Ländliche Blasmusik in „Lust aufs Leben“

Ländliche Blasmusik auf historischen Instrumenten - Vom Wirken, Wesen und Klang der bäuerlichen Dorfkapellen: Das ist am Sonntag ab 21.03 Uhr in der Sendung „Lust aufs Leben“ zu hören.

Es hat einmal eine Blasmusik gegeben, die sich völlig von den heute gewohnten Blasmusikklängen unterscheidet: eine traditionell geblasene Musik aus dem ländlichen 19. Jahrhundert auf damals üblichen Originalinstrumenten.

Erste „Ventile“ revolutionierten Instrumentenbau

Der Weg von den zu dieser Zeit verwendeten Naturblasinstrumenten, auf denen nur eine beschränkte Anzahl von Naturtönen zu spielen ist, bis zu den chromatischen, den in allen Tonarten verwendbaren Ventilinstrumenten, ist ein langer gewesen. In dem Bemühen, die vorgegebene Naturtonreihe auf Blechblasinstrumenten zu erweitern, hat man in den einzelnen Stilepochen zu unterschiedlichen Methoden gegriffen. Zur Zeit der Renaissance und des Barock versuchte man mit variablen, beweglichen Rohren, sogenannten „Zügen“, die Naturtöne zu erniedrigen oder zu erhöhen.

Im 18. Jahrhundert versah man, nach der Art der Holzblasinstrumente, auch die Blechblasinstrumente mit Klappen, um damit den gewünschten Effekt zu erreichen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts revolutionierte eine epochale Erfindung den gesamten Blechblasinstrumentenbau und eröffnete dadurch der Musikentwicklung völlig neue Perspektiven: die Erfindung der Ventile. Die ersten Versuche begannen ab etwa 1815. Die vorerst zögernde Einführung, sowohl in den Blaskapellen als auch im Blech der Opern- und Sinfonieorchester, ist mit den Namen Heinrich Stölzel, Friedrich Blühmel, Moritz und Wieprecht untrennbar verbunden.

Blasmusik von 1870

Der Archivar der Wiener Philharmoniker, Andreas Lindner, spielt nicht nur selbst Trompete, sondern versucht, traditionelle Blasmusik von 1870 zum Klingen zu bringen. Aus diesem Grund gründete er das Ensemble „Die Strebitzer“. Gemeinsam arbeiteten sie Werke aus dem Archivbestand der Musikkapelle St. Pantaleon aus dem 19. Jahrhundert auf, wo zu dieser Zeit ein gewisser Michael Strebitzer – der Namensgeber der Band – Kapellmeister war. Strebitzer war vermutlich Militärmusiker in Wien, der um 1870 herum vierzig bis fünfzig Partituren abgeschrieben hat.

Musikverein St. Pantaleon
Musikverein St. Pantaleon
Musikverein St. Pantaleon, um 1870

Marsch- und Militärmusik als Vorbild

Das Zusammenwirken der damals gebräuchlichen Naturinstrumente mit hohem und klein besetztem Holzregister sowie einem breiten Begleitapparat aus Es-Trompeten und Hörnern prägte ein typisches Klangbild, das in dieser Form nicht mehr bekannt ist. Mit diesem Sound formten die dörflichen Musikkapellen die Hörgewohnheiten der ländlichen Bevölkerung. Immer mehr Blaskapellen formierten sich – meist klein besetzt -, und nahmen sich die Marsch- und Militärmusik zum Vorbild. Die damalige Zeit zeichnete sich durch die rasante Entwicklung der frühen Industrialisierung und zahlreiche technische Innovationen aus. Auch der Blasinstrumentenbau blieb davon nicht unbeeinflusst: Holz- und Blechblasinstrumente wurden weiterentwickelt.

Strebitzer
Musica Kremsmünster
Die Strebitzer

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 4.2.18

Neue Klänge aus alten Instrumenten

Anhand des fiktiven Musikers Josef „Sepp“ Huber aus Oberösterreich skizziert Andreas Lindner in der Sendung die Entwicklung der Blasmusik in Oberösterreich. Die Strebitzer werden dabei den alten Blasmusikinstrumenten neue Klänge herauslocken. Folgende Stücke werden zu hören sein:

„Gebet der Jungfrau“, „Musik aus Sammlung Zeitlinger“, „ Musik über menschliche Verderbtheit“, „Rekrutenmarsch“, „Rettungsjubel-Marsch“, „Arie“ aus ‚Ernani‘, „Die lustigen Nordpolfahrer“, „Deutsches Lied aus deutschen Herzen“, „Cavatine“, „Radetzkymarsch“ und „Trauermarsch“

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at

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