Projekt zur Phosphor-Rückgewinnung

Klärschlamm als Felddünger lässt sich zunehmend schwieriger an Bauern verkaufen, so Abwasserverbände. Er enthält aber den für Pflanzen essenziellen Phosphor. Jetzt wurde im Innviertel ein Projekt zur Rückgewinnung des Rohstoffs entwickelt.

Das Problem vieler Kläranlagen, auch jener in Braunau, ist: Bei der Abwasserreinigung fällt Klärschlamm an, der sich immer schlechter an Landwirte verkaufen lässt. Denn er enthält erstens 70 Prozent Wasser, was den Transport verteuert, und er ist - trotz Reinigung - noch immer schadstoffbelastet, etwa mit Schwermetallen, Viren und Wurmeiern. In Braunau sucht man nun einen Ausweg in einer modernen Solartrocknungsanlage.

Klärschlamm, Trocknungsanlage zur Phosphorgewinnung

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Solartrocknungsanlage

Die Sinnhaftigkeit für das Innviertel war Inhalt einer Machbarkeitsstudie, so Günter Weibold vom Reinhalteverband Braunau und Umgebung: „Man sieht es auch schon in der intensiven Milchviehhaltung, dass er (Klärschlamm, Anm.) dort nicht mehr ausgebracht werden kann – wie in Salzburg zum Beispiel.“ Bei dem Projekt ging es um den Phosphor, damit er wieder für die Landwirtschaft verfügbar sei – und die Bauern diesen wertvollen Rohstoff nicht teuer zukaufen müssen.

Leichterer Klärschlamm - weniger Transportkosten

Ziel ist es, das Wasser aus dem Klärschlamm zu bekommen: Statt 70 Prozent sind es dann nur noch 15 Prozent, damit ist der Schlamm leichter zu transportieren. Geht es nur um den Rohstoff Phosphor, lässt sich das Gewicht in Form von Asche sogar auf ein Hundertstel reduzieren, und dann ist der Dünger auch schadstofffrei.

Phosphorhältiger Klärschlamm

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Phosphorhältiger Klärschlamm, getrocknet

Der Autor der Studie Günter Knoll verwies darauf, dass man bei zugekauftem Phosphor nicht ausschließen könne, dass er womöglich aus verunreinigten Lagerstätten oder unsicheren Ländern stamme. Phosphor im Klärschlamm gebe es ausreichend, „sodass es ein Muss ist, diese Ressource zu sichern“.

Klärschlamm trocknen

ORF-Redakteur Wolfgang Marecek hat sich für die Sendung „Oberösterreich heute“ das Projekt der Klärschlammtrocknung, angesehen.

Modellhaft für Österreich

Als Leaderprojekt unter Einbindung der Nachbargemeinden und als Kooperation mit einem Betreiber scheint auch schon ein Finanzierungsmodell gefunden zu sein, dass der Bevölkerung auf lange Sicht überschaubare Kanalgebühren garantiert. Die geplante Klärschlammtrocknung im Innviertel steht damit modellhaft für Österreich. Doch auch im benachbarten Bayern wird massiv in die neue Technologie investiert.