Geldwucher-Prozess in Wels vertagt

Der Prozess gegen sieben Männer, die wegen schwerer Erpressung und Geldwuchers beziehungsweise wegen Nötigung in Wels vor Gericht stehen, ist Donnerstagnachmittag vertagt worden.

Zuvor hatten Zeugen von Einschüchterungen zur Eintreibung von angeblichen Schulden berichtet. Ein Grund für die Vertagung war, dass die Richterin noch ein medizinisches Gutachten einholen lässt.

Prozess auf 22. März vertagt

Ein Angeklagter, der einem Schuldner eine Ohrfeige versetzt haben soll, behauptet nämlich, er wäre damals dazu gar nicht in der Lage gewesen, weil er kurz zuvor eine Operation wegen einer eingewachsenen Haarwurzel gehabt habe. Ob ein solcher Eingriff wirklich so massive Auswirkungen hat, soll nun ein Sachverständiger beantworten. Der Prozess wurde auf 22. März vertagt, dann könnte auch das Urteil gefällt werden.

Wegen Geldwuchers und Erpressung vor Gericht

Die sieben Männer stehen in Wels wegen schwerer Erpressung und Geldwuchers beziehungsweise wegen Nötigung vor Gericht. Die zwei Hauptangeklagten sollen an mehrere Personen zu horrenden Zinsen Geld verliehen haben. Außerdem sollen die Hauptangeklagten das Geld mithilfe von Handlangern unsanft zurückgefordert haben. Ein Schuldner der Geldwucherer beging deswegen sogar einen Banküberfall.

Zeugen wirkten eingeschüchtert

So mancher Zeuge wirkte am Dienstag im laufenden Prozess eingeschüchtert, wie die Richterin bemerkte. Die zwei Hauptangeklagten sitzen in U-Haft. Der ältere, ein 35-jähriger Mazedonier, ist teilweise geständig, sein 28-jähriger Kompagnon aus dem Kosovo und die fünf mutmaßlichen Handlanger leugnen überwiegend die Vorwürfe.

Schuldner beging aus Angst Banküberfall

Am Dienstag stand unter anderem die Einvernahme des Bankräubers am Programm. Er schilderte, dass er sich bei einem der Angeklagten 10.000 Euro ausgeborgt habe. Von April 2015 bis November 2016 habe er jedes Monat 2.000 Euro allein an Zinsen gezahlt. Dann habe er das Geld nicht mehr zusammenkratzen können und aus Angst den Überfall begangen, der allerdings scheiterte und mit seiner Festnahme endete.

Geldeintreiber sei „furchteinflößend“ gewesen

Der Mann sagte, dass er Angst gehabt habe und hat. Der Geldeintreiber sei alleine durch seine Erscheinung - groß, muskulös, Glatze - „furchteinflößend“ gewesen. Er berichtete von deutlichen Zahlungsaufforderungen. Immer wieder sei ihm gesagt worden, er solle zahlen, „keine Spielchen“. Jener Angeklagte, der ihm das Kreditgeschäft vermittelt hat, habe ihm erzählt, dass im Kosovo Frauen und Kinder verschwinden würden, wenn man nicht zahle, oder einem ein Finger gebrochen werde. Direkt an ihn gerichtete Drohungen habe es aber nicht gegeben, sagte er.

Auch im Gefängnis keine Ruhe von Geldeintreibern

Allerdings reichte der Arm des Geldgebers offenbar sogar bis ins Gefängnis. Dort sei er gewarnt worden - „Du wirst schon sehen, was passiert, wenn du fertig bist“ - und einmal habe ihm ein Mithäftling ausgerichtet, dass er schuldenfrei sei, wenn er seine Anzeige zurücknehme.

Zeugen wirkten „eingeschüchtert“

Generell ziehen sich möglicherweise eingeschüchterte Zeugen wie ein roter Faden durch den Prozess. Einer wollte zunächst gar nicht kommen, weil er sich fürchte. Als ihm gesagt wurde, dass er erscheinen müsse, meldete er sich krank. Er kam dann doch in Polizeibegleitung, blieb aber vage in seinen Aussagen.

10.000 Euro an „Zinsen“ bezahlt

Ein weiteres Opfer hatte 30.000 Euro geliehen und mehr als 40.000 zurückgezahlt. Die Sicherheiten - sein Motorrad und den Typenschein für einen Wohnwagen - habe er dennoch nicht mehr zurückbekommen, so der Mann. Hatte er bei der Polizei noch von der Gewaltbereitschaft der Angeklagten, einer Ohrfeige und von Drohungen berichtet, so konnte er sich vor Gericht daran nicht mehr oder erst auf Nachbohren der Richterin erinnern. Schließlich fragte sie ihn, ob er auch in letzter Zeit bedroht worden sei. „Sie wären nämlich einer der wenigen Zeugen, wo es nichts gegeben hat.“ Er verneinte aber. Sie gab ihm zum Schluss mit auf den Weg: Wenn etwas vorfallen sollte, solle er zur Polizei gehen.

Ein Urteil in dem Prozess könnte am Donnerstag gesprochen werden. Den Beschuldigten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

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