Debatte um Windräder in Schenkenfelden
Mit einer Gesamthöhe von 186 Metern sind in Schenkenfelden sechs Windkraft-Riesen geplant. Drei Megawatt solle jedes dieser Räder liefern - vorausgesetzt der Masterplan Windkraft gibt grünes Licht. Genau auf den wartet man seit langem und wohl noch ein wenig länger, denn die Landespolitik, die zuerst für Jahresbeginn diesen Plan versprochen hatte, spricht jetzt von Ende Februar.

Hans Enzenhofer
Eine Fotomontage zeigt die Größe der geplanten Windräder
Auch der Bürgermeister von Schenkenfelden, Karl Winkler (ÖVP), wartet auf den Masterplan: „Sollte Schenkenfelden mit einer Fläche drin sein, wird es Informationsveranstaltungen geben, in denen sich verschiedenste Leute darüber äußern können. Im Anschluss ist laut Gemeinderatsbeschluss in einer demokratischen Abstimmung zu eruieren, ob die Gemeindebevölkerung von Schenkenfelden dafür steht oder dagegen steht.“
Einige Windkraftgegner haben sich in einer Plattform namens „Energiezukunft Sterngartl“ zusammengeschlossen. Sie kritisieren vor allem den Schattenwurf, den Schall, die Grundentwertung und den mangelnden Schutz der Quellen, die beim Ausbaggern und Sprengen für die Fundamente der Windräder beeinträchtigt werden könnten, sagt Plattformsprecher Josef Enzenhofer.
Warten auf den Masterplan
Ein Investor aus Deutschland will die sechs Windräder bauen. Er schöpfe die Förderungen und Gewinne aus dem Strom ab, die beeinträchtige Natur bleibe den Menschen in der Region, so die Vorwürfe. Allerdings nur, wenn der Masterplan die Gegend auch als tauglich ausweist. Der Masterplan soll neben vielen anderen Parametern definieren, in welchen Gebieten Oberösterreichs Windkraft überhaupt rentabel ist und auch, wo sie möglich ist.
Erste Informationen aus Politkreisen zeigen, dass bei der Erstellung des Plans sehr genau und fundiert gearbeitet wurde. Verschiedene Raster wurden über die Karte von Oberösterreich gelegt. Wo sind Flächen, auf denen schützenswerte Fauna und Flora zuhause ist? Wo kann noch der vorgeschriebene Mindestabstand von 800 Metern zum nächsten Haus eingehalten werden? Lege man alle diese Karten übereinander, dann bleiben in Oberösterreich nicht viele Gebiete übrig, die für die Windenergie in Frage kommen, sagen Insider aus der Landespolitik.

ORF
Der Schattenwurf von Windrädern wird in den Masterplan Wind aufgenommen
Der Masterplan ist als Leitfaden für Behörden, Gemeinden und Betreiber gedacht, nicht als Verordnung. Bürgermeister Winkler aus Schenkenfelden zeigt sich betont neutral, aber einen Nutzen sieht er schon. Seit Jahren gelte das mittlere Mühlviertel als völlig unterversorgt mit Strom. Seit Jahren ist daher eine 110 KV Leitung von Freistadt quer durchs Mühlviertel nach Rohrbach geplant. Winkler hegt eine leise Hoffnung, wenn man die geplanten sechs Windräder tatsächlich ans Netzt anschließen sollte. Aus Naturschutzgründen könnte man die Leitung auch unterirdisch verlegen, so der Bürgermeister.
Nur nicht vor der eigenen Haustür
Was die Windkraftgegner betrifft, bleibt die Frage, ob eine Region, die im Kampf gegen Atomkraft in den letzten Jahren viel Energie und Aktionismus gezeigt hat, auch gegen echte Alternativen wie die Windkraft sein kann - gegen alles vor der eigenen Haustür sozusagen. Nein, sagt selbst Plattformsprecher Josef Enzenhofer. Aber es gebe ja verträgliche Alternativen, etwa den Ausbau der Wasserkraft, Modernisierung bestehender Anlagen und schließlich das Stromsparen. Heute, so sagt er, denke er etwa über ein Kraftwerk in der Hainburger Au ganz anders. Heute sei er absolut für den Bau, sagt der Biolandwirt.
Publiziert am 28.01.2012

