Zeittauschbörse für Asylwerber ausgezeichnet

Mit der „SozialMarie“, einem Preis für soziale Ideen, ist der Verein „Conclusio“ aus dem Bezirk Kirchdorf an der Krems für seine Zeit-Tauschbörse für Asylwerber ausgezeichnet worden. Für ein „sozial nachhaltiges, sinnvolles Integrationsprojekt“ in der Region.

Die Zeittauschbörse gibt es im Bezirk Kirchdorf an der Krems schon länger, neu ist: jetzt können auch Asylwerber und Asylberechtigte mitarbeiten. Das Projekt richtet sich vor allem an jene, die auf ihren Bescheid warten - und kaum Möglichkeiten haben, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Das Warten und Nichts tun dürfen sei schlimm, sagte Mahmoud, ein 22-jähriger Student aus Syrien. „Gemeinsam mit den Menschen hier arbeiten, das will ich und das brauche ich“.

Sozialprojekt Zeittauschbörse in Kirchdorf an der Krems

ORF

Auch das Zusammensetzen und Plaudern gehört für Zweimüller (li) dazu

Hemmschwelle überwinden

Für die Pensionistin Renate Zweimüller ist es ein Projekt mit Gewinn auf beiden Seiten: Fremde Kulturen kennenzulernen ohne verreisen zu müssen etwa und die Arbeit im Garten werde erledigt. Es gelte für alle zu lernen, die Hemmschwelle zu überwinden und aufeinander zuzugehen.

Gewinn für beide Seiten

Es sei vielleicht für viele so überraschend schnell gekommen, so Renate Zweimüller zu den Ängsten.

Zeitgutscheine als Zahlungsmittel für Behördengänge

Dort wird nicht für Geld gearbeitet, sondern für Zeit. Mit Zeitgutscheinen kann man dann bei anderen Mitgliedern der Zeit-Tauschbörse wiederum Hilfe „Bezahlen“ - Flüchtlinge nutzen so zum Beispiel Deutschnachhilfe oder Hilfe bei Behördengängen. Das Konzept sei geprägt von Freiwilligkeit und Ehrenamt, sagte Johannes Brandl, der Obmann - und von dem Stellenwert von Arbeit in unserer Gesellschaft.

Arbeiten lassen

Der Anspruch in der Gesellschaft zu leben, sei bei uns stark von Arbeit abhängig, so Johannes Brandl

Hilfe bei Waldarbeiten

Auch dem Österreichischen Alpenverein aus dem Bezirk haben Flüchtlinge schon beim Sanieren der Wege geholfen. Unter fachkundiger Anleitung seien Bäume aus dem Weg geräumt oder Waldhänge ausgeputzt worden. Anfangs habe es schon Bedenken gegeben, so Gebietswart Franz Miglbauer, vor allem wegen der Sprache, doch es habe keine Probleme gegeben.

„Conclusio“ ist ein Verein, mit gut 170 Mitgliedern. Alle die mitmachen, sind Unfall, Rechtsschutz und haftpflichtversichert - und weil nicht mit Geld bezahlt wird, sondern eben mit Zeit, stellt sich die Frage von Steuern erst gar nicht - das gilt für Österreicher, die dabei sind, ebenso wie für Nicht-Österreicher.

SozialMarie: 15 Projekte jedes Jahr ausgezeichnet

SozialMarie ist würdigt soziale Innovationen in Europa und wird seit 2005 jedes Jahr an 15 Projekte vergeben. Der Preis ist mit insgesamt 54.000 Euro dotiert. Die Verleihung erfolgte am 1. Mai im ORF Radiokulturhaus in Wien.

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