Das Elvis-Musikwochenende von Radio OÖ

Elvis Presly war der erste globale Superstar. Er brachte nicht nur die Teenager in den Südstaaten der USA außer Rand und Band, sondern wurde das Idol von Jugendlichen auf der ganzen Welt. Grund genug für Radio Oberösterreich ihm am 22. und 23. November ein ganzes Wochenende zu widmen.

Sendungshinweis

„Guten Morgen Oberösterreich“, 17.11.2014

Mehr als eine Milliarde verkaufte Tonträger, hunderte Millionen Zuseher bei nur einer einzigen Show im Fernsehen, 1.155 Wochen - davon 144 Wochen ununterbrochen - in den britischen Charts mit 111 Singles, 132 Gold-, 70 Platin- und 33 Multiplatin Auszeichnungen alleine in den Vereinigten Staaten und mehr als 600 registrierte Fanclubs weltweit – und das mehr als 30 Jahre nach seinem Tod.

Alleine diese Zahlen rund um Elvis Presley sind schon unglaublich. Elvis war aber weit mehr als ein wirtschaftlicher Faktor für die Musikindustrie und Beschäftigung für Charts-Statistiker. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die Musik, die wir heute als Rock’n’Roll kennen, ihren Siegeszug um die Welt antreten konnte.

Das Elvis Presley Musikwocheneende von Radio Oberösterreich

ORF

Welche Wellen der Aufregung und Begeisterung der am 8. Januar in Tupelo, Mississippi geborene Elvis Aron Presley ab Mitte der 1950er Jahre auslöste ist heute kaum mehr nachzuvollziehen. Davor stand aber noch der Umzug seiner Eltern nach Memphis, Tennessee 1948, wo der spätere „King“ in einem Anwesen namens „Graceland“ seine Heimat hatte.

Die frühe Elvis-Hysterie ging so weit, dass der Gründer und damalige Direktor des FBI, J. Edgar Hoover, von kirchlichen Kreisen darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Elvis eine Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten sei - vor allem, weil seine Bewegungen auf der Bühne sexuelle Leidenschaften bei Teenagern weckten. Die Teenager sahen die Sache natürlich anders und spätestens nach den ersten Fernsehauftritten im Jahr 1956 war der Aufstieg von „Elvis the Pelvis“ – eine Bezeichnung, der Evis selbst nichts abgewinnen konnte – nicht mehr aufzuhalten.

Hitfeuerwerk in den ersten Jahren

Die Liste seiner Hits ist beinahe endlos: „Heartbreak Hotel“, „Don’t Be Cruel“, „Hound Dog“, „Love Me Tender", All Shook Up“, „(Let Me Be Your) Teddy Bear“ und „Jailhouse Rock“ – alle beinahe überall auf der Welt auf dem Spitzenplatz der Hitparaden. Dabei sind diese Titel nur die Hits aus den Jahren 1956 und 1957. Elvis‘ Karriere sollte aber noch zwei weitere Jahrzehnte andauern.

Junge Braut und Amphetamine

Die Karriere startete durch, aber 1958 musste Elvis seinen Militärdienst leisten. Zum Entsetzen seiner Fans - immerhin musste die berühmte Elvis-Tolle dem militärischen Bürstenhaarschnitt zum Opfer fallen. Den größten Teil seiner Zeit bei der Armee verbrachte er in Deutschland, wo er auch Bekanntschaften und Erfahrungen machte, die sein weiteres Leben zutiefst beeinflussen sollten. Er lernte seine spätere Ehefrau Priscilla Beaulieu im zarten Alter von 14 Jahren kennen und bei Manövern machte er Bekanntschaft mit Amphetaminen – Aufputschmitteln, die den Star nie wieder los ließen und gemeinsam mit einer sich immer weiter steigernden Menge von Medikamenten wohl auch zu seinem frühen Ableben beitragen sollten.

„Lost Years“ in Hollywood

Nach dem Militärdienst kehrte Elvis zurück in die USA. Seine Karriere war aber immer weniger von der Musik, sondern immer mehr von Auftritten und Hauptrollen in Hollywood bestimmt. In 31 Filmen spielte er die Hauptrolle und sang das eine oder andere Lied. Manche Fans zeigten sich von dieser Neuausrichtung nach Hollywood enttäuscht und bezeichnen die Jahre zwischen 1960 und 1967 sogar als „Lost Years“ also „die verlorenen Jahre“.

Am 1. Mai 1967 heiratete Elvis das Mädchen, das er in Deutschland kennengelernt hatte. Priscilla Beaulieu wurde in einer kurzen Zeremonie in Las Vegas zu Priscilla Presley. Nach dieser Umwälzung in seinem Privatleben begann er auch über Veränderungen in seinem Berufsleben nachzudenken. Immerhin begann sein Stern langsam zu sinken, vor allem bei den Musikliebhabern hatte er während der Hollywoodjahre seine Glaubwürdigkeit verloren. Auch die Plattenverkäufe gingen zurück. Während die ersten Alben mit Musik aus den Spielfilmen noch auf den Spitzenplätzen der Charts landeten – und auch einige Superhits wie „Can’t Help Falling in Love“ und „Return to Sender“ darunter waren, ging es langsam aber stetig bergab. So schaffte es das Album zum Film „Speedway“ nur mehr bis auf Platz 82.

Beatles, Kinks und Rolling Stones

Während sich Elvis in seinen Hollywoodfilmen um blonde Maiden gekümmert hatte, veränderte sich rund um ihn die Musikszene völlig. Die Beatles waren der maßgebliche Faktor und in ihrem Windschatten vor allem Bands aus England wie die Rolling Stones und die Kinks. Wobei die Beatles Elvis durchaus Tribut zollten – „Vor Elvis war gar nichts“ sagte etwa John Lennon.

Das Comeback Special

1968 änderte sich vieles in Elvis Leben. Er wurde Vater, am 1. Februar kam seine Tochter Lisa Marie zur Welt, und er besann sich wieder auf seine musikalischen Wurzeln zurück. Im Juni trat er zum ersten Mal seit 1961 wieder live auf. In schwarzes Leder gekleidet sang und spielte er vor einem kleinen Publikum in einem Fernsehstudio in Kalifornien – Elvis ließ allerdings keine Filmschnulzen hören, sondern die Musik, die ihn Mitte der 50er Jahre zum Star gemacht hatte.

Am 3. Dezember 1968 war das Konzert unter dem Titel „The 68 Comeback Special“ im Fernsehen zu sehen und schlagartig war Elvis auch bei den Musikliebhabern rehabilitiert. Wenn er sich auch offenbar den einen oder anderen Seitenhieb auf die Umwälzungen in der Musiszene nicht verkneifen konnte. “I really like a lot of the new groups—The Beatles, the Beards, and whatever”, sagte er während der Comeback Show. Zumindest aber war Elvis wieder „hip“. 1969 schaffte er es mit „Suspicious Minds“ auch zum ersten Mal seit 1962 wieder mit einer Single auf denn ersten Platz der US-Charts zu kommen.

Las Vegas

Die erfolgreiche TV-Show weckte in Elvis offenbar auch wieder die Lust auf Livemusik und der King kehrte auf die Konzertbühnen zurück. Neben Tourneen in den Vereinigten Staaten war Elvis vor allem in Las Vegas zu sehen. Meistens absolvierte er dort seine Auftritte in den Sälen der großen Hotels und Casinos – nicht einzelne Auftritte sondern Konzertreihen über mehrere Wochen oder Monate hinweg. Musikalisch machte Elvis aber immer weniger Schlagzeilen, dafür mehr mit seinem Privatleben.

Konzert aus dem Jahr 1972 in „Premiere Live“

Im Rahmen des Elvis-Musikwochenendes wird es am Samstag ab 19.03 Uhr den Mitschnitt eines Elvis-Konzerts im Madison Square Garden aus dem Jahr 1972 zu hören geben.

Scheidung und Medikamente

1972 brach die Ehe von Elvis und Priscilla zusammen, 1973 folgte die Scheidung. Das Paar lebte sich auseinander, Affären begleiteten den Niedergang. Freunde sprechen im Zusammenhang mit der Scheidung von einem Schlag, von dem sich Elvis nie wieder erholte. Ende 1973 musste er in einem Krankenhaus wegen seiner Medikamentenabhängigkeit behandelt werden. Diese Rückschläge hielten ihn aber nicht davon ab, mehr Konzerte denn je zu geben. Seine gesundheitlichen Probleme waren aber kaum mehr in den Griff zu bekommen.

„Aloha from Hawaii“ brach alle Rekorde

Noch einmal sprengte Elvis mit einer weltweiten TV Show alle Rekorde und schrieb Fernsehgeschichte. Am 14 Jänner 1973 wurde erstmals seit der ersten Mondlandung über Satellit, die berühmte „Aloha from Hawaii“ Benefit-Show übertragen. Mit über einer Milliarde Zuseher war es das bis dahin am meisten gesehene Event.

Am 26. Juni 1977 trat Elvis zum letzten Mal live in Indianapolis auf, am 16. August brach er in seinem Badezimmer zusammen. Im Krankenhaus kämpften die Ärzte vergeblich um sein Leben. Am 18. August wurde Elvis auf dem Forest Hill Cemetery beigesetzt. Nachdem es einen Versuch gab, den Leichnam zu stehlen, fand Elvis Leichnam auf seinem Anwesen Graceland am Stadtrand von Memphis seinen letzten Ruheplatz.

„A little less Conversation“

1982 wurde der Öffentlichkeit der Zugang zu Graceland ermöglicht. Mehr als eine halbe Million Besucher werden dort jährlich gezählt. Posthum veröffentlichte Alben und Singles erreichten immer wieder Spitzenplätze in den Charts. Die letzte Nummer Eins des King war ein Remix von „Al little less Conversation“ im Jahr 2002, 25 Jahre nach seinen Tod und 34 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Titels.

Erscheinungen, Sichtungen und Impersonatoren

Wie so oft bei erfolgreichen Menschen, hat sich auch rund um den King des Rock’n’Roll eine ganze Industrie entwickelt. Die Zahl Elvis-Imitatoren (oder Impersonators) geht in die Tausende. Manche sehen Elvis so täuschend ähnlich, dass man seinen Augen kaum zu glauben traut, manche klingen auch exakt so wie ihr Vorbild. Es wird sogar ein internationales Register geführt, darin finden sich weibliche Elvisse, Kinder-Elvisse, schwarze Elvisse und Vertreter aus beinahe jedem Land der Welt. Als im August 1996 eine selbsternannte lesbische Elvis-Impersonatorin auftauchte, war es offenbar den Elvis Presley Enterprises (ein Firmengeflecht, das sich um den Nachlass kümmert) zu viel – die Erlaubnis wurde verweigert.

Dieses Problem hat J.J.King, ein Elvis-Impersonator aus Timelkam, nicht. Immerhin konnte er schon einen 4. Platz bei einem weltweiten Elvis-Contest feiern und, musikalisch durchaus beeindruckend, konnte er im Sommer mit Musikern aus Nashville und Memphis im legendären SUN Studio- exakt 60 Jahre nachdem Elvis dort „That`s all right“ aufgenommen hatte - diesen Song einspielen. Mehr dazu unter J.J.King im den SUN Studio

Viele konnten auch einfach nicht glauben, dass Elvis von immer von ihnen gegangen ist. Ausgehend von der Theorie, das Presley seinen Tod nur vorgetäuscht hatte, kam es immer wieder zu Elvis-Sichtungen. Vor allem in den späten 1980er Jahren „geisterte“ der King durch viele eher abgelegene Provinznester in den USA. Zu Beginn der 1990er Jahre folgte sogar eine zweiteilige TV-Dokumentation, in der man versuchte, den Erscheinungen auf den Grund zu gehen. Beweise, dass der King tatsächlich noch persönlich unter uns weilt, konnten aber nie vorgewiesen werden.

Thomas Riha (with a little help from our In-House-Elvis Wolfgang Marecek), ooe.ORF.at

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