Sternenmusik in „Lust aufs Leben“

Die NASA-Raumsonde „Voyager 2“ ist seit 40 Jahren im Weltall unterwegs, mit an Bord hat sie eine goldene Schallplatte. Die Sendung „Lust aufs Leben“ begibt sich am 26. November und am 3. Dezember auf eine intergalaktische Musikreise.

Die Mission von „Voyger 2“ gilt als einer der größten Erfolge der unbemannten Raumfahrt. Die Sonde hat sozusagen ihre Lebenserwartung weit übertroffen und sendet noch heute regelmäßig Daten zur Erde. Für den Fall, dass Außerirdische eines Tages „Voyager 2“ in Besitz nehmen, haben ihr die Forscher der NASA eine goldene Schallplatte voller Informationen über die Erde mitgegeben. In Schallplattenrillen ist darauf Musik festgehalten. Außerdem enthält der Tonträger Grußworte in 55 Sprachen, der Anfang der Datenspur umfasst insgesamt 115 analog gespeicherte Bilder.

Ein kurzer Vorgeschmack auf die beiden Sendungen:

Weltraum Sommeruni Graz
ESA

Faszination Weltraum

Der Weltraum fasziniert die Menschheit seit jeher, der Entdeckungslust sind keine Grenzen gesetzt. Das Thema bewegt Denker und Forscher seit Jahrtausenden. Bereits im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung schrieb der antike griechische Philosoph Metrodoros von Chios, dass das unbegrenzte Universum von einer unbegrenzten Vielzahl unterschiedlicher Welten bevölkert sei. Für ähnliche Überzeugungen starb der italienische Naturphilosoph Giordano Bruno noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf dem Scheiterhaufen der Inquisition in Rom. Die Frage, ob die Erde samt ihren Bewohnern ein Unikat in den Weiten des Alls ist oder ob es anderswo noch bewohnte Planeten geben könnte, diese Frage hat Philosophen wie Astronomen nicht mehr losgelassen. Sind wir also die einzigen intelligenten Wesen in der Galaxis? Haben wir Nachbarn auf fernen Planeten und kennen sie nur noch nicht?

Botschaften für etwaige Außerirdische

Die Menschheit geht davon aus, dass es eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass es außerirdisches intelligentes Leben gibt. Und sie geht auch davon aus, dass enorme Distanzen zwischen uns und außerirdischen Zivilisationen liegen. So besteht das Bedürfnis, Projekte zu starten, die zum Ziel haben, Informationen über die Erde, Natur und Menschheit aktiv, bewusst und gesteuert in Form von Botschaften an etwaige Außerirdische zuzusenden, um Kontakt aufzunehmen. Das passiert durch die Kommunikation über Radiowellen, die prinzipiell über weiteste Distanzen erfolgen kann oder mit Hilfe der Raumfahrt mit bemannten Raumschiffen oder unbemannten Sonden.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 26.11.17 und 3.12.17

Im Jahre 1919 wurden bereits die ersten Versuche von Guglielmo Marconi unternommen, außerirdische Radiosignale zu empfangen, welche aber nicht bestätigt werden konnten. 1972 und 1973 schickte man die beiden Raumsonden „Pioneer 10“ und „Pioneer 11“ ins Weltall. Mit an Bord waren goldene Tafeln, die sogenannten Pioneer-Plaketten. Auf ihnen waren ein nacktes Menschenpaar, die Flugbahn der Sonde sowie die Sonne mit ihren Planeten abgebildet. Damit war die Hoffnung verbunden, dass falls die Sonden eines Tages von intelligenten außerirdischen Lebensformen gefunden würden, diese dadurch von der Menschheit erfahren würden. Die Nacktheit des Paares führte übrigens im damaligen prüden Amerika zu einem Sturm der Entrüstung.

Pioneer Plakette
wikimedia.org/Medunta
Pioneer Plakette

„Pioneer 10“ sendete 31 Jahre lang aus dem All

"Pioneer 10“ erreichte den Planeten Jupiter und den äußeren Bereich des Sonnensystems. Die Raumsonde erwies sich als äußerst robust und sendete das letzte Mal im Jänner 2013 Daten zur Erde. Ursprünglich für 21 Monate Einsatz gedacht, übertraf sie mit einer Missionsdauer von 31 Jahren alle Erwartungen der NASA. „Pioneer 11“ verstummte nach 22 Jahren, nachdem sie die Planeten Jupiter und Saturn erforschte. Die Sonde überstand auch den Flug durch das Reich der gefährlichen Saturnringe. Beide Pioneer-Ausflüge waren erfolgreich, beide starteten von Cape Canaveral an der Ostküste Floridas und hatten eine Atlas Centaur als Trägerrakete.

1977 startete die NASA die Raumsonden „Voyager 1“ und „Voyager 2“. Noch davor, nämlich 1974, wurde von der Erde aus eine Botschaft an mögliche Außerirdische in Form eines Radiowellen-Signals ausgestrahlt, also ins Weltall gesendet, die als „Arecibo-Botschaft“ in die Geschichte einging. Das Arecibo-Observatorium hatte damals das weltweit zweitgrößte Radioteleskop in der Nähe der Stadt Arecibo auf Puerto Rico.

Das „Wow!-Signal“ aus dem All

Im selben Jahr wurde auch das bisher spektakulärste Signal empfangen, das so auffallend war, dass der Wissenschafter, der es studierte, „Wow!“ dazu schrieb. Es gibt jedoch keinen Beweis dafür, dass das „Wow!-Signal“ tatsächlich von einer außerirdischen Zivilisation stammt. Seine Faszination hat es bis heute nicht verloren.

Wow!-Signal
wikimedia.org/Diego pmc

1999 und 2003 hat ein ukrainisches Weltraumzentrum in Jewpatorija, das auf der Krim am Schwarzen Meer steht, in Kooperation mit den Amerikanern Botschaften ins Universum geschickt. „Cosmic Call“, wie es sich nannte, übermittelte dabei auch private Anfragen. Für eine Gebühr von 13 bis 18 Euro konnten Interessenten ihre Nachricht ins All ausstrahlen lassen. „Hallo Burschen, ich brauche ein außerirdisches Visum. Bitte schickt mir eine Einladung“, lautete die vielleicht witzigste Weltraumbotschaft eines Texaners. Das Evpatoria-Planetary-Radiotelescope hatte einen Durchmesser von 70 Metern und eine Reflektorfläche von 2500 Quadratmetern. Aufgrund ihres leistungsstarken Transmitters eignete sich die Radaranlage sehr gut zum Entsenden von Radiobotschaften. Neben den privaten Messages schickten die Wissenschafter aber auch eine Sternenkarte und die Zeichnung eines Menschen sowie mathematische, geologische und biologische Informationen ins All.

„Arte“ sandte Fernsehbotschaft an die Sterne

Ungewöhnlich ging es am 30. September 2006 zu. An diesem Tag strahlte der Kultursender Arte eine Fernsehbotschaft an die Sterne. Per Parabolantenne wurde ein französischer 160-minütiger Dokumentarfilm in Aussaguel bei Toulouse in Richtung des Sternes Errai ausgestrahlt. Errai ist ein Doppelsternsystem im Sternbild Kepheus. Kepheus liegt zwischen dem Großen Bären und Kassiopeia und ist von Mitteleuropa aus das ganze Jahre über sichtbar. Die Karte des Sternbilds Kepheus zeigt fünf Sterne in Form eines Hauses und an der Spitze des Daches, da ist Errai.

Hinter Errai steckt ein Geheimnis, es könnte nämlich sein, dass Errai einen kleineren Planeten verdeckt, auf dem es möglicherweise Leben gibt, 45 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Botschaft, die die im Durchmesser 4,5 Meter große Parabolantenne ins All sendet, wird also erst in 45 Jahren ihr Ziel erreichen und noch einmal 45 Jahre brauchen, um zu uns zurückzukommen, falls überhaupt jemand antwortet – eine außerirdische Nachricht könnte also frühestens im Jahr 2096 vorliegen. Im Gegensatz zu den früheren Versuchen besteht die Fernsehsendung „CosmicConnexion“ nicht aus reinen Informationen über die Erde und den Menschen, sondern ist eine künstlerische Darstellung der Menschheit.

Weltall
NASA/JPL-Caltech/T. Pyle

Zeichentrick-animiertes Moderatorenpaar

Vor der Ausstrahlung konnte das gemeine Volk per Internet eigene Vorschläge oder gar ganze Videobotschaften an die potenziellen Mitbewohner der Milchstraße einsenden. Willkommensgrüße, Lustiges, aber auch Warnungen werden auf die Reise ins Universum geschickt. So empfiehlt ein Mann den Aliens, sich von der Erde fernzuhalten, da Fremde hier für gewöhnlich nicht gerne gesehen werden. Und noch ein Kuriosum der ersten Fernsehsendung für Außerirdische: alle Beiträge und Einspieler werden von einem nackten Moderatorenpaar angekündigt – einem Zeichentrick-animierten allerdings. Nicht auszumalen, welche Folgen diese Entscheidung haben wird, sollte die Botschaft jemals ankommen.

Horchen, Nachrichten schicken und analysieren

Seit also 60 Jahren suchen Wissenschafter und Astronomen nach Leben fern unseres eigenen. Sie horchen ins Weltall, schicken Sonden zum Mars, nehmen Monde ins Visier und analysieren Planetensysteme fernab unseres Sonnensystems. Entdeckt haben sie bis zum heutigen Tag nichts, aber Außerirdische gibt es, das sagen fast alle Wissenschafter. Hoffnungen werden auf die vor 40 Jahren gestarteten Schwesternsonden „Voyager 1 und 2“ gelegt, obwohl eine Begegnung mit Außerirdischen recht unwahrscheinlich ist. Schon von Anfang an war der NASA klar: die beiden unbemannten Sonden gehen auf eine lange Reise, vorbei an den Planeten unseres Sonnensystems und darüber hinaus. Auf vier Jahre war die Mission ursprünglich angelegt, heuer am 20. August jährte sich der Start von „Voyager 2“ zum vierzigsten Mal. Voyager heißt übersetzt Reisender. Am 20. August 1977 war sie von Cape Canaveral gestartet wie ihre Zwillingsschwester kurz darauf am 5. September 1977 und immer noch fliegen beide durchs All und senden Daten zur Erde, vor allem Messungen zu Magnetfeldern und zur Teilchenstrahlung der Sonne, dem sogenannten Sonnenwind.

Voyager Sonde Golden Record
NASA/JPL

„Voyager“ 1 ist 20 Milliarden Kilometer entfernt

Rund 20 Milliarden Kilometer ist „Voyager 1“ inzwischen von der Erde entfernt und damit so weit weg wie kein anderes vom Menschen gebautes Objekt. Bei „Voyager 2“ sind es rund 17 Milliarden Kilometer. „Voyager 1“ rast Richtung Norden durch das All, ihre Funksignale sind mehr als 17 Stunden zur Erde unterwegs. 2012 hat sie aufgrund der Datenauswertung das Sonnensystem verlassen, „Voyager 1“ hat den interstellaren Raum erreicht, also den Raum zwischen den Sternen. Die Sonnenteilchen haben den entscheidenden Beweis geliefert, dass die Sonde tatsächlich unser Sonnensystem verlassen hat. An dessen Grenze, die als Heliopause bezeichnet wird, wird die Teilchenstrahlung der Sonne von Teilchen aus dem interstellaren Raum gestoppt, die von da aus einströmen. Für die Sonde selbst ändert sich dadurch aber nichts. Sie kann einfach auf ihrer Bahn weiterfliegen, dort hin, wo noch keine Raumsonde gewesen ist. Man kann übrigens den jeweils aktuellen Kilometerstand der Raumsonde von der Sonne an einem Live-Counter im Internet ablesen (live-counter.com/raumsonde-voyager/).

„Voyager 2“ fliegt hingegen Richtung Süden und ist dank ihres früheren Startes die am längsten kontinuierlich betriebene Raumsonde. Wenn sie Aliens sehen würden, dann würden sie ein sperriges Gebilde mit spinnenartigen Metallfühlern, mit einem ringförmigen Aluminiumkörper samt Parabolantenne entdecken. In ein Einfamilienhaus gepackt, wäre die etwa acht Meter lange und ca. 800 kg schwere Voyager-2-Sonde ein Riesenmonstrum. Ein 2,5 Meter langer Ausleger trägt den Großteil der wissenschaftlichen Instrumente. Den Strom für die Geräte in beiden Sonden liefern sogenannte Radionuklidbatterien.

„Golden Record“ soll 500 Mio. Jahre überdauern

Im Weltall sind die beiden Sonden kaum zu sehen, aber dennoch bergen sie eine große Hoffnung der Menschheit in sich. Wenn nämlich außerirdische Wesen diese Gebilde einfangen sollten, könnte ihnen eine 30 Zentimeter große goldene Scheibe auffallen, die am Rumpf jeder Sonde angebracht ist. Diese Scheibe soll ihnen in Bild und Ton erklären, was die Menschheit ist, wo sie wohnt, wie sie sich vermehrt und was sie sonst noch gerne macht. Vorausgesetzt, die Aliens können hören, sehen und einen Plattenspieler bedienen. Die sogenannte Golden Record soll nach NASA-Aussagen eine Lebensdauer von 500 Millionen Jahre haben. Auf der Plattenhülle stehen in Zeichenform wichtige Informationen. Unter anderem wird den möglichen fernen Wesen erklärt, wie man die Platte abspielen kann, nämlich mittels eines Nadelsystems, das sich ebenfalls in der Schutzhülle befindet.

Voyager Sonde Golden Record
NASA/JPL
Golden Record

Grußbotschaften in 55 verschiedenen Sprachen

115 Bilder auf der Datenspur zeigen die verschiedensten Motive, von denen die Forscher dachten, sie seien typisch für unser Leben. Die Bilder sollten fundamentale Informationen enthalten. Bilder, die die Biologie des Menschen erklären, Bilder der Erde, ihren Bergen, Flüssen und Wäldern, Bilder von Pflanzen und Tieren, Bilder, die Menschen bei der Arbeit, beim Essen und Trinken zeigen, Bilder von Angehörigen der verschiedensten Volksgruppen. Der Rest besteht aus Audiodaten, also Tonaufnahmen wie zum Beispiel Grußbotschaften in 55 verschiedenen Sprachen. Weiters ist auf dem – man könnte es ja so nennen - „Best-of-Album der Menschheit“ eine zwölf Minuten lange Geräuschcollage zum Thema Evolution. Man hört beispielsweise Wind und Regen, Tiergeräusche, Meeresrauschen, einen Kuss, Herzklopfen, Lachen.

Bild Golden Record
National Astronomy and Ionosphere Center
Demonstration von lecken, essen und trinken

Sollten die Außerirdischen keine der Erdensprachen oder die Geräusche der Erde verstehen, dann hat Voyager noch 90 Minuten Musik mitbekommen wie bekannte Titel von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Louis Armstrong und jede Menge ethnische Musik aus verschiedenen Ländern. Starten wir jetzt unsere interstellare Reise mit einem Österreicher, nämlich mit Kurt Waldheim. Er war damals Generalsekretär der Vereinten Nationen, sein Englisch klingt ein wenig seltsam österreichisch eingefärbt:

„Als Generalsekretär der Vereinten Nationen, einer Organisation von 147 Mitgliedsstaaten die beinahe alle menschlichen Bewohner des Planeten Erde repräsentiert, sende ich Grüße im Namen der Völker unseres Planeten. Wir treten aus unserem Sonnensystem ins Universum auf der Suche, nur nach Frieden und Freundschaft, um zu lehren wo wir darum gebeten werden, um zu lernen wenn wir Glück haben. Wir sind uns ganz und gar bewusst, dass unser Planet und alle seine Bewohner nichts als ein kleiner Teil des uns umgebenden, immensen Universums sind und wir machen diesen Schritt mit Demut und Hoffnung", so Waldheim.

27 Musikstücke auf der „Golden Record“

Wenn Außerirdische diese Golden Record irgendwann einmal öffnen sollten, werden sie feststellen, dass der wichtigste Komponist auf dem Planeten Erde ein gewisser Johann Sebastian Bach ist. Er führt die 27 Stücke umfassende Musikliste an. Chuck Berry, Louis Armstrong, dazu klassische Musik von Bach, Mozart und Beethoven sowie Klänge aus Ländern wie Australien, Bulgarien, Japan, Peru und Mexiko, alles ist auf dieser außergewöhnlichen Langspielplatte. Um das unseren jungen Hörerinnen und Hörern gleich vorweg zu erklären. Ja, Schallplatten waren für große Teile der Weltbevölkerung tatsächlich einmal das bevorzugte Format, um Musik zu speichern, zu hören und zu transportieren. Überdies hatten sie zwei Seiten, es gab keine Zufallsfunktion, keine Playlisten, und um die ganze Musik hören zu können, musste man die Platten nach der halben Laufzeit umdrehen. Sollten einmal wirklich irgendwann Aliens die Platte zu hören bekommen, dann haben sie durch das von der NASA erstaunlich fein selektierte Sammelsurium möglicherweise einen breiteren musikalischen Horizont als mancher Erdenbewohner.

Hier können Sie Teil 1 der Sendung nachhören:

Hier können Sie Teil 2 der Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at

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