Stiftung machte Schule in Sri Lanka möglich

Kathrin Messner und Josef Ortner gründeten 1995 die Stiftung „one world foundation“. Nach dem Tsunami 2004 bauten sie eine Schule, die heute Öffentlichkeitsrecht hat. Die Geschichte dazu in „Lust aufs Leben“ am Ostersonntag ab 21.03 Uhr.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 23.3.16

Kathrin Messner, geboren in Salzburg, lebte nach der Handelsakademie-Matura in Frankreich, studierte in Wien Sprachen und gründete am Hafnersteig, im ersten Bezirk, die erste Kunstbuchhandlung Wiens; man bekam hier die einschlägige Literatur und alle Kunstkataloge des 20. und 21. Jahrhunderts. In ihrer Buchhandlung lernte sie 1978 den Mann kennen, mit dem sie ihr Leben verbringen wollte: Josef Ortner.

Sri Lanka, Schulprojekt von Kathrin Messner und Josef Ortner

one world foundation

Kathrin Messner und Schuldirektor Prabath de Zoysa

Geboren in Tirol, studierte Ortner Grafik und Malerei bei Oswald Oberhuber an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, daneben intensive Zusammenarbeit mit Hermann Nitsch und ausgeprägtes Interesse an Architektur. Seinem Selbstverständnis nach Konzeptkünstler und Künstlerunternehmer, eröffnete Josef Ortner mit Kathrin Messner Mitte der 1980er Jahre im ersten Bezirk von Wien den inzwischen legendären Künstlertreff Die Bar, berühmt für die von Ortner und Messner geschaffene Innenarchitektur. 1988 folgte das Mavo, eine Keller-Club-Bar mit dem ersten japanischen Restaurant Wiens im Erdgeschoß.

Bar als Gesamtkunstwerk

Beide Lokale atmeten den Geist gastronomischer Gesamtkunstwerke, in denen die Kombination von Architektur mit bildender Kunst verwirklicht wurde. Die Ausstattung der Lokale - Sitze, Deckenbilder, Getränkekarte - waren künstlerische Arbeiten, geprägt von der Handschrift Ortners. Die Lokale wurden verpachtet. 1990 stellten Kathrin Messner und Josef Ortner eine immaterielle Skulptur in die Welt: Museum in progress - M.i.p. - ist ein innovatives Museumsmodell, das Medienräume als Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst benützt und so Gegenwartskunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.

Künstlerische Beiträge werden in Tageszeitungen, Magazinen, auf Plakat- und Großbildflächen, ins Internet oder Fernsehen geschleust, vorbei an den bisherigen Vermittlungskanälen von Kunst direkt in den Alltag.

Sri Lanka, Schulprojekt von Kathrin Messner und Josef Ortner, das mit einem Gästehaus begann

one world foundation

Das Gästehaus markierte quasi den Beginn der one world foundation

Kooperation mit Staatsoper und Bundestheater

Ein Beispiel dafür ist die Ausstellungsreihe „Eiserner Vorhang“, ein Projekt des museum in progress in Kooperation mit der Wiener Staatsoper und der Bundestheater-Holding bei dem seit 1998 in der Wiener Staatsoper die Brandschutzwand zwischen Bühne und Zuschauerraum bemalt, bearbeitet, gestaltet wird, wodurch ein temporär begrenzter Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst entsteht.

Für den siebzehnten „Eisernen Vorhang“ des Jahres 2014/15 wählte die Jury die Amerikanerin Joan Jonas aus. Durch museum in progress entstand seit 1990 ein internationales Kooperations-Netzwerk aus Künstlern, Künstlerinnen, Kuratoren, Kuratorinnen, Kunstinstitutionen sowie Partnern aus Wirtschaft und Medien, die Weiterentwicklung des Konzepts könnte ein „Museum des 21. Jahrhunderts“ sein. Doch schon in den 1980er Jahren gab es die Idee, in einer fremden Kulturlandschaft zu siedeln. Messner und Ortner waren viel auf Reisen. Die one world foundation ist das Ziel ihrer gemeinsamen Lebensreisen.

Sri Lanka, Schulprojekt von Kathrin Messner und Josef Ortner

one world foundation

Die Schule von Bogenvillya

Wissen als Gewinn

Messner und Ortner bauten 1984 in Wathuregama, einem Dorf an der Südwestküste Sri Lankas, das Gästehaus Bogenvillya und gründeten 1995 die one world foundation, die zum Großteil mit Einnahmen des Gästehauses und der hier angebotenen Ayurveda-Kuren finanziert wird – das Ziel ist die Realisierung von Bildungsprojekten in Sri Lanka. Die one world foundation ist ein Austausch-Projekt, bei dem Kapital und Wissen aus dem reichen Europa in eine benachteiligte Gesellschaft am anderen Ende der Welt investiert werden.

Der Gewinn für die Investoren ist ein im Westen längst vergessenes Wissen - und einer Selbstverwirklichung, die nichts mit der Egomanie unserer Ich-AGs zu tun hat. In der ersten Schule des Jahres 1995 saßen 100 Schüler und Schülerinnen. Zwanzig Jahre gehen hier über 1100 Kinder zur Schule, wo sie von 37 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet werden.

Sri Lanka, Schulprojekt von Kathrin Messner und Josef Ortner

one world foundation

Schüler der Unterstufe

Tsunami vernichtete Ideen und Projekte

Im Dezember 2004 sah es aus, als wären one world foundation und Bogenvyllia Geschichte; all die vielen Ideen und Projekte schienen für immer verschwunden, vernichtet vom Tsunami. Die Welle zerstörte das Hauptgebäude, die Vorschule, die Computerklassen und die Lehrerwohnungen völlig. Die vielen Bücher der Bibliothek lagen im Dreck, die Betten, die Möbel, alles war zerfetzt, von der Ayurveda-Anlage war nur eine Badewanne geblieben, die Bungalows für die Gäste waren versunken, nur ein Haus stand auf dem weitläufigen Areal rund um die Bogenvyllia - dort war die Welle von einem davorstehenden Haus aufgehalten worden.

"... und plötzlich waren alle mittendrin"

Niemand hatte gewusst, was ein Tsunami ist und plötzlich waren alle mittendrin. Die Zerstörung entlang der Küste war unvorstellbar. In Hikkaduwa, einem Nachbarort von Wathuregama-Ahungalla, flüchteten die Menschen in einen Zug, glaubten sich gerettet, doch die Welle nahm den ganzen Zug mit. Zurück blieb ein Bild der Verwüstung. Alles war braun und schwarz vom Schlamm. Der Gestank nach Leichen und toten Hunden war unerträglich. In Sri Lanka starben an diesem Tag mehr als 38 000 Menschen, über 500 000 waren obdachlos. Kathrin Messner und Josef Ortner waren Augenzeugen der Katastrophe. Sie liefen ins Landesinnere und wurden in einem Haus aufgenommen, das auf einem Hügel lag, in sicherer Entfernung von den zahlreichen Lagunen des Hinterlands. Sie schliefen dort mit 30 Leuten eine Nacht am Boden.

Sri Lanka, Schulprojekt von Kathrin Messner und Josef Ortner

one world foundation

Bogenvillya

1983 noch Ochsenkarren

Sri Lanka hat sich in den letzten dreißig Jahren dramatisch verändert. 1983 war der Norden des Landes wegen des Bürgerkriegs nicht nur für Touristen verschlossen. Als Kathrin Messner und Josef Ortner in diesem Jahr das erste Mal aus dem hochentwickelten Österreich hierher kamen und im Süden Sri Lankas unterwegs waren, erlebten sie eine Zeitreise. Auf den an vielen Orten nicht asphaltierten Straßen drängten sich Ochsenkarren, Kühe und Elefanten, der Verkehr war langsam, die Autos waren alt und fuhren mit Dieselmotoren. Die Bevölkerung des Landes war eine Masse in Armut, die von wenigen unvorstellbar Reichen beherrscht wurde.

Im Sommer 2015 sind viele Straßen asphaltiert, die Hauptstadt Colombo ist Ziel und Beginn einer Autobahn, die in naher Zukunft die Insel umrunden wird. Alte Autos sind verschwunden, Neuwagen sind unterwegs, Auto-Leasing- Firmen sind die am meisten florierenden Geschäfte des Landes. Die Leute verschulden sich für den Bau ihrer Häuser, Autos und Satelliten-Fernsehen, der Lebensstandard wird von Quartal zu Quartal besser, es entwickelt sich eine Mittelschicht deren gesteigerter Konsum die Wirtschaft des Sri Lankas ankurbelt.

Sri Lanka, Schulprojekt von Kathrin Messner und Josef Ortner

one world foundation

Junge Frauen beim Batikkurs

Jeden Tag ein Lied

Das Land ist auf dem Weg. Die Menschen verehren ihren Präsidenten für die Beendigung des 26 Jahre dauernden Bürgerkriegs, sie lieben ihre Insel, singen jeden Tag ihre Hymne und sind durchdrungen von ihrem Land Sri Lanka. Der von Jahr zu Jahr besser entwickelte Tourismus, neben der Produktion und dem Export von Tee die Haupteinnahmen, schafft Arbeitsplätze und sorgt für einen bescheidenen Wohlstand immer größerer Bevölkerungsgruppen der sozialistischen Republik Sri Lanka.

Die Inspektoren des Bildungsministeriums waren begeistert von der Qualität der One world foundation-Schulen und der beim Wiederaufbau nach dem Tsunami bewiesenen Ausdauer und Konsequenz – die Verleihung des Öffentlichkeitsrechts und der Besuch des Ministers dokumentieren diese Wertschätzung, die vielen NGOs – die Abkürzung steht für nichtstaatliche Organisationen – versagt blieb. Besonders nach dem Tsunami hatten die internationalen Hilfs-NGOs kein gutes Standing im Land. Viele kamen aus aller Welt und wollten helfen.

Fehler durch Helfer-Syndrom

Sie taten viel Gutes, viele litten aber vor allem an ihrem Helfer-Syndrom und machten sehr viele Fehler – traten viel zu forsch auf, wollten die Dinge aus ihrer europäischen, amerikanischen, westlichen Sicht ad hoc ändern und verstanden das gesellschaftlich kulturelle System nicht. Sie waren nur kurz hier, viele Dinge wurden angerissen und sich selbst überlassen; die Helfer fühlten sich besser und verschwanden wieder in der Sicherheit ihren reichen Heimat, die Menschen in Sri Lanka standen da und wussten nicht wie weiter.

Sri Lanka, Schulprojekt von Kathrin Messner und Josef Ortner

one world foundation

Fröhliche Vorschüler

Mut zur Selbsthilfe stieg

Die Fülle von Hilfsaktionen war überwältigend, doch es gab auch Helfer, die vor allem Neid in die Welt setzten. Leute, die sich mit ihrem Geld als Herren aufführten, in großen Autos herumfuhren und als allmächtige Chefs anschafften, was und wie ihre Anordnungen zu erledigen waren. Doch die politisch Verantwortlichen des Landes wollten sich nicht herumkommandieren lassen von irgendwelchen Leuten, die aus dem Ausland kamen.

Sie hatten diesen furchtbar langen Bürgerkrieg überstanden, man war es gewohnt die Probleme auf eigene Art und Weise zu lösen - und verwies einige NGOs des Landes, man warf Helfer, die die Menschen hier vor allem als Opfer sahen hinaus. Der One world foundation–Schule wurde das Öffentlichkeitsrecht verliehen.

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Michael Huemer

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