Ein Brückenbauer: Josef Ratzenböck

Ungewöhnliche Lebenswege und besondere Leistungen oberösterreichischer Persönlichkeiten stehen im Mittelpunkt der Serie „Baumeister und Brückenbauer des Landes“. Am Sonntag geht es in einem „Schwerpunkt Zeitgeschichte“ um Altlandeshauptmann Josef Ratzenböck.

Sendungshinweis:
„Lust aufs Leben“ am 19.11.17 ab 21.03 Uhr

Josef Ratzenböck steht seit 1953 im Dienste der Österreichischen Volkspartei. Er entwickelte sich rasch zur Stütze des damaligen Landesparteisekretärs Erwin Wenzl, zuerst als Referent und Sachbearbeiter, ab 1969 übernimmt Ratzenböck selbst den Landesparteisekretärsposten. Als 1971 der hochaufgeschossene, schlaksige und trockene Erwin Wenzl Landeshauptmann wird – als Nachfolger von Heinrich Gleißner - bleibt Ratzenböck an seiner Seite.

Alt-Landeshauptmann Heinrich Gleißner (li) und Landeshauptmann Josef Ratzenböck (re) im Gespräch (1977)
OÖ Landesarchiv/Franz Gangl
Alt-Landeshauptmann Heinrich Gleißner (li) und Landeshauptmann Josef Ratzenböck (re) im Gespräch (1977)

Engagiert im Wahlkampf für Wenzl

Als Wahlkampfleiter schafft er es in zwei Jahren, aus dem steifen und bieder wirkenden Wenzl einen Spitzenkandidaten zu formen und wird dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Er erfindet eine Kunstfigur, den „Löwen von Oberösterreich“. Sogar eine Schallplatte wird diesem Wundertier gewidmet. Ratzenböck hat Erfolg mit dieser Masche, Wenzl landet einen Wahlsieg, den er allein nie geschafft hätte. Das weiß er auch und macht Ratzenböck in der neuen Regierung zum Landesrat. In sein Ressort fallen Kultur, Wohnbau und Sozialwesen. Im Herbst 1977 zieht sich Wenzl überraschend aus allen Ämtern zurück, Josef Ratzenböck folgt ihm nach.

Aufstieg zum Landeshauptmann 1977

Ratzenböck ist unermüdlich und voller Tatendrang. Als instinktsicherer Politiker baut er sich geschickt zuerst seine Hausmacht im oberösterreichischen Rentner- und Pensionistenbund auf. Er engagiert sich als Mensch und Politiker immer auch für die sogenannten „Sorgen des kleinen Mannes“, indem er Sprechtage einführt. Er erfindet ein Wähler- und Bürgerservice, was damals völlig neu war, eine unbürokratische Anlaufstelle für diejenigen, die mit Sachproblemen und dem Umgang mit der Bürokratie oft überfordert sind.

Josef Ratzenböck bei seiner Abschiedsrede als Landeshauptmann 1995
ORF
Abschiedsrede als Landeshauptmann 1995

Bewegte Zeiten und viele Hürden

In die Amtszeit von Josef Ratzenböck fielen einige große Probleme. Der zweite Erdölschock in den Jahren 1979/1980 und die schwere Krise der verstaatlichten Industrie bedeuteten besonders für das Industrieland Oberösterreich schwierige Zeiten. Auch die nicht immer einfachen Verhandlungen und die Abstimmung zum Beitritt Österreichs zur Europäischen Union gehörten in seine Amtszeit. Obwohl er sich in der Bewegung gegen das Atomkraftwerk Temelin engagierte, bemühte er sich besonders um die Integration des neuen Nachbarn von Oberösterreich, der Tschechischen Republik.

Die großen Erfolge von Ratzenböck

Ein großer Coup gelang Landeshauptmann Ratzenböck mit der Ansiedlung des BMW-Motorenwerks in Steyr und sein Nein zum Kraftwerk im Reichraminger Hintergebirge war die Geburtsstunde des Nationalparks Kalkalpen. Er sorgte für die Sanierung der Ager und der Traun, die Gründung des Musikschulwerkes sowie die Etablierung der Oberösterreichischen Landesausstellungen.

Ratzenböck erledigte in atemberaubendem Tempo seine Amtsgeschäfte und bürdete sich eine Fülle von Ämtern, Posten und Aufsichtsratsmandaten auf. 1993 verkündet er, dass er 1997 vielleicht doch noch einmal kandidieren könnte. 1994 meint Ratzenböck, dass er sich vorstellen könnte, noch zu bleiben – 1995 tritt er ab, bevor ihn seine Kritiker nach 17 Jahren aus dem Amt hebeln können.

Seniorenbund Ratzenböck Pühringer
ORF
Josef Ratzenböck wurde Ehrenobmann des Seniorenbundes

Sein Nachfolger wird auch ein Josef sein, der sich nach ihm beweisen muss: Josef Pühringer.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer /ooe.ORF.at

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