenig. Und er findet die richtige Prise feinen Humors in einer Handlung, die die Spannung bis zum Ende des ungewöhnlichen Buches immer weiter führt.

Gewaltige Bilder, erzählerische Wucht

Lydia Haider entsendet ihre Leser im Roman „kongregation“ in ein Dorf, wie man es seinen schlimmsten Feinden nicht an den Hals wünscht. Es herrscht eine böse Atmosphäre aus Muffigkeit und Langeweile, aus Hinterhalt und Gewalttätigkeit. Eine Gruppe junger Menschen versucht einen Aufbruch, versammelt sich zu Treffen, will die alten Strukturen aufbrechen. Schon bald wird einer der ihren tot aufgefunden, und dieser junge Mann ist nur der erste in einer langen Reihe von Opfern. Es bricht eine wahre Apokalypse an, es scheint, als müsste das Dorf in einer Art Endzeit-Gericht von allen schweren Lasten gereinigt werden.

„Trash trifft auf Bibel, Jugendslang auf hohen Ton, Pathos auf Ironie“ – so heißt es im Klappentext des Buches. Zweifelsohne findet die Autorin in ihrem Roman eine Sprache, die mit Wucht daherkommt. Die Bilder, die sie damit entstehend lässt, sind ebenso gewaltig wie aufwühlend und beunruhigend.

Lydia Haider, 1985 in Steyr geboren, lebt in Wien. Sie hat Germanistik und Philosophie studiert, sie ist Mutter zweier Kinder. Die Schriftstellerin hat in Publikationen wie „entwürfe“ und „Die Rampe“ veröffentlicht.

Samstag, 2. April, ab 19.03 Uhr in „Premiere“

Aus allen genannten Büchern lesen am Samstag die Schauspielerin Chris Pichler und der Schauspieler Matthias Hack ausführliche Leseproben.