Orkanböe zerstörte Festzelt - Zwei Tote

Eine Orkanböe hat Freitagnacht ein Festzelt in St. Johann am Walde (Bezirk Braunau) zerstört - ein 28-jähriger Mann und eine 19-jährige Frau starben, 140 Personen wurden verletzt, so die Polizei. Jetzt gelte es, die Ursache für das Unglück herauszufinden.

Der Unglücksort wurde auf Anweisung der Staatsanwaltschaft gesperrt, „damit nichts mehr verändert werden kann“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Alois Ebner Samstagmittag. In den nächsten Tagen werde juristisch einiges zu klären sein, etwa die Einhaltung von lokalen und Sicherheitsauflagen.

„Viele Fragen werden sich da aufdrängen, die in Richtung Verantwortlichkeit einzelner Personen gehen.“ Auch ob Wetterwarnungen zu wenig oder falsch eingeschätzt wurden. Im Gespräch mit Radio OÖ schloss Ebner auch Konsequenzen für künftige Veranstaltungen nicht aus.

Staatsanwalt Alois Ebner im Gespräch mit ORF-Redakteur Gernot Ecker

Böe mit 126 km/h

Es sehe aus wie auf einem Schlachtfeld, sagten Augenzeugen. 126 Kilometer pro Stunde (ZAMG-Messstelle in Reichersberg) hatte die Windböe, die gegen 22.30 Uhr das Zelt erfasste, in dem ein Feuerwehrfest in vollem Gange war. 700 Besucher waren in dem Zelt, als die Aluminiumverstrebungen plötzlich knickten und das Zelt in sich zusammenstürzte.

Begonnen hatte alles wie geplant mit Musik und Bieranstich, so Bürgermeister Gerhard Berger (SPÖ), der unter den ersten Festbesuchern war:

Sofort war der Strom weg und alles dunkel - Panik brach aus. Die alarmierten Rettungskräfte kamen nur schwer zum Unglücksort, denn der Weg dorthin führt durch eine Waldschneise, und diese war durch umgestürzte Bäume blockiert.

Hotline für Angehörige

Fünf Mitarbeiter wurden in der Zentrale des Roten Kreuzes in Linz vorerst abgestellt, um sich an der Telefonhotline 0732/7644644 um Angehörige zu kümmern. „Bis 9.00 Uhr hatten sich 20 Anrufer gemeldet“, so Christine Widmann vom Landesrettungskommando. Bis Mittag wolle man die Hotline aufrechterhalten. Danach werden die Anrufe zur Leitzentrale umgeleitet, hieß es.

28-jähriger Mann und 19-jährige Frau getötet

Für einen 28-jährigen Mann aus St. Johann und eine 19-jährige gebürtige Rumänin, die als Krankenschwester arbeitete und in Höhnhart lebte, kam jede Hilfe zu spät. Die Menschen wurden durch herabstürzende Zeltträger, umgefallene Tische und Bänke verletzt. Einige erlitten schwere Verbrennungen durch umkippende Fritteusen.

So sah es um 3.00 Uhr aus:

Zwei Besucher schweben in Lebensgefahr

Insgesamt wurden bis Samstagmittag 120 Menschen mit leichten und mittleren Verletzungen registriert, 20 weitere erlitten schwere Verletzungen - und zwei der Festbesucher schweben laut Polizei immer noch in Lebensgefahr.

Fünf Krankenhäuser nahmen Verletzte auf

Die Verletzten wurden in die umliegenden Krankenhäuser nach Ried im Innkreis, Vöcklabruck, Passau, Salzburg und Braunau am Inn gebracht. Die Rettungskette habe trotz der Umstände, dass umgefallene Bäume aus dem Weg geräumt werden mussten, bestens funktioniert, so der Leiter der Unfallchirurgie Jürgen Barth. Nicht einmal eine Stunde dauerte es, bis etwa im Krankenhaus in Braunau am Inn die Ärzteteams die ersten Verletzten behandeln konnten.

„Es war die Alarmierung, dass eine große Anzahl an Verletzten kommen wird, deshalb ist unser Katastrophenplan aktiviert worden.“ Es wurden zehn zusätzliche Ärzte und 15 Pflegepersonen alleine für den Unfallbereich ins Spital geholt. Auch der OP-Bereich, die Radiologie und die Patientenstationen wurden aufgestockt. 40 verletzte Festbesucher wurden letztlich in Braunau medizinisch betreut. „Vier Patienten sind noch stationär, zwei auf der Intensivstation und zwei auf der Normalstation“, so Barth im Gespräch mit ORF-Redakteur Christian Schwarz, alle anderen konnten bereits wieder nach Hause.

Starke Sturmschäden

Stark sind die Schäden durch den Sturm nicht nur im Innviertel sondern auch im Norden des Bundeslandes, im Mühlviertel. Umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer und großflächige Stromausfälle waren die Folge - mehr dazu in Sturm: 150.000 Haushalte ohne Strom (ooe.ORF.at).

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