Der erbitterte Kampf um Stromkunden

Die steigende Konkurrenz am Strommarkt bekommen die Oberösterreicher immer öfter zu spüren. Im Auftrag namhafter Anbieter werben Verkäufer um einen Wechsel zu ihrem Auftraggeber - zum Teil auch mit höchst fragwürdigen Methoden.

„Ich ärgere mich, dass ich darauf hineingefallen bin“, sagt Josef Aigner. Der pensionierte Gendarm aus Steyr machte gerade ein Nickerchen, als es an seiner Haustüre läutete.

Zwei Männer mit dunkelblauen Jacken des Stromanbieters Verbund hätten ihm erklärt, dass sein bisheriger Stromanbieter, die Energie AG, nicht mehr mit dem Verbund zusammenarbeiten und in Zukunft keinen Strom mehr liefern würde. Der Verbund würde dies aber übernehmen - noch dazu komme ihm dies um 13 Euro im Monat günstiger. „Natürlich war ich einverstanden, Strom brauch ich ja“, sagt Aigner. Später habe er sich gedacht, dass irgendetwas nicht stimmen könne.

„Eine Schande ist das“ - Josef Aigner ist empört

In den vergangenen Tagen hätten die Anfragen verunsicherter Kunden stark zugenommen, heißt es von den beiden großen oberösterreichischen Anbietern Energie AG und Linz AG, die in diesem Bereich unter dem gemeinsamen Namen „Enamo“ zusammenarbeiten. „Es kommt zwar immer wieder vor, aber nicht in dieser Häufigkeit“, sagt der Geschäftsführer der Enamo GmbH Josef Siligan. Dass mit Unwahrheiten und Gerüchten gearbeitet wird, sei neu.

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Mit den Vorwürfen Donnerstagvormittag konfrontiert, spricht man beim Verbund von „schwarzen Schafen“ und kündigt eine Überprüfung an. Am Nachmittag habe man dann erste Konsequenzen gezogen, sagt Verbund-Sprecherin Ingun Metelko: „Wir haben sehr strenge Kontrollen, deshalb konnten wir die beiden Mitarbeiter rasch identifizieren. Die beide Vertriebspartner sind nicht mehr im Einsatz.“

Auch die Klagenfurter Stadtwerke, denen ähnliche Methoden vorgeworfen werden, kündigen eine Überprüfung an, man distanziere sich von solchen „Maschen“.

Wechsel oft günstig

Laut der Regulierungsbehörde e-control hätten in den ersten neun Monaten dieses Jahres in Oberösterreich knapp 50.000 Kunden ihren Stromanbieter gewechselt und sich dadurch im ersten Jahr rund 330 Euro gespart.

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Josef Aigner werde sich genau anschauen, ob ihm der durch das Geschäft an der Haustür zustande gekommene Wechsel tatsächlich günstiger kommt - sonst werde er wieder zurück zu seinem bisherigen Anbieter wechseln.

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