Scharfe Kritik an Welser Wertekodex

„Entbehrlich, bedenklich, rückwärtsgerichtet“ - Auf breite Ablehnung sind am Freitag die Pläne des Welser Bürgermeisters Andreas Rabl (FPÖ) gestoßen, der in städtischen Kindergärten einen verpflichtenden Wertekodex einführen will.

In seinem fünfseitigen Entwurf ist viel von deutscher Sprache die Rede sowie von Regeln, Pflichten und Vorgaben.

„Fünf deutschsprachige Lieder und Gedichte“

„Die Kinder sind fähig, mindestens fünf deutschsprachige Lieder und mindestens fünf deutschsprachige Gedichte zu singen bzw. vorzutragen“, heißt es in dem Entwurf. Eine „konkrete Festlegung der Lieder und Gedichte“ soll noch erfolgen. Der Wertekodex für Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt Wels ist im Auftrag des neuen freiheitlichen Bürgermeisters Andreas Rabl erstellt worden. Er soll für das Personal in diesen Einrichtungen bindend sein.

Auf der fünften und letzten Seite sind 13 konkrete „Lernziele“ aufgelistet. Da heißt es etwa, „die Kinder nehmen die Kindergartenpädagoginnen als Autoritätspersonen wahr und befolgen deren Regeln, Pflichten und Vorgaben“. Oder: „Die Kinder haben Leistungsbewusstsein und Selbstdisziplin entwickelt“.

Rabl: „Diskussion darüber ‚verfrüht‘“

Im Vordergrund stehe jedoch der Spracherwerb, sagt der Bürgermeister, der die Diskussion über das Papier für „verfrüht“ hält. Der Entwurf sollte zuerst mit Experten diskutiert werden, so Rabl. Im Vordergrund stehe jedoch der Spracherwerb, da 52 Prozent der Erstklassler in den Volksschulen wegen mangelhafter Deutschkenntnisse dem Unterreicht nicht folgen könnten, so Rabl.

„Rückwärtsgerichtetes Papier“

Die Pädagoginnen brauchen keine ideologisch getriebenen Vorgaben von FPÖ-Politikern, meint der Bildungsreferent der Welser SPÖ, Stadtrat Johann Reindl-Schwaighofer. Die Familiensprecherin im SPÖ-Landtagsklub, Petra Müllner, bezeichnete das Welser Papier als ein „rückwärtsgerichtetes Papier, das moderne pädagogische Erkenntnisse ignoriert“.

„Äußerst entbehrlich“

Die Vorschläge seien äußerst entbehrlich, so der Kultursprecher der oberösterreichischen Grünen, Severin Mayr. Er forderte, die Kindergärten-Konzeption sollte den Pädagogen überlassen bleiben. Man sollte die entsprechenden Experten in Ruhe arbeiten lassen.

„Vereinnahmung christlicher Werte unerwünscht“

Und die Generaloberin der Franziskanerinnen, die in Wels einen Kindergarten betreiben, distanziert sich von dem Entwurf, der Teile ihres Wertekonzepts enthält - es sei keine Vereinnahmung christlicher Werte erwünscht.

Stellungnahme bis Donnerstag möglich

Bis nächsten Donnerstag bestehe für die Pädagogen die Gelegenheit, eine Stellungnahme einzubringen, heißt es aus dem Welser Magistrat. Der Wertekodex soll ab dem Kindergartenjahr 2016/2017 in Kraft treten.

Link: