Lenzing streicht bis zu 700 Jobs in OÖ

Der Jobabbau beim Faserhersteller Lenzing weitet sich offenbar aus. Es geht nicht nur um Dienstverhältnisse der Stammbelegschaft, auch eine große Zahl von Leiharbeitern sei betroffen. Mittlerweile soll es um 700 Jobs gehen.

Ein Teil der Stellen wird durch Pensionierungen und Abgänge frei werden. Der operative Gewinn (EBIT) wird heuer nur 75 bis 85 Millionen Euro betragen. Angekündigt waren zunächst 160 Millionen Euro. Die Stellenkürzungen sollen im Jänner 2014 beginnen, sagte Lenzing-Chef Peter Untersperger im Gespräch mit ORF-Redakteur Patrick Steinbock.

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Außerdem müssen auch die meisten der rund 300 Technikleiharbeiter am Standort in Lenzing gehen. „Wir werden die Zahl massiv zurückfahren“, sagte Untersberger. Darüber hinaus fallen 210 Stellen in China und Indonesien weg. Es handle sich um den größten Mitarbeiterabbau seit 1996. Die Belegschaft sei bereits informiert worden. Es werde einen Sozialplan geben, der „fair und so sozial wie möglich“ sein soll, versicherte Untersperger. In Summe beschäftigt die Firma in Lenzing (Bezirk Vöcklabruck) 2.800 Mitarbeiter. In Asien sind es rund 3.000.

Stiftung und AMS

Wirtschaftslandesrat Michael Strugl sagt zu möglichen Maßnahmen des Landes, dass jene Arbeitnehmer, die keine neue Arbeitsstelle finden, in eine Stiftung übernommen werden können.

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Mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) im Bezirk Vöcklabruck hat bisher niemand gesprochen, bestätigt deren Leiterin Karin Gerhard im Gespräch mit ORF-Redakteur Gernot Ecker.

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Für Betriebsräte ist Unternehmen gefährdet

Eine mögliche Ursache für die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens sieht der Betriebsratsvorsitzende Rudolf Baldinger in der starken Personalaufstockung nach dem Rekordjahr 2011. Durch die große Kündigungswelle sei aber das gesamte Unternehmen gefährdet.

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Fallende Preise durch Überangebot

Auslöser für die wirtschaftlichen Probleme sei der Rückgang der Faserpreise um 14 Prozent, der sich im dritten Quartal noch beschleunigt habe. Auch für die nahe Zukunft zeichne sich keine Verbesserung ab, nicht zuletzt, weil für das Konkurrenzprodukt Baumwolle weltweit die Lager voll sind. Lenzing stellt Viskosefasern her.

„Die schwierige Marktlage wird 2014 und möglicherweise auch bis ins Jahr 2015 anhalten“, wird der Lenzing-Chef in der Aussendung zitiert. Lenzing müsse trotz der widrigen Umstände wieder die Kostenführerschaft erlangen. Es würden insbesondere Verkauf und Marketing gestärkt und das Unternehmen auf die wichtigsten Fasermärkte Türkei und Asien ausgerichtet.

An der Wiener Börse notierten Donnerstagmittag die Lenzing-Aktien mit einem Minus von 6,52 Prozent bei 48,61 Euro, zeitweise hatte die Aktie sogar mehr als zehn Prozent verloren.

SPÖ-Kritik an Kündigungswelle bei Lenzing

Klubvorsitzende Gertraud Jahn (SPÖ) warnt vor die Kündigungen bei voller Produktion. „Wenn ein Gewinneinbruch ausreicht, um trotz voller Auftragsbücher ein Zehntel der Arbeitnehmer zu kündigen, dann erfüllt mich der Unternehmenskurs von Lenzing mit Sorge.“ Wenn Europas Konjunktur nicht gestärkt werde, dann verringerten sich die Absatzmärkte und es verschärfe sich der Preiskampf auf dem Weltmarkt. Auf diese Weise weite sich auch der Kaputtsparkurs aus, dessen negative Auswirkungen zuallererst immer die Arbeitnehmer zu spüren bekämen, so Jahn.

Grüne fordern weitreichenden Sozialplan

„Klarerweise muss ein Unternehmen wie die Lenzing AG bei einer schwierigen Marktlage gegensteuern. Dass es jedoch gleich massiver Stellenabbau sein muss und keine anderen, weniger drastischen Wege gefunden worden sind, ist sehr bedauerlich und doch kritisch zu hinterfragen. Es braucht rasche Gespräche von Land und AMS mit der Lenzing AG, um gemeinsam Lösungen zu suchen“, sagt dazu Landessprecherin Maria Buchmayr (Die Grünen). Sie fordert Unterstützung für die Leidtragenden und in diesem Sinne einen weitreichenden Sozialplan.

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