Kein Denkmalschutz für Linzer Eisenbahnbrücke

In der Debatte um die Zukunft der Eisenbahnbrücke ist eine wesentliche Entscheidung gefallen. Das Bundesdenkmalamt entlässt den 112 Jahre alten Bau aus dem Denkmalschutz und ermöglicht dadurch einen Neubau.

Die Österreichischen Bundesbahnen als Besitzer der für den Linzer Verkehr wichtigen Donaubrücke hatten vor einem Jahr den Antrag gestellt, den stark verrosteten Eisenbau abreißen zu dürfen. Die ÖBB argumentierten, dass eine weitere Nutzung aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich sei. Mehrere mit der Stadt Linz ausgearbeitete Varianten, die einen Erhalt der Brücke vorsahen, ergaben zudem, dass das zu unvertretbar hohen Mehrkosten führen würde.

Erhaltung nicht realisierbar

Zur Beurteilung des komplexen Falles gaben die Denkmalschützer mehrere Gutachten in Auftrag und kamen nun nach Prüfung aller Unterlagen zu einem doch überraschenden Ergebnis. Demnach sei die Erhaltung der Linzer Eisenbahnbrücke nicht realisierbar.

Begründet wird das damit, dass die Renovierung außergewöhnlich teuer wäre. Gleichzeitig sei aber nicht nachzuweisen, dass eine sogenannte „risikofreie Bestandssicherheit“ überhaupt erreicht werden könne. Dazu kommt, dass bei einer Generalsanierung so weitreichende Eingriffe in das Bauwerk nötig wären, dass das mit den Kriterien des Denkmalschutzes nicht vereinbar sei.

Zu diesem Vorentscheid des Bundesdenkmalamtes können ÖBB, Land und Stadt nun innerhalb von zwei Wochen eine Stellungnahme abgeben, dann folgt der rechtskräftige Bescheid.

Luger: Weg für neue Donaubrücke frei

SPÖ-Vizebürgermeister Klaus Luger zeigte sich am Donnerstag erleichtert. Wenn der Bescheid des Denkmalschutzes vorliege, sei der Weg für eine neue Donaubrücke und eine zukunftstaugliche Verkehrslösung für Linz frei.

ÖVP: „riecht nach parteipolitischer Weichenstellung“

ÖVP-Klubobmann Bernhard Baier reagierte in einer Aussendung auf die angekündigte Entscheidung der Denkmalschützer: „Dies riecht ganz stark nach einer parteipolitischen Weichenstellung und nach einer dazu passenden Behandlung des ÖBB-Eigentums“.

„Andere Liegenschaftseigentümer in Linz können geradezu ein Lied davon singen, wie penibel das Bundesdenkmalamt in anderen Fällen auf die Einhaltung der Experten-Ratschläge pocht und damit auf den Erhalt historischer Baulichkeiten in Linz.“ Baier verwies zudem auf eine Umfrage von Mai 2012, in der sich 51 Prozent der Bevölkerung der Stadt für einen Erhalt und eine neue Parallelbrücke zur Verkehrsentlastung ausgesprochen haben.

Unterstützung bekommt die ÖVP von Verein „Rettet die Eisenbahnbrücke“. Der Verein akzeptiert den Bescheid, fordert aber trotzdem den Erhalt der Brücke. Sonst lautet das Motto in der Stadtpolitik: Jetzt ist der Weg frei für den Abriss und einen Neubau.

FPÖ: Architektenwettbewerb für Neubau

Man müsse die Entscheidung des Bundesdenkmalamtes zur Kenntnis nehmen, schreibt der Linzer FPÖ-Obmann Detlef Wimmer in einer Aussendung, „Da die bestehende Eisenbahnbrücke nicht gerettet werden kann, soll aber zumindest der Neubau ein ‚Brückenschlag‘ zwischen Tradition und Moderne sein." Wimmer verwies auch darauf, dass die FPÖ bereits im Vorjahr einen Beschluss durchgesetzt habe, dass die Eisenbahnbrücke „durch einen Architektenwettbewerb für einen der traditionellen Brücke nachempfundenen Neubau" ersetzt werden soll.

Die Grünen: Wettbewerb ausschreiben

Grünen Klubobfrau Gerda Lenger spricht sich dafür aus rasch eine Entscheidung für die zweite Straßenbahnachse zu treffen und einen Architektenwettbewerb für eine neue Brücke auszuschreiben. Diesen Weg will auch Verkehrsstadtrat Luger gehen. Sobald der endgültige Bescheid des Denkmalamtes auf dem Tisch liegt.

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