„Die Solinger“ in Lust aufs Leben

Die Innviertler Musikerdynastie „Die Solinger“ feiert am Sonntag, 15.9., in der Sendung „Lust aufs Leben“ ab 21.03 Uhr ihren 150. Geburtstag. Sie gelten schlechthin als die Vertreter des Innviertler Landlers.

In der Sendung werden Sie für 55 Minuten in die Welt des Innviertler Landlers verführt. Anlass dazu ist das 150-jährige Bestandsjubiläum einer Musikerdynastie aus der Marktgemeinde Aspach, die schlechthin als die Vertreter des Innviertler Landlers, als das Aushängeschild des Innviertels gelten: „Die Solinger“ oder wie sie sich seit 1951 nennen „Erste Innviertler Trachtenkapelle Solinger“.

Hören Sie schon jetzt in die Sendung rein:

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Historisches Originalmaterial

Dieses 150-Jahr-Jubiläum wurde Ende August in Aspach mit einem Musikfest gebührend und festlich begangen. Eine ganze Menge historisches Originalmaterial sowohl aus dem Fernseh- als auch dem Hörfunkarchiv wird zu hören sein. Musikalischer Beginn ist der älteste Musiktitel der Solinger, der im Archiv zu finden war. Aufgenommen wurde er um 1924, er trägt bezeichnenderweise den Titel „Echter Innviertler Landler“ und die Besetzung besteht aus zwei Geigen, einer Tuba und dreistimmigem Gesang.

Landler als immaterielles Kulturerbe

Anfang dieses Jahres kam es ziemlich unbemerkt von der Öffentlichkeit zur Aufnahme des Innviertler Landlers in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich durch die UNESCO. Unter immateriellem Kulturerbe versteht man Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen oder auch Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Konkret versteht man darunter beispielsweise mündlich überlieferte Ausdrucksformen wie Gedichte, das Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur wie die Herstellung von Heilrezepturen, Rituale und Feste sowie traditionelle Handwerkstechniken.

Die Solinger

ORF

Traditionen sollen weiter gepflegt werden

Ein paare Beispiele dafür aus Oberösterreich, die bereits in dieser Liste vertreten sind: der Ebenseer Fetzenzug und der Ebenseer Glöcklerlauf, die Hinterglasmalerei in Sandl, der Lichtbratlmontag in Bad Ischl, das Märchenerzählen, der Rudentanz in Sierning, die umstrittene Tradition des Vogelfangs im Salzkammergut, der Windischgarstner Niglo-Umzug und die Wirlinger Böllerschützen. Was soll damit eigentlich erreicht werden? Es soll damit der Respekt und das Bewusstsein gefördert werden, auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene diese Traditionen weiterzupflegen.

Durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit und mittels Fortbildungsangeboten für interessierte Gruppen könnte erreicht werden, dass solche Kulturgüter nicht in Vergessenheit geraten. Das drohte auch dem Innviertler Landler, der vermutlich der wichtigste traditionelle Tanz des Innviertels ist und damit zum ureigensten kulturellen Erbe der Region zählt.

Arbeitsgruppe namens „Leader“

Im Herbst 2011 haben die Regionen „Innviertel“ und „Pramtal“ eine Arbeitsgruppe namens „Leader“ ins Leben gerufen, die es sich zum Ziel gemacht haben, den Innviertler Landler wieder verstärkt vor den Vorhang zu holen. Zusammen mit Volkstanzgruppen sowie Heimat- und Trachtenvereinen wird die Einreichung in die Liste des immateriellen Kulturerbes vorbereitet. Als Teil dieser Einreichung mußten zwei Gutachten von Fachexperten abgegeben werden, eines davon hat der anerkannte Volksmusiker Volker Derschmidt aus Gunskirchen erstellt. Am 13. März dieses Jahres wurden die Bemühungen belohnt, es erfolgte die offizielle Aufnahme des Innviertler Landlers in das UNESCO-Verzeichnis. Der Landler als Möglichkeit der Zeitkritik in seinen Texten, eine oberösterreichische Tanzform mit einer Tradition von mehr als 250 Jahren.

Landler untrennbar mit den Zechen verbunden

Die Geschichte des Landlers ist untrennbar mit den Innviertler Zechen verbunden. Diese Zechen waren ursprünglich rein bäuerliche Burschenkameradschaften. Sie pflegten die Geselligkeit und prägten damit eine Wirtshauskultur. Sie waren fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in einer intakten Dorfgemeinschaft. Ihr künstlerischer Beitrag ist der Zechentanz, eben der Innviertler Landler. Jede Zeche formte ihren Landler, den sie einstudierte und dann bei Hochzeiten und anderen Tanzgelegenheiten aufführte. Der Landler ist hier ein strenger Gruppentanz mit komplizierten Schrittfolgen, wobei jede Zeche einen möglichst schwierigen Landler einlernte.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 15.9.13

So grenzt sich der Innviertler Landler von denen der anderen vier Landlerlandschaften Mühlviertel, Hausruckviertel, Traunviertel und das Salzkammergut ab. Rud oder Pass heißen die Musikgruppen dort und nicht Zechen wie im Innviertel. Der Name „Zechen“ kommt vom gemeinsamen Bezahlen. Jede Zeche hatte einen eigenen Zettel, auf dem die Abfolge der Figuren vermerkt war. Standard ist eigentlich eine Triobesetzung mit zwei Geigen und einem Bassettl, also einem kleinen Bass.

Hohes Singen war geschätzt

Musikalisch besteht der Landler aus achttaktigen Perioden, die aneinandergereiht und in einer Tonart gespielt wurden, die die Zechburschen vor dem Tanz bekanntgaben. Die Tonart hing vor allem davon ab, wie hoch die Burschen singen konnten, wobei das hohe Singen geschätzt war. Der Landler bestand aus zwei Teilen, in der Mitte gab es das „Halb ab“ durch den Partieführer. Sofort klapperte ein Musikant mit dem Hut in der Hand die Tänzerschar ab, und wer kein Geld einwarf, musste sofort die Tanzfläche verlassen.

Erst wenn jeder, der weitertanzen wollte, seinen Obolus entrichtet hatte – Damen waren selbstverständlich von jeder Zahlungspflicht entbunden – setzte die Kapelle ihr Spiel exakt an jener Stelle fort, wo es vorher geendet hatte. Der zweite Teil des Landlers war im Grunde eine Wiederholung des ersten. Die Melodie, der spezielle, angehängte Jodler, auch „Almer“ genannt, und vor allem der „verzogene“ Rhythmus im ¾ Takt machen den Innviertler Landler zu einer spezifischen Spielform innerhalb der österreichischen Ländlerfamilie.

Und noch eine Besonderheit gibt es beim Innviertler Landler: Uu den sonst beim Landlerspiel üblichen zwei Geigen und Bass kommen noch zwei bis vier Bläser. Und was bisher reine Männersache war, nämlich nur eine Gemeinschaft der ledigen männlichen Dorfjugend, hat sich auch geändert. Da das Ausscheiden eines Mitgliedes der Zeche durch Heirat oft das Fortbestehen der ganzen Gruppe gefährden konnte, sind heutzutage auch verheiratete Paare erlaubt und Frauen gleichberechtigte Mitglieder.

Landler unvorstellbar ohne die „Solinger“

Die Geschichte des Innviertler Landlers ist unvorstellbar ohne den Namen der Musikerdynastie „Solinger“. Sie sind in Aspach zuhause, der Ort liegt zwischen Ried und Altheim ein wenig abseits der Hauptverkehrsstraße. 150 Jahre ist es her, als Anton Pointecker die Kapelle gegründet hat. Pointecker wurde im Jahre 1838 in Wildenau Nr.2 im früheren Haus der Regina Solinger geboren.

Der Hausname „Solinger“ ist sozusagen auf die Pointecker übergegangen und ist bis heute mit der Musik unzertrennlich verbunden. Anton Pointecker, gerne auch als Solinger-Toni bezeichnet, erlernte das Geigenspielen bei einem Lehrer namens Stiepan, das Landlergeigen brachte ihm Michael Riedl bei, der von Beruf Schneider war. Anton Pointecker musizierte mit Georg Stiebler, ehemaliger Militärmusiker und Josef Putscher, der Mesner in Aspach war, diese drei waren sozusagen die Urband.

Märsche, Walzer und andere Tänze

Um 1870 gehörten den Solingern folgende Musiker an: der Mesner Josef Putscher, der Tischler Reiter aus Wildenau, der Schneider Moser, der Lehrer Anton Kohlbauer, der Maurer Josef Heimerl. Dazu gesellten sich noch der Tischlergeselle Doringer und der Schuhmacher Ridena. Diese neun Mann spielten in Aspach bei verschiedenen Anlässen: als Kirchenmusiker am Fronleichnamstag, bei Kirtagen und besonders am 15. August, zum Kirchenfest in Aspach. Das Konzert auf dem Kirchenplatz wurde von den Zuhörern begeistert mitverfolgt. Am Abend dann teilte sich die Musik. Eine Gruppe spielte beim Hofwirt, die andere in der Metternhammer Taverne. Jung und alt erfreuten sich an den Märschen, Walzern und anderen Tänzen.

Anton Pointecker war Kapellmeister von 1863 bis 1893. Dann übergibt er die Kapelle an seinen Sohn Anton, damit gehören ihr sechs „Pointecker“ an: Anton sen. mit fünf Söhnen. Die Musiziergemeinschaft erwarb sich überregional einen guten Ruf, und ab 1910 beginnt ein rasanter Aufstieg. Am 5. Februar wurden sie im Fasching vom „Verein der Oberösterreicher in Wien“ in die Kaiserstadt eingeladen; ein weiterer Höhepunkt war 1928, als Aspach zum Markt erhoben worden ist.

Sehr gute musikalische Ausbildung

Die Solinger hatten überhaupt eine sehr gute musikalische Ausbildung, weil sie großteils bei der kaiserlich-königlichen Regimentsmusik ihren Militärdienst absolvierten. 1918 übernimmt Engelbert Pointecker, der 5. Sohn des Gründers, von seinem älteren Bruder die Leitung der Kapelle. Zwei Jahre später hieß sie dann offiziell Solinger Bauernkapelle, weil sie nicht mehr in Zivil, sondern in Alt-Innviertler Bauerntracht auftrat. Die gesamte Gruppe bestand nunmehr aus „Solingern“, nämlich drei Söhnen und sechs Enkeln des Gründers und konnte trotz der kleinen Besetzung bei Preisspielen manch größere Kapelle hinter sich lassen. Am 21. April 1934 wurde diese Bauernkapelle erstmals vor ein erlesenes, musikkritisches Publikum geladen.

Beim Konzert des Sängerbundes Harmonie im Redoutensaal zu Linz sollte sie als Einlage zwischen dem ersten und zweiten Teil des Programmes ein Konzertstück und Innviertler Weisen spielen. Im Programmheft steht: „Solinger Musik aus Wildenau. Folgende Stücke werden zur Aufführung gebracht: Karnevalsnacht in Venedig, Innviertler Frühling und Innviertler Walzertrio“.
Dieses Auftreten in Linz führte in der Folge zu Rundfunkverpflichtungen. Am 18. November 1935 wirkten sie wieder im Linzer Redoutensaal bei der Radiosendung "Aus der Schatzkammer oberösterreichischer Volksmusik“ mit. Zwei Jahre später vereinigen sich die Solinger mit den bekannten Geschwistern Buchberger aus Innsbruck und treten gemeinsam auf.

Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen

1936 übernimmt Franz Pointecker die Traditionsmusik und konnte gleich an die Erfolge seiner Vorgänger anknüpfen. Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen machten die Kapelle weithin bekannt. Gerade während des 2. Weltkrieges wurden viele Schallplatteneinspielungen gemacht. Aus dem Jahre 1943 gibt es einen Bericht, dass diese Schallplatten in der Zeit von 7 bis 8 Uhr öfter eingesetzt wurden und sogar über Kurzwelle für die Soldaten in aller Welt hörbar wurden.

Auch nach dem 2. Weltkrieg waren die Solinger gut im Geschäft. Sie sind mehrmals im Jahr bei Rundfunkübertragungen zu hören und noch immer sind die Pointecker tragende Säulen dieser einmaligen Musik.
1951 kommt es zu einer Umbenennung der Kapelle, weil sich die Solinger eine Volkstracht zulegten und ab nun heißen sie jetzt „Erste Innviertler Trachtenkapelle Solinger“, wie sie sich heute nennen.

Stolz zur Schau getragene Tracht

Die stolz zur Schau getragene Tracht diente auch dazu, während der zahlreichen Engagements außerhalb der heimatlichen Umgebung einen exotischen Eindruck zu hinterlassen. Ein Jahr danach begleiten sie die von Oberösterreich für den Stephansdom gespendete Pummerin, die im 2. Weltkrieg beschädigt wurde, von Sankt Florian nach Wien. Am 29. und 30. Juni 1963 feiern die Solinger ihr 100-jähriges Bestehen, bei der rauschenden Jubiläumsfeier nehmen 29 Musikkapellen, 24 Trachtenvereine und etwa 8000 Besucher teil.

Michael Huemer