Hitler-Haus: Abrissempfehlung in Diskussion

Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau wird abgerissen, das würden auch Experten empfehlen, so Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) am Montag. Darauf reagierten die Experten: Von Abriss stehe nichts in der Empfehlung.

Der Innenminister las die Empfehlung zum Abriss aus dem Bericht einer Expertenkommission und er sieht dies auch als beste Lösung. Anders Mitglieder der Expertenrunde selbst - wie etwa der Braunauer Bürgermeister Hannes Waidbacher. Tatsächlich empfehle die Kommission „eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung“, die den „Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden“ soll, so Waidbacher (ÖVP), der selbst in der Runde der Experten ist, in den Oberöstereichischen Nachrichten (Dienstagausgabe).

Hitlers Geburtshaus in Braunau
ORF

Auch Cornelia Sulzbacher, die Leiterin des oberösterreichischen Landesarchivs war überrascht von der Abriss-Interpretation des Innenministers: „Wir haben empfohlen, das Geburtshaus in seinem Aussehen so zu verändern, dass es nicht mehr als Symbol verwendet werden kann und zu keiner Pilgerstätte wird.“

„Tiefgreifend umgestalten“

Durch diese laut Expertenbericht „tiefgreifende architektonische Umgestaltung“ soll kein Wiedererkennungswert mehr möglich sein. Aber es soll auch kein leerer Platz anstelle des Geburtshauses entstehen, so die Expertenkommission aus Historikern, Juristen, Beamten des Innenministeriums und eben des Bürgermeisters von Braunau am Inn.

Diese Information bestätigte der Sprecher des Innenministeriums, Karlheinz Grundböck, gegenüber dem ORF Oberösterreich. Innenminister Sobotka formulierte es direkter: Das Hitler-Haus werde abgerissen. Das wäre „die sauberste Lösung“, so Sobotka bereits im Juni dieses Jahres. Mehr dazu auf Abriss von Hitlers Geburtshaus möglich (ooe.ORF.at; 12.6.16)

Hitler-Geburtshaus
ORF

Sobotka selbst erklärte am Abend in einer Aussendung, er teile die Ansicht der Kommission, „wonach eine tief greifende architektonische Umgestaltung sinnvoll ist, um sowohl den Wiedererkennungswert als auch die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft zu unterbinden“. Dabei wäre nach Neugestaltung des Gebäudes eine soziale oder behördliche Nutzung denkbar. In jedem Fall solle aber keinerlei Verbindung zur Person Adolf Hitlers bestehen bleiben, da ansonsten der Mythos des Geburtshauses fortgeschrieben werden würde, so Sobotka in der Aussendung.

Entsprechendes Gesetz am Dienstag vorbereitet

Am Dienstag soll im Parlament ein erster Schritt dazu gesetzt werden, hieß es: Der Nationalrat werde ein Gesetz beschließen, mit dem die Besitzerin des Hitler-Geburtshauses in Braunau enteignet und entschädigt werden soll und das Haus in den Besitz der Republik übergehe.

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